Zeichen für Gottes Gegenwart in dieser Welt

Sr. Sandra Friedrich legt ewige Profess ab

In der Ewigen Profess bindet sich ein Kandidat für die Aufnahme in einen Orden auf Lebenszeit an seine Gemeinschaft. Diese öffentlich abgelegten Gelübde haben die drei so genannten „Evangelischen Räte" zum Inhalt: Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Diese Gelübde werden als Selbstbindung eines Menschen verstanden, der sein Leben ganz von Gott her bestimmen lassen will und daher auf bestimmte menschliche Bindungen wie Besitz, Partnerschaft oder Macht verzichtet.
Jede Berufung beginnt mit Gott. Er klopft an die Tür des Herzens. Gott ruft jeden Menschen auf eine besondere Weise. Er beruft Menschen zu einem Leben, das sie tief erfüllt. So ging der Ruf Gottes auch an Sr. Sandra Friedrich, die zusammen mit ihren Mitschwestern Sr. Oberin Maria, Sr, Ina und Sr. Margareta in der Ordensgemeinschaft der Eucharistinerinnen in Oberkotzau zu Hause ist, und dort segensreich wirken. Nach mehrjährigem Noviziat ist nun Sr. Sandra‘s Entschluss gereift die „Ewige Profess“ abzulegen.
Dies wurde in einem feierlichen Gottesdienst am Fest des Heiligen Josef in der St. Antonius- Kirche in Oberkotzau vollzogen. Zahlreiche Gläubige, darunter Verwandte und Freunde von Sr. Sandra waren gekommen, um bei diesem feierlichen Akt Zeuge zu sein. Weihbischof Herwig Gössl stand dem Festgottesdienst vor, den er zusammen mit seinen Mitbrüdern Dr. Dieter Jung, Holger Fiedler, Sebastian Schiller, Ignacy Kobus, Anton Heinz und Pater Frank aus München zelebrierte. Sr. Margareta übernahm als Organistin und Kantorin mit einer kleinen Band die musikalische Umrahmung. „Wag den Sprung in Gottes Hände, lass dich fallen wie ein Kind! Du sollst wissen, dass am Ende nur, wer Gott vertraut, gewinnt. So lautete das aussagestarke Eingangslied von Werner Arthur Hoffmann. Weihbischof Herwig Gössl stellte eingangs seiner gefühlsbetonten Predigt die Frage: „Wie geht Berufung?“ „Am Tag einer Ordensprofess, dem Versprechen, ein Leben lang in Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit, und gebunden an eine Ordensgemeinschaft, dem Herrn nachzufolgen, an einem solchen Tag darf man die Frage sicher stellen, ja sie drängt sich geradezu auf: Wie geht Berufung? Was passiert da, damit ein Mensch weiß: So ist es richtig. So soll es sein.“ Und der Bischof fragt weiter: „Was macht Sie liebe Sr. Sandra so sicher, dass Sie einen so bedeutungsvollen Schritt wagen in dieser Kirche in unserer Zeit?“ Sr. Sandra habe in einem Vorgespräch dem hohen Gast aus Bamberg ihren Berufungsweg erzählt. Weihbischof Herwig Gössl folgerte aus dem Gespräch, dass es auf all diese Fragen keine einfachen Antworten, keine letzte unumstößliche , absolute Sicherheit gäbe. Es gibt in der Regel nicht einen Moment der vollkommenen Klarheit darüber, was der Plan Gottes für mein Leben sei. „Was es aber sehr wohl gibt, das ist diese Stimme, die an mein inneres Ohr dringt und die viele vermeintlichen Gewissheiten meines Lebens und Überzeugungen von Menschen in meiner Umwelt radikal in Frage stellt!“ fuhr der Bischof fort. „Gott fordert mich ein, und ich kann mich darauf einlassen, ich spüre: Ich kann IHM vertrauen. ER meint es gut mit mir. Und deshalb kann ich mich IHM hier und heute anvertrauen, auch wenn das meine Langzeit- Lebensplanung durcheinander bringt. Ich kann mich IHM anvertrauen, gerade auch in unruhigen und unsicheren Zeiten, in denen ich vieles nicht verstehe und überhaupt nicht weiß, wie es weiter geht in dieser Welt, in dieser Kirche.“ „Gott beruft Menschen, weil ER bei uns Menschen sein und bleiben will. Dafür will ER ein Zeichen setzen in dieser Welt, ein Zeichen, das alle Glieder der Kirche wirksam zur eifrigen Erfüllung der Pflichten ihrer christlichen Berufung hineinziehen kann und soll. Gott will bei uns Menschen sein und uns Mut machen, gerade in solch verworrenen und unsicheren Zeiten, wie wir sie derzeit erleben. Für diese Gegenwart Gottes sind Sie liebe Sr. Sandra, zusammen mit Ihren Mitschwestern ein deutliches, sichtbares Zeichen. Sie bringen die Bereitschaft mit, auf IHN zu hören und IHM Schritt für Schritt zu folgen,und volles Vertrauen, dass ER da ist, treu und zuverlässig. Und wenn ER bei uns ist, dann haben wir das Ziel unseres Lebens schon erreicht. So geht Berufung!“ Nach diesen ansprechenden und zu Herzen gehenden Worten des Weihbischofs kam der große Augenblick. Sr. Sandra legte vor dem Bischof, vor der Generaloberin Sr. Margaretha Wawryck, vor ihren Mitschwester und vor der gesamten Gemeinde die EWIGE PROFESS ab. Anschließend folgte die Allerheiligenlitanei, in der die Heiligen um ihre Fürbitte angerufen wurden, besonders jene, die im Ordensleben in vorbildlicher Weise Christus nachgefolgt sind. Mit dem Hymnus der Eucharistinerinnen endete dieser Festgottesdienst. Am Kirchenvorplatz war ein kleiner Empfang vorbereitet, wo man Sr. Sandra persönlich die herzlichsten Segenswünsche aussprechen und sich auch mit Weihbischof Herwig Gössl kurz unterhalten konnte. Möge der Herr Sr.Sandra und ihre Mitschwestern weiterhin bei ihren segensreichen Wirken mit seiner Gnade begleiten.


