Wir gehen einen österlichen Weg - ein Leben lang!

Liebe Schwestern und Brüder,
1. Mit dem Tod und der Zersprengung seines Jüngerkreises hätte die Sache Jesu enden können.
- Die Frauen gehen zum Grab.
- Petrus und die anderen Jünger bleiben erst einmal, wo sie sind.
- Die anderen - etwa die Emmausjünger - entfliehen der ganzen Katastrophe; sie gehen weg.
2. Warum ging diese Geschichte doch noch weiter? Weil Jesus ihnen erschienen ist, so wie es der Heilige Paulus beschreibt? Das ist nur die eine Seite der Medaille! Ein weiterer wichtiger Grund ist: Die Jüngerinnen und Jünger waren weiterhin mit Jesus in Liebe verbunden; eine Liebe, die auch immer den Durst nach Ewigkeit in sich trägt. Und diese Liebe und diese Verbundenheit zu Jesus führen sie auf einen neuen Weg. Diesen österlichen Weg möchte ich heute Abend/Morgen mit Ihnen nachgehen.
a) Ein Wegabschnitt heißt „Suche“: Die Frauen gehen frühmorgens zum Grab. Sie suchen ihren Herrn. Sie wollen ihm die letzte Ehre erweisen. Suche ist auch immer getragen von Hoffnung und Sehnsucht – zu verstehen, zu begreifen, dem ganzen einen letzten Sinn zu verleihen. SUCHE! Bin ich nicht manchmal auch in meiner Unzufriedenheit und Empörung, in meiner Ungeduld und Gereiztheit auf Suche – gerade in Krisenzeiten oder an Weggabelungen? Wir sprechen heute von einer Zeitenwende, in der Bisheriges auf den Kopf oder zumindest auf dem Prüfstand gestellt wird. Auf Suche nach dem, was mich letztlich trägt und hält! Auf Suche nach Sinn und Glück! Auf Suche nach Leben – vielleicht auch nach Gott?
b) Der zweite Wegabschnitt heißt „sich erinnern“. „Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war.“ Die Jüngerinnen und Jünger sind auf diesen Hinweis angewiesen - sozusagen „geht zurück auf Los“. Von alleine schaffen sie es nicht, um das Geschehene einzuordnen und Licht am Ende des Tunnels zu sehen. ERINNERN: Auch wir brauchen immer wieder Menschen, die unsere Lebenssituation mit anschauen, sie zu deuten vermögen und diese uns erschließen – gerade, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Wer ist das in meinem Leben oder wer könnte das sein? Die Erstkommunionkinder habe ich letzte Woche gebeten, mit den Eltern das Taufalbum einmal durchzublättern, sich an den Anfang des eigenen Christseins und der Freundschaft mit Jesus zu vergewissern: Wer war damals dabei? Wie heißt mein Taufspruch? Warum war es euch wichtig, dass ich getauft werde? Was war für meine Namensgebung ausschlaggebend?
c) Die dritte Wegetappe heißt: „Ihn erkennen“: Im Brechen des Brotes erkennen ihn die Emmausjünger und begegnen seinem Trost; in der Stimme begegnet Maria von Magdala seiner Liebe; in seinen Wunden begegnet der Ungläubige Thomas seiner Gegenwart; wenngleich nicht sofort, sondern oft noch im Verborgenen: Da steht der Gärtner am Grab, der Weggefährte ist der Unbekannte und der Verwundete ist der Geist. Aber diese erfahrene Liebe und Zuwendung reichen aus, denn sie erweisen sich als eine Kraft, die stärker ist als der Tod. ERKENNEN: Das Erkennen ist in unserem Alltag, aber auch in unseren Gottesdiensten oft ein Erahnen, ein Aha-Erlebnis, schließlich der Glaube: Dass sich hinter allem – was wir sehen können - doch noch etwas Größeres, Mächtigeres, Heiligeres verbirgt.
d) Der vierte Wegabschnitt heißt: „WEITERERZÄHLEN.“ Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund. Sie erzählen den anderen, was sie empfangen, was sie erlebt, was sie erfahren haben, um ihnen Mut und Hoffnung zu machen. Damit ist also kein Getratsche gemeint. Da wird eine Lebensgeschichte zur Glaubensgeschichte, ja zu einer persönlichen Berufungsgeschichte… sozusagen: „Wo ich glaubte, alleine und von allen verlassen worden zu sein, da warst Du da.“ Wir sind als Gemeinde auch eine Erzählgemeinschaft – nach Innen und nach Außen, anderen mitzuteilen, welche Hoffnung uns erfüllt, welcher Glaube uns trägt und welche Liebe uns zum Handeln anspornt. Bei allem, was wir als Ehren- und Hauptamtliche organisieren und verwalten, sollten wir uns hierfür immer genügend Raum und Zeit schenken.
3. Sehnsuchtsvolles Suchen und Erinnern, liebendes Erkennen und ermutigendes Weitererzählen – das ist der österliche Weg zum Glauben an den auferstandenen Herrn- vor 2000 Jahren und auch heute. Freilich: „Die Apostel hielten alles zuerst einmal für Geschwätz und glaubten ihnen nicht.“ Auch sie mussten sich selbst auf den Weg zum Grab machen, um nach und nach zum Glauben an den Auferstandenen zu kommen, der sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Auf diesen österlichen Weg sind wir ein Leben lang gestellt –jeder von uns, vor allem auch als christliche Gemeinde. Denn dieser österliche Weg – es ist ein Weg zur Gemeinschaft miteinander und eine Einladung, mit Christus zu leben und in ihm zu bleiben – bis in unsere Ewigkeit.
Amen.