Ostern in St. Franziskus

Am Morgen des Ostersonntags haben die Christen der katholischen Pfarrei Sankt Franziskus den wichtigsten Gottesdienst im liturgischen Jahr gefeiert: die Osternacht. Viele Menschen machten sich im Dunkel der Nacht auf, um die Auferstehung Jesu Christi zu feiern. Sie versammelten sich mit den Ministrantinnen und Ministranten um das lodernde, Funken sprühende Osterfeuer, an dem Pfarrer Dieter Jung die Osterkerze entzündete. Die brennende Osterkerze wurde dann in einer feierlichen Prozession in die dunkle Kirche getragen, begleitet vom dreimaligen Ruf in steigender Tonhöhe: „Lumen Christi“ („Christus, das Licht“). Darauf antwortete die Gemeinde mit dem Zuruf „Deos gratias“ („Dank sei Gott“).
Im Exultet, dem großen Osterlob, drückte Pfarrer Jung in feierlichem Gesang aus, dass der auferstandene Jesus Christus das neu aufstrahlende Licht sei – der neue Morgenstern. Dieser besiege das Dunkel und den Hass, den Tod und die Sünde. In der Predigt ging der Pfarrer näher auf das Motiv des Regenbogens ein, der das Heilige Grab schmückte. Einige Pfarrangehörige rätselten bereits seit Wochen über seine Bedeutung im Altarraum. Vielleicht war manchen bewusst, dass der Regenbogen mehrere Bedeutungsebenen hat: So gilt er zum Beispiel als Zeichen des Bundes zwischen Gott und Mensch, als Friedenszeichen oder auch als Symbol der LGBTQI-Gemeinschaft. „Der Regenbogen ist gewachsen“, sagte Jung. Jede Woche in der Fastenzeit kam eine neue Farbe dazu – und eine Predigt zu den Schrifttexten des jeweiligen Sonntags in Kombination mit der jeweiligen Farbe. Die aufmerksamen Besucher der Messen konnten mitverfolgen, wie Pfarrer Jung die sechs Farben in ihrer liturgischen, religiösen oder auch anthropologischen Bedeutung erklärte. Am Ende der Fastenzeit zeigte sich schließlich ein farbenfroher Regenbogen im Altarraum.
Auch der Jugend- und Familiengottesdienst am Ostermontag stand im Zeichen des Regenbogens. Der Regenbogen stehe für das Leben und den Frieden, für guten Zusammenhalt, Akzeptanz und Toleranz, sagte Pfarrer Jung.
Jugendliche stellten in einem Rollenspiel eine Talkshow nach. Sie sprachen über Menschen, die „nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen“, etwa Homosexuelle oder Menschen mit unterschiedlicher sexueller Identität. Dass sie deshalb als Mensch Diskriminierung erfahren – auch von Seiten der Kirche – sei abzulehnen. Die Jugendlichen erinnerten an das Outing von 125 queeren bei der katholischen Kirche angestellten Personen Anfang dieses Jahres im Fernsehen. Zum Schluss äußerten die Jugendlichen, dass sie sich eine „neue, moderne Kirche wünschen. Wir wollen die Kirche und die Welt ein Stück besser machen.“