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Vortrag zum Thema „Erlösungslehre“

Prof. Dr. Dr. Rüdiger Feulner bei seinem Vortrag
Datum:
Veröffentlicht: 20.10.25
Von:
Nicola Sandro Leroy

Die kath. Pfarrgemeinde Verkündigung Christi hatte im Rahmen der kath. Erwachsenenbildung Monsignore Professor Dr. Dr. Rüdiger Feulner  zu einem sehr interessanten und profunden Vortrag in ihren Pfarrsaal eingeladen. Er ging vor zahlreichen interessierten Zuhörern der Frage nach, wie wir durch Jesus Christus erlöst sind. Dekan Andreas Seliger freute sich, dass dieser namhaft bekannte Theologe der Einladung gefolgt ist und begrüßte ihn auf das Herzlichste.

Die Erlösung des Menschen hat im Laufe der Theologiegeschichte unterschiedliche Interpretationen erfahren und verschiedene Paradigmen ausgebildet. Es gibt keine kirchliche Erlösungslehre schlechthin. Das kirchliche Lehramt hat keine eigene theologisch normative Konzeption der Erlösung vorgelegt, aber es bezeugt die Tatsache der Erlösung durch Jesus Christus. Alle Einzelaussagen beruhen letztlich auf dem Bekenntnis zu Jesus Christus als dem einzigen Mittler des Heiles. Versucht man die verschiedenen Erlösungsparadigmen, so Monsignore Professor Rüdiger Feulner, theologiegeschichtlich zu systematisieren, so können bei aller gebotenen Vorsicht vor Verallgemeinerung und mangelnder Differenzierung  im Wesentlichen drei soteriologische Konzepte wiedergegeben werden.

1. Das gnoseologisch-didaktische Konzept, bei dem die Heilsverwirklichung durch die Erkenntnisvermittlung und Belehrung Christi zustande kommt. In den Evangelien wird Jesus vornehmlich, d.h. 41 Mal, als Lehrer bezeichnet. Kein anderer Titel wird ihm öfter beigelegt. Die Apostolischen Väter, die Apologeten wie Irenäus, die Alexandriner sowie Athanasius vertreten diese didaktische Heilstätigkeit Christi und betrachten die heilbringende Unterweisung des Menschen als gelehrigen Schüler durch den göttlichen Lehrer Jesus Christus als gnadenhaftes Geschenk. Augustinus setzt die didaktische Erlösungsparadigmatik fort. Christus ist der göttliche Lehrer, der die durch die Sünde irregeleiteten Menschen durch seine Lehre und Werke gnadenhaft korrigiert und erleuchtet. Für Thomas von Aquin, der die anselmische Satisfaktionslehre durchaus kritisch rezipiert, ist Jesus Christus der göttliche Lehrer, der dem infolge der Sünde unwissenden Menschen durch seine Offenbarung und Belehrung von der Lehrkanzel, dem Kreuz, aus objektiv Heil und Erlösung vermittelt. Thomas sagt wörtlich: "Der am Kreuze hängende Christus verhält sich wie ein Lehrer auf seiner Lehrkanzel."

2. Das juridisch-satisfaktorische Konzept, das die Heilsverwirklichung unter dem Blickwinkel der rechtlichen Wiederherstellung des Ursprungsverhältnisses von Gott und Mensch sieht. Neben Tertullian ist vor allem Anselm von Canterbury der Hauptvertreter dieses Konzepts. Die Satisfaktion besteht darin, dass der sündige Mensch nur dadurch von der Strafe der Gottentfremdung entbunden wird und seine ursprüngliche Würde wiedererlangt, dass er durch Gehorsam und Sühne die Sünde auslöscht und Gott die ihm entsprechend der natürlichen Rechtsordnung gebührende Ehre erweist. Stellvertretend für alle tilgt der Gottmensch Jesus Christus die Gott verletzende Sünde sühnend am Kreuz und stellt die gottgewollte natürliche Rechtsordnung wieder her. Durch das stellvertretende Opfer Christi erhält der Mensch aus göttlicher Barmherzigkeit die Möglichkeit, das ursprüngliche Bundesverhältnis zu Gott zu erneuern und die Sünde zu überwinden. Die anselmische Satisfaktionslehre hat größten Einfluss auf das Erlösungsverständnis der folgenden Jahrhunderte ausgeübt und quasi normativen Charakter errungen.

3. Das subjektiv-autonome Konzept, das die Heilsverwirklichung als inneres Kriterium der Geschichte begreift, durch welches die ewige Versöhntheit Gottes und das unversöhnte Subjekt einander vermittelt werden. Die Erlösung vollzieht sich in Jesus Christus gnadenhaft als Offenbarung und sittliches Ideal. Für Immanuel Kant stammt das in Jesus geoffenbarte Ideal wahren Menschseins zwar von außen, die in ihr aufscheinende Idee jedoch hat ihre Realität in praktischer Beziehung vollständig in sich selbst. Nicht die Person Jesu ist im Offenbarungsgeschehen entscheidend, sondern die Sache Jesu. Das Ideal als solches steht im Vordergrund,  nicht der Träger des Ideals. Das sittliche Ideal Jesu wird vom Subjekt vollzogen. In diesem geistig-subjektiven Vollzug vollzieht sich die Erlösung.

Am Ende des sehr lehrreichen und ansprechenden Vortrags standen viele interessante Fragen, die der Vertiefung des Erlösungsverständnisses dienten.

geschrieben von: Bernhard Kuhn