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Pfingsten – ein Fest der Erneuerung

Pfingsten
Datum:
Veröffentlicht: 9.6.22
Von:
Sebastian Schiller

Am letzten Wochenende haben christliche Kirchen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt das Pfingstfest gefeiert. Ein Fest, das sich von anderen kirchlichen Festen schon rein optisch unterschiedet. Es gibt keine „Pfingstdekoration“ in Häusern und auf Straßen, es gibt nicht viele Bräuche, die man mit Pfingsten verbindet. Außer natürlich die gekalkten Linien, die über Nacht plötzlich auf den Straßen auftauchen und den Birkenbäumen, die auf einmal an einzelnen Häusern als nonverbale Botschaft zu bewundern sind.

Vielleicht liegt es am sperrigen Namen dieses Festes, der ja aus dem Griechischen kommt und schlicht und einfach „50“ bedeutet, dass Pfingsten sich anders anfühlt als Weihnachten und Ostern. Vielleicht liegt es aber auch am Inhalt des Festes. Fünfzig Tage nach Ostern versammeln sich die Apostel mit Maria in Jerusalem. Ostern ist vorbei – die erste Freude über Auferstehung und Wiedersehen sind abgeklungen, das Erstaunen über Himmelfahrt und Neuanfang ist noch nicht lange her.

Man kann sich gut in die Gefühlswelt der Anwesenden damals hineinversetzen: „Wie geht es jetzt bloß mit uns weiter?“ Und es geschieht etwas Außergewöhnliches, wie uns die Apostelgeschichte berichtet: Ein lautes Brausen kommt auf, Zungen wie von Feuer erscheinen und man hört alle in ihrer eigenen Muttersprache reden. Und man versteht sich doch.

Mit anderen Worten: An diesem Pfingsttag beginnt etwas ganz Neues. Nicht Äußerlich, sondern im Denken der Menschen verändert sich etwas. Die Jünger bekommen damals neue Energie, neue Erkenntnis, neuen Rat und neue Stärke. Das Bangen und die Verzweiflung weichen und sie beginnen mit neuer Hoffnung auszuschwärmen und die gute Botschaft in der Welt zu verkünden.

Für uns heute sind die Probleme natürlich ganz anders gelagert, als damals bei den ersten Christen in Jerusalem. Wir haben eine andere Lebenswirklichkeit und andere Fragestellungen, die uns heute beschäftigen und manchmal zum Verzweifeln bringen. Der Mechanismus von dem die Apostelgeschichte spricht, ist allerdings auch heute in unserer Zeit noch genau derselbe.

Pfingsten ist ein Fest, das bei mir selbst als Person ansetzt. Das Pfingstereignis spricht meine eigenen Hoffnungen, Sorgen und Befürchtungen an. Es geht um das, was ich in „meiner Sprache“ denke und empfinde.

Mir zumindest ist es in meinem Leben schon öfter so gegangen, dass ein Gebet oder ein ruhiger Moment – ein inneres Abstand nehmen vom alltäglichen Denken und vom Alltagstrott mit einem neuen Blick, manchmal sogar einem neuen Ausweg in meinem Leben eröffnet hat. Ich konnte plötzlich die „Sprache“ von anderen verstehen und mit meiner „Sprache“ in Einklang bringen.

Der Heilige Geist verändert auch heute unser Denken und unser Zusammenleben, so wie damals am ersten Pfingsttag in Jerusalem, möchte ich damit sagen. Und dieser Geist weht nicht nur an Pfingsten, sondern an jedem Tag unseres Lebens.