Seelsorgebereich Hofer Land: Interview zum Pastoralkonzept

Vor kurzem wurde im Seelsorgebereich Hofer Land das Pastoralkonzept im Rahmen eines Abendlobes von Seiten des Pastoralteams den Vertretern der pastoralen Gremien, Verbände und Gruppen des Seelsorgebereiches übergeben. Das Hofer Pfarrbriefteam hat die Hauptamtlichen dazu befragt.
Wann hatten Sie es auf den Weg gebracht, wie viel Arbeit steckt drin? Welches waren die Bereiche, die am herausforderndsten waren?
Dieter Jung: Sept. 2019 Gründung des Seelsorgebereichs (= SSB) Hofer Land, grob gesagt ist dies Zusammenschluss der katholischen Pfarreien Altlandkreise Hof, Münchberg, Naila und Rehau. Ab Juli 2020 Orientierungshilfe von Seiten des Bistums für die Entwicklung eines Pastoralkonzeptes für den SSB Hofer Land. Arbeitsgemeinschaft bis August 2020 Pfr. Hans Jürgen Wiedow und Team – danach übernahm Pfr. Dr. Dieter G. Jung, GR Barbara Riedel und GR Mechthild Fröh die Fortschreibung und Fertigstellung des Pastoralkonzeptes.
Vertreter der Kitas, der Caritas sowie Ehrenamtliche wurden mit ins Boot geholt – gemeinsam haben wir das Pastoralkonzept geschrieben. Von September 2021 bis zur Übergabe des fertigen Pastoralkonzeptes zum Heinrichsfest im Bamberger Dom im Juli 2022 hatten wir sechs Treffen intensiven Arbeitens.
Herausfordernd war die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort in der Stadt Hof und im Landkreis in den Blick zu nehmen – v.a. welche Menschen bei uns leben, was sie bewegt und was ihre konkrete Lebenssituation ist. Die Kirche / die Pfarreien vor Ort sind eben nicht mehr die, wie vor 20 oder 30 Jahren – es hat sich viel verändert, darauf gilt es durch verschiedene bewährte, aber auch neue Angebote zu antworten. Bessere bzw. zeitgemäße Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sind dafür notwendig.
Sie waren Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Pastoralkonzept. Wie haben Sie die Erarbeitung des Pastoralkonzepts erlebt?
Mechthild Fröh: Die Zusammensetzung der Gruppe war außergewöhnlich. Die Vertreter/innen aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Kirche gaben Einblicke in ihre Arbeitsbereiche. Manchmal konnten die Gegensätze in den Erfahrungen nicht größer sein.
Verschiedene Lösungsansätze wurden heiß diskutiert. Es prallten gelegentlich persönliche Meinungen aufeinander. Aber trotz der vielen Unterschiede verbanden uns gemeinsame Fragen: Wie können wir die Frohe Botschaft Jesu Christi in unseren Gemeinden und Einrichtungen immer wieder lebendig werden lassen? Was können wir tun, um Menschen in den verschiedensten Bereichen des Lebens anzusprechen, sie zu begleiten oder ihnen Hilfe anzubieten?
Jetzt ist das Pastoralkonzept fertig - und die eigentliche Arbeit beginnt erst. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es uns mit Gottes Hilfe gelingt, die Leitlinien, die wir jetzt aufgeschrieben haben, in unserem gemeinsamen Handeln umzusetzen.
Was beinhaltet das neue Pastoralkonzept, welche Bereiche deckt es ab? Vor allem aber: Was ändert sich dadurch im Vergleich bisher?
Barbara Riedel: Das neue Pastoralkonzept ist in zwei Teile aufgegliedert. Der erste Teil beschreibt den Ist-Zustand im Seelsorgebereich Hofer Land (also allen katholischen Gemeinden in Stadt und Landkreis Hof): geografische Lage, strukturelle Eigenheiten, gesellschaftliches und kulturelles Leben.
Im zweiten Teil werden Potenziale für unseren Seelsorgebereich unter Berücksichtigung pastoraltheologischer und biblischer Aspekte gezogen. Konkret heißt das: Was bedeutet das, was wir in unserer Stadt und unserem Landkreis sehen für unsere pastoralen Angebote.
Im Vergleich zur bisherigen Sicht ändert sich, dass wir unseren Blick weiten wollen. Kirchliches Leben spielt sich nicht nur im Kirchengebäude selbst ab. Auch Kindertagesstätten oder die Angebote der Caritas sind gelebte Orte kirchlichen Lebens. Für unsere pastorale Arbeit der nächsten Jahre ist uns wichtig, dass wir "uns bewusst auf die Suche nach den Situationen des Lebens machen, in denen die Menschen uns hier im Hofer Land brauchen, zusätzlich zu den Kasualien.
Wir wollen offen sein für die Knotenpunkte des Lebens, die verschiedenen Lebensphasen und -entwürfe der Menschen. Wir wollen ihnen dort, wo sie uns brauchen, mit Angeboten, Trost, Rat, Hilfe und Segen zur Seite stehen. " (aus dem Pastoralkonzept).
Dabei ist uns wichtig, dass dies im Miteinander von Ehren- und Hauptamtlichen geschieht. Wir wollen die Kirche vor Ort stärken aber auch neue, innovative Ideen für das Hofer Land entwickeln.
Auf welche Entwicklungen reagieren Sie mit dem neuen Konzept?
Dieter Jung: Kirche wird derzeit meist mit negativen Schlagzeilen und Geschehnissen wie Missbrauch etc. in Verbindung gebracht – über das viele Gute und Positive, das in den Pfarreien vor Ort geschieht, dringt leider wenig nach außen – daher auch die angestrebte verbesserte Öffentlichkeitsarbeit.
Menschen leben ihren Glauben (wenn überhaupt) oft „privat“, ohne Bindung an eine konkrete Gemeinde. Wir wollen einladender und attraktiver werden – Gemeinschaft hat einen „Mehrwert“ als allein zu glauben.
Zudem wollen wir als Haupt- und Ehrenamtliche, als Frauen und Männer, als Christinnen und Christen und als Gemeinden vor Ort Menschen v.a. an den Lebenswenden begleiten, d.h. klassisch bei Hochzeiten, der Geburt eines Kindes, bei Trauerfällen; aber auch bei der Einschulung, bei Zeltlagern und Jugendfreizeiten, beim Übergang in den Ruhestand, bei Krankheit etc. Wir wollen da sein, und dem Evangelium ein Gesicht geben, unser Gesicht.
Wie wird es nach der Vorstellung in die Umsetzung gehen? Wieviel Zeit nehmen Sie sich dafür, was rechnen Sie ein?
Barbara Riedel: Das Abendlob am Sonntag bildete den Startschuss für die praktische Arbeit mit dem Papier. Im Anschluss daran wird das Papier in den Regionen den Ehrenamtlichen in den Gremien und Verbänden sowie den hauptamtlichen MitarbeiterInnen in der Caritas und unseren Kindertagesstätten vorgestellt.
Danach haben die Gremien, Einrichtungen und Verbände die Möglichkeit zusammen mit Dekanatsreferentin Barbara Riedel in Zukunftswerkstätten neue Möglichkeiten von Pastoral auf Grundlage des Papieres zu entwickeln, die zu ihrer Situation vor Ort oder ihrem Themenschwerpunkt passen.
Außerdem wird es eine Steuerungsgruppe aus haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen geben, die die Umsetzung des Papieres begleiten und Impulse setzen.
Was versprechen Sie sich vom neuen Ansatz? Welche Effekte /Erleichterungen könnte er bringen?
Stefan Fleischmann: Es sind sicherlich verschiedene Aspekte zu benennen: Der Seelsorgebereich Hofer Land wird durch das Pastoralkonzept nicht nur als Verwaltungsgröße wahrgenommen. In der Vielfalt unserer Kirchengemeinden sind wir gemeinsam unterwegs und brauchen auch einander: Vieles ist alleine nicht mehr zu machen, z .B. die Firmvorbereitung.
Zum Zweiten: „Wer nicht weiß wohin, braucht sich auch nicht wundern, wenn er woanders ankommt.“ Das Pastoralkonzept gibt Orientierung, was wir als Kirche überhaupt wollen und wie wir unseren kirchlichen Auftrag über den sonntäglichen Gottesdienst hinaus heute wahrnehmen wollen.
Zum Dritten: Das Pastoralkonzept ist kein Dogma; es wird sich weiter entwickeln müssen nach dem Maßstab, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten.
Mit welchen Reaktionen rechnen Sie, über welches Feedback würden Sie sich freuen?
Stefan Fleischmann: Man sagt ja, Papier ist geduldig. Vielleicht wird der eine oder andere so denken. Aber ich bin fest davon überzeugt: Das Pastoralkonzept wird eine positive Resonanz erfahren – gerade in unseren Zeiten: Kirche igelt sich nicht ein, genügt sich nicht selbst, sondern geht „raus und ran.“ Das ist im Kern jesuanisch!