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Wort zur Besinnung

Advent
Datum:
Veröffentlicht: 8.12.24
Von:
Stefan Fleischmann
Der buchstabierte Advent

Jedes Jahr buchstabiere ich den Advent für mich ganz persönlich. Probieren Sie es heute Abend ebenso aus – verbunden mit einem Wunsch für die kommende Advents- und Weihnachtszeit.

A = Anfang. Manchmal stolpern wir in einen neuen Lebens- und Zeitabschnitt; ein anderes Mal beginnen wir etwas Neues in hoffnungsvoller Erwartung, was jetzt (noch) kommt. Jeder Tag ist eine Chance, neu anzufangen, sozusagen ein unbeschriebenes, weißes Blatt, das Grundlinien aufweist: Glaube, Hoffnung, Liebe. In einem Lied heisst es: „Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen weiter; Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer; Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen alles in einem andern Licht.“

D= Demut. Demut als eine Grundhaltung des Lebens: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Matthäusevangelium 23,12) Ein wenig mehr Demut würde unserer Menschheit und unserer Welt gut tun: Demut vor der Schöpfung, Demut vor unserem Schöpfer, Demut vor allen Menschen – gleich welcher Religion und Nationalität, welchen Geschlechts und Alters. Demut als eine Grundhaltung, mit beiden Füßen auf dem Boden unserer Wirklichkeit menschlichen Lebens zu stehen.

V = Versöhnen. Wir wissen, unsere Lebenszeit ist endlich und begrenzt. Unsere Lebenserfahrung zeigt: es kann auch ein „Zu-spät“ geben. Der Advent bietet Raum und Zeit, gar manches wieder zurecht zu biegen und wieder gut zu machen. Wer unbeschwert Weihnachten feiern will, der sucht Wege der Versöhnung, mit sich, mit anderen und mit Gott. Der Advent lädt ein, um das Weihnachtsgeschenk des Friedens und der Versöhnung zu bitten.

E = Email. Die Email ist heute ein wichtiges Kommunikationsmittel, das nicht mehr wegzudenken ist. Vielleicht ist aber die Erkenntnis vonnöten, wann ein persönliches Gespräch zielführender ist, um (weitere) Irritationen und Missverständnisse zu vermeiden. Denn wir wissen: Kommunikation und Beziehung sind miteinander verschränkt.

N =Nachsicht üben. Wir leben in einer turbulenten und sogar „ver-rückten“ Zeit, in der einiges aus der Balance geraten ist. Die Rahmenbedingungen sind gegenwärtig einfach so, dass nicht alles perfekt sein kann. Und auch wir müssen nicht perfekt sein. Nachsicht üben gegenüber mir selbst und meinen Mitmenschen ist eine Grundhaltung zu mehr Gelassenheit und Vertrauen.

T = wie Trösten oder Trauern Der Theologe Karl Rahner spricht von einer „getrösteten Trauer“. Der Advent lädt ein, Trauer zuzulassen und sie anzuschauen. Und zugleich den Trost Gottes zu spüren, der mir gerade jetzt nahe sein möchte. Der Advent lässt erahnen, sich nie mehr alleine zu fühlen, sondern getröstet von dem, nach dem ich mich sehne.

„Wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren“ (Angelus Silesius). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus möge unsere Herzen mit Freude, Frieden und Hoffnung erfüllen.