Zum Inhalt springen

Zwei kaum bekannte Komponisten aus Franken

Regionalkantor Wolfgang Trottmann
Datum:
Veröffentlicht: 24.11.24
Von:
Bernhard Kuhn

Johann Georg Herzog und Philipp Wolfrum

Regionalkantor Wolfgang Trottmann aus Kulmbach stellte in der Pfarrei Bernhard Lichtenberg in einem Vortrag zwei kaum bekannte Komponisten aus Franken vor: Johann Georg Herzog und Philipp Wolfrum. Die Vorsitzende der katholischen Erwachsenenbildung Anne Gerling- Fritsch begrüßte den Kulmbacher Kirchenmusiker.

Regionalkantor Wolfgang Trottmann aus Kulmbach stellte in der Pfarrei Bernhard Lichtenberg in einem Vortrag zwei kaum bekannte Komponisten aus Franken vor: Johann Georg Herzog und Philipp Wolfrum. Die Vorsitzende der katholischen Erwachsenenbildung Anne Gerling-Fritsch begrüßte den Kulmbacher Kirchenmusiker.

Wolfgang Trottmann ist engagiert im Diözesanverband der katholischen Kirchenmusiker im Erzbistum Bamberg und ist der zweite Vorsitzende im Bundesverband der katholischen Kirchenmusiker in Deutschland. In seinem Vortrag machte der Referent einen Streifzug durch das Leben und kirchenmusikalische Schaffen von Johann Georg Herzog, der vor allem im Raum Erlangen tätig war, und dessen Geburtstag sich 2022 zum 200. Mal jährte. Auch Philipp Wolfrum, der aus Schwarzenbach am Wald stammte und zuletzt Universitätsmusikdirektor in Heidelberg war, wird in diesem Streifzug vorgestellt. Dessen Todestag jährte sich 2019 zum 100. Mal.

Johann Georg Herzog geboren am 5. August 1822 in Hummendorf im Obermainkreis; gestorben am 3. Februar 1909 in München war ein deutscher Organist, Komponist und Hochschullehrer, Sohn des Leinwebers Johann Sebastian Herzog. Nachdem die Familie nach Schmölz 1827 umzog, wuchs er dort auf und besuchte die Dorfschule.

Er erhielt seine erste musikalische Ausbildung durch Dorfmusikanten, bis er Orgelschüler des später am Schullehrerseminar in Schwabach wirkenden Kantors und Komponisten Salomo Heinrich Bodenschatz in Schmölz wurde. Ab seinem zehnten Lebensjahr versah er gelegentlich Organistendienste. 1839 erhielt er sein Examen als Schulpräparand in Schmölz, worauf er von 1839 bis 1841 am Schullehrerseminar in Altdorf studierte.

Er wurde 1841 Schulverweser in Bruck bei Hof, dort entstanden auch seine ersten Kompositionen, die er zur Begutachtung zu Christian Heinrich Rinck nach Darmstadt übersandte; er wurde auch durch Robert Schumann ermuntert weiter zu komponieren.

Im April 1850 erfolgte seine Einstellung als Lehrer für Orgelspiel am Konservatorium für Musik in München. Dort waren unter anderem Friedrich Samuel  Riegel (1825–1907), Carl Greith und Josef Gabriel Rheinberger seine Schüler, mit letzterem verband ihn auch eine lebenslange Freundschaft.

Herzog wurde am 1. Oktober 1854 zum Universitäts-Gesangs- und Musiklehrer am neugegründeten Institut für Kirchenmusiker Universität Erlangen berufen und erhielt den Titel Professor. Nach weiteren beruflichen Erfolgen begründete er seine regelmäßigen Historischen Konzerte. 1865 wurde er Mitglied der Kommission zur Reorganisation des Konservatoriums in München. Am 28. September 1872 erfolgte durch König Ludwig II. seine Erhebung in den Rang eines außerordentlichen Professors; am 1. Oktober 1888 wurde er auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt und kehrte nach München zurück. Johann Herzog starb 1909 im Alter von 86 Jahren. Johann Georg Herzog war ein Altmeister der deutschen Organisten, der sich bleibende Verdienste in der liturgischen und kirchenmusikalischen Reformbewegung erwarb. Als Komponist war er in der Nachfolge von Johann Sebastian Bach.

Anschließend kam Wolfgang Trottmann auf Philipp Wolfrum zu sprechen. Dieser wurde am 17. Dezember 1854 in Schwarzenbach am Wald geboren und starb am 8. Mai 1919 in Samedan im Oberengadin.Er war ein deutscher Komponist, Organist und Professor.

Philipp Wolfrum war ein Sohn des Kantors und Lehrers Johann Heinrich Wolfrum. Sein Bruder war der Organist und Komponist Karl Wolfrum. Bereits in jungen Jahren erlernte er das Orgelspiel und vertrat seinen Vater bereits als Neunjähriger an der Orgel. Mit dem Ziel, Lehrer und Organist zu werden, durchlief er das Königliche Lehrerseminar in Altdorf bei Nürnberg. Nach seinem Abschluss im Jahr 1872 wirkte er zunächst als Hauslehrer und ging dann als Hilfslehrer an das Königliche Lehrerseminar zu Bamberg. Durch ein Stipendium wurde es ihm möglich, 1876 ein Studium an der Königlich Bayerischen Musikschule in München aufzunehmen. Dort studierte er Orgel und Komposition bei Joseph Rheinberger, Klavier bei dem Liszt-Schüler Karl Bärmann und Chorgesang und Dirigieren bei Franz Wüllner. Der Referent erzählte viele Einzelheiten über den beruflichen Werdegang von Philipp Wolfrum. Unter anderem setzte sich Wolfrum intensiv für die Wiedererweckung des Werkes von Johann Sebastian Bach und für das Werk Franz Liszts ein. 1910 erschien Wolfrums zweibändige Monographie Johann Sebastian Bach und er fungierte als Obmann der Liszt-Gesamtausgabe von der er vier Bände selbst edierte. Eine lebenslange Freundschaft verband Wolfrum mit seinem Münchener Studienkollegen Engelbert Humperdinck. Auch Felix Mottl und Richard Strauß gehörten zu Wolfrums Freundeskreis.

Zu diesen umfangreichen geschichtlichen Fakten und Hörbeispielen gab es im zweiten Teil des Abends ein kleines Konzert mit Orgelwerken beider Meister in der Konradskirche. Der beliebte Kulmbacher Organist erfreute seine Zuhörer mit Werken der beiden Komponisten sowie mit einem Werk von Josef Rheinberger. Wolfgang Trottmann erntete dafür lang anhaltenden Beifall. Die Vorsitzende der Erwachsenbildung Anne Gerling-Fritsch bedankte sich im Namen aller Teilnehmer für diesen sehr schönen musikalischen Bildungsabend.