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„Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“

Datum:
Veröffentlicht: 21.9.24
Von:
Stefan Fleischmann
Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesesjahr B 2024

 "Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?" 

Jesus ist schon neugierig!
Er fragt nach.
Er will es wissen.
„Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“
Wie würden wir darauf reagieren?
Was geht das dich an!
Kümmere dich um deine eigenen Sachen!
Und überhaupt... !

„Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“

Warum die Jünger so offen sind, setzt eine Beziehung voraus,
ein Vertrauen zu Jesus, dem sie das, was sie in ihrem und auf ihrem Herzen tragen, offen aussprechen.

„Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“

Falsch. Das stimmt ja gar nicht.  Sie sprechen es nicht aus, was sie denken: Die Jünger schweigen.
Es ist ihnen wohl peinlich, furchtbar peinlich.
Darüber spricht man nicht – über Geld, Karriere und andere Tabuthemen.
Und weil Jesus noch dazu in eine ganz andere Richtung denkt:
„in die Hände von Menschen ausgeliefert, getötet werden und auferstehen.“

„Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“

Jesus kennt seine Jünger gut.
Er hat Menschenkenntnis.
Er weiss, was den Menschen ausmacht,
wie anfällig er ist für diese Welt und in dieser Welt.
Sie unterhalten sich, wer der Größte ist.
Das Thema hinterm Thema, das nicht ausgesprochen wird,
aber im Raum steht und unsere Gesprächsatmosphäre beeinflusst:
Wer ist der Größte?
Wer bekommt Anerkennung?
Wer erhält Wertschätzung?
Wer hat das Sagen?
Wer hat den Hut auf?
Oder zumindest: Wer ist so gut vernetzt, dass man ein wenig Anteil hat.

„Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?“

  Und jetzt kommt`s: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Jesus, du bist schon ein echter Träumer! Du weisst doch, wie das Leben und unsere Welt funktionieren. Diese Haltung funktioniert doch schon im Kleinen nicht, z. B. an der Metzgertheke. Oder beim Lidl, wo jeder schaut, wo er in der Schlange an der Kasse bleibt.

Liebe Schwestern und Brüder,

Montagmorgen 11 Uhr. Vorraum des Königssaales in Hof. Festakt: Bahnhofsmission 100 Jahre. Das Motto: „Damit niemand auf der Strecke bleibt.“ Der Ursprung: Vor allem Mädchen und jungen Frauen, die vom Land in die Stadt kamen, Schutz zu bieten Und heute? Menschen, die ankommen und abfahren, willkommen heißen und begleiten: Ein Kaffee, ein belegtes Brötchen, ein tröstendes Wort oder ein Beratungsgespräch. Vieles hat der 140 Jahre alte Hauptbahnhof in Hof schon gesehen und erlebt, z. B. Anfang Oktober 1989. 35 Jahre ist das her, als auch hier die Bahnhofmission genug zu tun hatte und der erste Zug mit den DDR-Flüchtlingen aus Prag ankam.

Ich bin in dieser Feierstunde sehr beeindruckt, denn es gibt wirklich Menschen, die sich in verschiedenen Ämtern und Aufgaben zum Diener und zum Letzten machen, im wahrsten Sinne des Wortes: Eine Ehrenamtliche berichtet, dass sie immer wieder Koffer geschleppt hat; aber es hat ihr nichts ausgemacht, sondern vielmehr froh gemacht, etwas Sinnvolles getan zu haben. „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Das heisst so viel wie: „Wer der Erste sein will, der Beste, der Schlauste, der Größte, der soll Diener aller sein und sich hinten anstellen.“ Wenn ich auf meinen Lebens- und Berufungsweg zurückschaue, dann funktioniert das schon, freilich mit gewissen Nebenwirkungen, die man eben auch in Kauf nehmen muss, sofern man noch in den Spiegel schauen möchte.

Ich sitze im Vorraum des Königssaales. Die Ehrenamtlichen werden als die wahren Könige des Tages bezeichnet. Zu Recht! Jesus gibt den Jüngern mit dieser neuen Lebenshaltung des königlichen Dienens eine Perspektive, einen neuen Sinn, einen Lebenssinn: „... der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ Der Lohn ist das Größte und Beste, was uns passieren kann: In der jesuanischen Haltung den menschgewordenen Gott der Liebe umarmen.

Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?

Ob die Jünger das verstanden haben, um was es eigentlich auf dem Lebens-und Glaubensweg - mit Jesus an der Seite – überhaupt geht? Es bleibt im 9. Kapitel des Markusevangelium völlig offen. Die Jünger bleiben Schüler und Lernende bis zum Schluss - und wir auch!