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Vortrag über Maria Magdalena

Prof. DDr. Hanna-Barbara Gerl- Falkovitz bei ihrem Vortrag
Datum:
Veröffentlicht: 10.9.24
Von:
Bernhard Kuhn

Die katholische Pfarrgemeine „Verklärung Christi“ in Naila hatte im Rahmen der kath. Erwachsenenbildung zu einem Vortrag in ihren Pfarrsaal eingeladen. Referentin war Prof. DDr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz von der philosophischen-theologischen Hochschule Stift Heiligenkreuz. In Naila ist sie keine Unbekannte. Sie hatte die Nailaer Pfarrgemeinde schon mit verschiedenen wertvollen Vorträgen bereichert. Dieses Mal referierte sie über „Maria Magdalena“

Maria Magdalena wird in der westlichen und östlichen Kirche als eine der Jüngerinnen verehrt, die Jesus am nächsten standen und mit ihm durch eine tiefe Beziehung sogar die der zwölf Apostel übertraf. Es ist kein Zufall, dass sie die erste war, der der auferstandene Christus am Ostermorgen erschien und sie mit ihrem Namen ansprach. Die Referentin stellte Maria Magdalena als außerordentliche Frau heraus. Ihr Name geht auf den kleinen Nordufer Magdala, westlich vom See Genesareth zurück, unweit von Karphanaum. Diese Charakteristik führte dazu, dass sie in der christlichen Überlieferung mit zwei anderen Frauen gleichgesetzt wurde: mit der namenlosen stadtbekannten Sünderin, die Jesus bei dem Gastmahl eines Pharisäers mit ihren Tränen die Füße wusch, sie mit ihren Haaren trocknete und ihn salbte und ebenso mit Maria von Bethanien, der Schwester Marthas und des Lazarus Bethanien liegt nahe bei Jerusalem. So ist es historisch wahrscheinlicher, dass es eher drei Frauen waren als eine einzige Maria. Aufs klarste erscheint sie hervorgehoben in der Ostererzählung des Markus: Die Begegnung mit dem Herrn vor dem leeren Grab, die von den unerschöpflichen Worten begleitet ist: „Halte mich nicht fest…“ Die Referentin brachte viele Beispiele aus der christlichen Überlieferung.

„Was lässt sich an Magdalena lernen? ", fragte sie weiter. Nun, es gäbe eine falsche religiöse Kopfhängerei - sie wagt es nicht, Gott in sein Eigentum aufzunehmen, nämlich in das ganz gewöhnliche Leben, und das heißt auch in den Alltag der Sünden, in das schäbige Versagen und den äußeren und inneren Schmutz. Genau hier sitzt der alte Verdacht, dass Gott sich mit unserer Gemeinheit nicht „gemein“ macht. Und hier sitzt auch, was mit dem alten Wort Sünde gemeint ist: die Sonderung. Nicht nur die Absonderung, wenn man das Böse tut, vielmehr auch die Absonderung, nachdem man es getan hat: So wie sich Adam und Eva nach dem geheimnisvollen „Fall“ verbargen vor dem Blick Gottes, der sie doch sonst im Garten immer antraf, wenn er sie rief. Es ist die Tragik der Sünde, dass sie den Arzt, der heilen könnte, wegschickt.

Aber daran wird auch umgekehrt deutlich die Sündenlosigkeit. Denn die Liebe springt über die eigenen Grenzen, rennt hinaus in die Gassen, bahnt sich Wege durch Flut und Feuermeere, holt den Geliebten herein, auch in das Unfertige und Arme. Nehmen wir die herbe Gestalt dieser Frau, die uns ähnlich ist und tief im Zwiespalt steckt. „Die Liebe vereint, die Sünde trennt.

Sicher ist: Magdalena ist eine bekehrte Jüngerin Jesu; sie geht mit unter das Kreuz, hilft bei der Beisetzung Jesu, sieht als Erste den Auferstandenen und bringt den Jüngern die Osterbotschaft: eine Kette großer Taten, die ihr den Ehrentitel „Apostelgleiche“ oder „Apostola apostolorum“ eingebracht hat, so bei Hippolyt von Rom (3. Jh.), was von Hrabanus Maurus und Thomas von Aquin aufgegriffen wurde. Papst Johannes Paul II. und Franziskus haben die Gleichsetzung mit den beiden anderen Frauen aufgelöst und Maria Magdalena als Erstzeugin der Auferstehung Jesu und deren erste Botin bei den Aposteln betont. Papst Franziskus hat ihren „gebotenen Gedenktag“ 2016 zu einem „Fest“ am 22. Juli aufgewertet und liturgisch den Aposteln gleichgestellt; so wird in der Messe das Gloria gebetet. DDr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz hat ihren interessierten Zuhörern noch viel Wissenswertes über "Magdalena" erzählt. Dekan Andreas Seliger bedankte sich bei der Referentin für diesen wertvollen Vortrag.