"Wie kannst du nur an so etwas Absurdes wie an eine Auferstehung der Toten glauben?"

1. „Wie kannst du nur an so etwas Absurdes wie an eine Auferstehung der Toten glauben? Wie stellst du dir das überhaupt vor?“ – „Ich stelle mir überhaupt nichts vor. Ich überlasse es Gott, wie er die Seinen überraschen wird.“ (nach franz. Schriftsteller Francois Mauriac 1885-1970).
2. Manchmal staune ich darüber, mit welcher Intensität sich frühere Generationen und Jahrhunderte darum gesorgt haben, das ewige Leben zu gewinnen. Sie wollten sich nicht überraschen lassen, sondern auf Nummer sicher gehen, indem Kirchen und Klöster von Fürsten gestiftet wurden, um das Seelenheil zu sichern oder zumindest doch zu befördern.
3. Zwischen einer vertrauensvollen Überraschung und einer vollkommenen Absicherung liegt wohl die Frage, was der Glaube an die Auferstehung, das ewige Leben, denn überhaupt bedeutet, während wir im Hier und Jetzt leben (müssen). Fünf Versuche der Annäherung:
4. Der Glaube an die Auferstehung ermöglicht einen neuen Standpunkt. Was meine ich damit? An Ostern als Fest des neuen unzerstörbaren Lebens nehmen wir einen neuen Standpunkt ein, wir klären unsere Prioritäten: Vergängliches und Unvergängliches, Ewiges und Zeitliches, Himmel und Erde, Gott und Menschen bekommen von Ostern her den richtigen Stellenwert, der uns im Getriebe des Alltags –auch in der Kirchengemeinde- vielfach abhanden kommt. Wir sind mehr als die Katastrophen. Wir sind verankert in etwas Größerem – egal wie groß ein Problem gerade ist! „So sollen wir als neue Menschen leben!“, schreibt Paulus an die Gemeinde von Rom.
5. Der Glaube an die Auferstehung wird geschenkt, so wie wir vorhin das Osterlicht empfangen haben: Lumen Christi - Christus das Licht; Deo Gratias – Dank sei Gott für das Licht Jesu Christi, das unsere dunklen Nächte hell macht. Dank sei Gott für das Licht Jesu Christi, das unseren Lebensweg begleitet. Dank sei Gott für das Licht Jesu Christi, das am Ende des Tunnels für unsere Verstorbenen leuchtet, die das Ziel ihres Lebens bereits erreicht haben. „So werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein“, so der Apostel Paulus weiter.
6. Der Glaube an die Auferstehung lebt von Zeugen damals wie heute. Die Botschaft von der Auferstehung ist von jeher an Zeugen gebunden. An die ersten Zeugen wie Maria von Magdala, Petrus und den anderen Jüngern, schließt sich eine Kette bis in unsere Tage. Der Theologe Kardinal Volk sagte einmal: „Es gibt eine Argumentationslücke des Glaubens, die nur der Zeuge schließen kann.“ Der Heilige Paulus gehört dazu, der 20 Jahre nach dem Tod Jesu geschrieben hat: „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden! (....) Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden!“ Zu ihrer wahren Größe sind die Märtyrer und Heiligen gelangt, als ihre Hände gefesselt waren. Bernhard Lichtenberg, konnte auch als Verurteilter schreiben: „Ich werde meinem Gewissen folgen.“ Und: „Ich will alles, was mir widerfährt, Freudiges und Schmerzliches, Erhebendes und Niederdrückendes im Lichte der Ewigkeit ansehen!“
7. Der Glaube an die Auferstehung wird erfahrbar mitten im Alltag. In einem Lied heisst es sogar: „Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung.“ Kennen Sie Erfahrungen, wo etwas neu aufbricht, zum neuen Leben ersteht, etwas eine positive Wendung bekommt – ganz unerwartet? Kenne ich selbst eine Auferstehungserfahrung? Es gibt viele... dafür bin ich sehr dankbar. Wir haben die Kirche in St. Otto geschlossen und verkauft. Es war ein Trauerprozess, der vielen Gemeindemitgliedern emotional sehr nahe gegangen ist- auch mir. (Anm. Es macht keine Freude, Kirchen und Pfarrhäuser zu verkaufen.) Es war wie ein Karsamstag, denn wir wussten nicht genau, wie das Neue im Seniorenzentrum St. Otto ausschauen wird. Die Hoffnung auf Zukunft im Hier und Jetzt wurde genährt durch Offenheit für Neues, für mehr Leben, für neue Perspektiven. Ähnlich ist es doch in unserem Leben, in der Veränderung und im Umbruch - ersehnt und erwartet oder tränenreich und schmerzhaft - die Wandlungen anzunehmen und mir selbst und meinen Mitmenschen, die Zeit für eine Entwicklung zu geben, in der Hoffnung und im Vertrauen, das es mich in eine neue Freiheit und Lebendigkeit führt. Paulus spricht immer wieder von dieser Freiheit im Glauben an die Auferstehung: „Der Tod hat keine Macht mehr über ihn.“
8. Der Glaube an die Auferstehung wird und bleibt lebendig durch die Feier der Liturgie. In jeder Messe holen wir Ostern in unsere Zeit – gleich den Emmausjüngern – im Hören auf Gottes Wort und in der Bitte: „Bleib doch bei uns, denn es wird bald Abend und der Tag hat sich geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen im Brechen und Teilen des Brotes zu bleiben.“ Die Liturgie, der Gottesdienst, ist Zentrum und Mitte einer christlichen Gemeinde. Ich spüre dieses Bewusstsein in besonderer Weise bei unseren liturgischen Diensten: Mesner, Ministrantinnen und Ministranten, Organistin und Kantoren, Lektoren und Kommunionhelfer, mit welcher Leidenschaft und österlichen Freude sich hier junge Leute engagieren, um Menschen eine Glaubenserfahrung zu ermöglichen und das Leben mit Jesus Christus zu feiern und aus IHM geschwisterlich zu teilen. Paulus hat hierfür seine eigene Sprache: „So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für Gott leben in Christus Jesus.“
9. Zwischen vertrauenvoller Überraschung und vollkommener Absicherung setze ich persönlich alles auf eine Karte und wette auf das Leben, nicht auf den Tod. Verliere ich diese Wette, ist ohnehin nichts verloren; gewinne ich aber, gewinne ich alles, und zudem schon jetzt eine irdische Standfestigkeit, die mich in Freud und Leid standhalten lässt (nach Blaise Pascal, franz. Mathematiker und Philosoph). In diesem Sinne wünsche ich uns allen und besonders unseren kranken und alten Menschen, die nicht zum Gottesdienst kommen können, ein gesegnetes Osterfest 2024.