Wort und Brot - beides nähert unser geistliches Leben

Liebe Schwestern und Brüder,
1. haben Sie mitbekommen, wie sich der Innenraum unserer Kirche St. Konrad in den vergangenen Jahren verändert hat: Der Heilige Konrad, er war ja Kapuzinerbruder an der Pforte in Altötting, ist in den Eingangsbereich unserer Kirche gewandert. Dort passt er auch gut hin und begrüßt jeden Gottesdienstbesucher. Und dann noch eine zweite Erneuerung: Auf der gegenüberliegenden Seite des Tabernakels ist ein besonderer Ort für das Wort Gottes, das Evangeliar, entstanden. Das war mir sehr wichtig: Brot und Wort, beides nährt unser geistliches Leben. Während die evangelische Kirche lange Zeit das Abendmahl vernachlässigt und in den vergangenen Jahrzehnten wieder entdeckt hat, ist es bei den Katholiken genau umgekehrt: Im Kontext der hl. Eucharistie und seiner Verehrung mussten wir das Wort Gottes, die Bibel, neu entdecken und wertschätzen. An jedem Sonntag spüren wir die Kostbarkeit der Heiligen Schrift. Heute hörten wir die wunderbaren Worte aus dem Korintherbrief: „Lasst euch mit Gott versöhnen“. Und im Lukas-Evangelium vom barmherzigen Vater: „Denn dieser mein Sohn, war tot und liebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein Fest zu feiern.“ Lesen und betrachten wir die Heilige Schrift dann stellen wir fest: Es geht um ganz existenzielle Themen. Heute: Vergebung, Versöhnung, Neuanfang.
2. Wenn ich heute die Verlängerung der Beauftragung für unsere Wortgottesleiter im Namen des Erzbischofs überreiche, dann spielt diese Achse in unserer Kirche eine besondere Rolle: Auch wenn die Eucharistie als das „Herz“ der Kirche unbezweifelbar im Mittelpunkt des ganzen kirchlichen Lebens steht, umfasst das liturgische Leben der Kirche seit alters her eine lebendige Vielfalt von Formen des gemeinsamen Betens und Singens. In all diesen Formen ist der Herr selbst unter uns gegenwärtig, auch in der Feier des Wortes Gottes. Durch das Verlesen der bischöflichen Beauftragungsurkunde wird deutlich, dass der Dienst der Leitung von Wort-Gottes-Feiern an Sonn- und Feiertagen im Auftrag des Bischofs ausgeübt wird. Der Bischof hat dafür zu sorgen, dass alle Gläubigen sich am Sonntag zum Gottesdienst versammeln können, ob zur Eucharistiefeier oder einer anderen Gottesdienstform. Daher erfolgt die eigentliche Beauftragung zum Dienst durch den Bischof.
3. Wenn Gläubige einen besonderen Dienst in der Kirche übernehmen, sollen sie im Gemeindegottesdienst vorgestellt werden. Die Einführung in den Dienst macht deutlich, dass eine gegenseitige Verantwortung mit der Übertragung des Dienstes entsteht. Einerseits übernimmt der Wortgottesleiter die Verpflichtung zu einer gewissenhaften Ausübung seines Dienst. Andererseits übernimmt der zuständige Seelsorger – für unseren Seelsorgebereich Hofer Land unsere Gemeindereferentin Frau Fröh und Pfr. Dr. Dieter Jung - mit der Pfarrei Verantwortung dafür, die Wortgottesleiter in ihrem Dienst gut zu begleiten und dafür zu sorgen, dass der Dienst mit geistlichem Gewinn ausgeübt werden kann. In dieser gegenseitigen Verantwortung kommt auch zum Ausdruck, dass dieser Dienst von der Pfarrei und deren Mitglieder erwünscht ist und geachtet wird. Der Wortgottesleiter hat sozusagen das Vertrauen der Pfarrgemeinde.
4. Man mag sich fragen: Brauchen wir diesen Dienst des Wortgottesleiters überhaupt? Ich möchte diesen Dienst nicht nur im Kontext des Priestermangels und des neuen Stellenplans im Erzbistum Bamberg betrachten. Das wäre zu kurz gedacht, denn: Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) hat die Bedeutung des gemeinsamen Priestertums, zu dem die Gläubigen durch Taufe und Firmung berufen sind, hervorgehoben und gestärkt. Daraus sind neue Laiendienste in Gottesdienst, Unterricht und Verkündigung sowie in Diakonie, Caritas und Seelsorge erwachsen. Zu all diesen Diensten befähigt der Heilige Geist durch verschiedene geistliche Gnadengaben, sprich Charismen. Diesem kirchlichen Verständnis des II. Vatikanischen Konzils fühlen sich jede katholische Pfarrei und jeder Seelsorgebereich verpflichtet.
5. Ich danke allen Frauen und Männern, die sich als Gottesdienstbeauftragte dafür einsetzen, dass das liturgische Leben in unseren Pfarrgemeinden lebendig ist und bleibt. Die Hauptamtlichen – vor allem die Priester – werden es alleine nicht schaffen. Ohne Frauen und Männer, die Andachten (Kreuzwege, Rosenkranzandachen, Morgen- und Abendgebete, Bußgottesdienste, Eucharistische Anbetungen) und Wortgottesfeiern halten, wird es zu einer ganz großen Verarmung liturgischen Lebens in den Pfarrgemeinen kommen. Im Jahr 2025 gehen 7 Priester im Erzbistum Bamberg in Rente, während ein Kandidat zum Priester geweiht wird; bei den pastoralen Berufen schaut es nicht besser aus. Ihr Dienst in Unterstützung der Seelsorger und Seelsorgerinnen ist für die Pfarrei und die Gemeinschaft wichtig und wertvoll und zukunftsweisend! Ich danke Ihnen aus ganzem Herzen!