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Pilger der Hoffnung

Logo Heiliges Jahr 2025
Datum:
Veröffentlicht: 16.1.25
Von:
Stefan Fleischmann

Papst Franziskus hat das Heilige Jahr 2025 ausgerufen, um in Zeiten von Kriegen und globalen Krisen eine Zeit der Besinnung und Erneuerung zu schaffen. Christinnen und Christen und alle Menschen guten Willens sollen wieder Hoffnung schöpfen können. Das Motto dieses heiligen Jahres ist sehr schön: „Pilger der Hoffnung.“

Gerade zu Beginn des Jahres frage ich mich selbst:
„Was macht Mut?“
„Was schenkt Hoffnung?“
„Gibt es Orte der Hoffnung?“
„Kenne ich Hoffnungsgeschichten?“

Nein, ich bin kein Träumer und möchte auch meine Augen vor unserer Wirklichkeit nicht verschließen. Wir kennen genug Leid, Not und Tod in der Welt und in unserem Leben. Wir kennen „Meinen“ ohne Wissen. Wir kennen Propaganda ohne Information. Wir kennen Behauptung ohne Begründung. Wir kennen Kritik ohne Selbstkritik. Was lässt uns dann hoffen? Hoffnung erwächst in der Klarheit und Einsichtigkeit, in der Ermöglichung einer Gegenmeinung, im kritischen und reflexiven Denken und Handeln.

Ich lade Sie ein, die Sinne zu schärfen und bewusst wahrzunehmen, wo Hoffnung darüber hinaus erlebbar und erfahrbar ist. Es sind oft die Alltäglichkeiten, die großes Hoffnungspotential haben:

„Ich höre dir erst einmal zu!“
„Schwamm drüber. Vergessen wir es; halb so schlimm!“
„Ich lasse dich doch jetzt nicht hängen!“
„Ich komme mal rüber; dann reden wir miteinander!“
„Ich gebe dir etwas davon!“
„Du bist eingeladen!“

Hoffnung wächst, wo der Mensch in seiner Würde, Einmaligkeit und Bedürftigkeit gesehen wird und Beziehung schafft. Auf meinem Schreibtisch liegt der Monatsspruch: „Beurteile den einzelnen Tag nicht nach der Ernte, die du einfährst, sondern nach der Saat, die du pflanzt.“ (Robert Louis Stevenson). Es ist nicht immer einfach, daran zu glauben, dass etwas Gutes wächst und Früchte trägt. Immer nur pflanzen ohne sichtbaren Ertrag? Manchmal möchte man am liebsten – aus Verzweiflung oder aufgrund der eigenen Unzulänglichkeit - die Flinte ins Korn werfen und aufgeben.

Pilger der Hoffnung benötigen heute einen langen Atem; sie brauchen Geduld und das Vertrauen, dass Gott selbst das Gute und Schöne, das er im und durch den Menschen begonnen hat, wachsen und reifen lässt und zur Vollendung führt. Gott kann sogar auf krummen Zeilen gerade schreiben und etwas daraus machen. Können wir in dieser Lebenshaltung Tagesrückblick halten, z. B. im persönlichen Gebet?

Ich wünsche uns allen, dass wir Pilgerinnen und Pilger sind, die auf ihrem Lebensweg hoffnungsvoll leben - in dieser Welt und für die uns anvertrauten Menschen. In diesem Sinne wünsche ich uns einen hoffnungsvollen Tag!

Stefan Fleischmann
Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Hofer Land