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Orgelspaziergänge im Hofer Land

Orgelspaziergänge
Datum:
Veröffentlicht: 13.5.25
Von:
Stefan Fleischmann

Ein neues Format „Orgelspaziergänge“ wird im katholischen Seelsorgebereich Hofer Land demnächst angeboten: „In unseren Kirchengemeinden haben wir große Schätze; und dazu gehören die vielen Orgeln. Dieses besondere Angebot soll dazu beitragen, dass die Menschen die Vielfalt unseres Seelsorgebereiches im Hofer Land noch besser kennenlernen“, so Pfarrer Stefan Fleischmann, der Mitinitiator der Orgelspaziergänge.

Interview mit Dr. Ludger Stühlmeyer

Was erwartet den Besucher eines solchen Nachmittags?
Wir werden bei jedem der vier Orgelspaziergänge drei Instrumente kennenlernen. Zu jeder vollen Stunde wird eine Orgel an einem anderen Ort vorgestellt. Dabei erleben wir in jeweils etwa 35 Minuten den Klang und unterschiedliche Register der Instrumente und erfahren etwas zur Geschichte und Entstehung der Instrumente. Dabei wird es auch Raum für Fragen geben. Den Abschluss jeder Orgelvorstellung bildet ein Gebet und ein gemeinsames Lied.

Die Orgel genießt einen hohen Stellenwert im Gottesdienst. Inwiefern unterscheiden sich die Orgeln in diesen Kirchen?
Orgeln sind individuell auf den jeweiligen Kirchenraum zugeschnitten. Deshalb hat jedes Instrument seine eigene Persönlichkeit. Orgeln unterscheiden sich nicht nur in der Zusammenstellung ihrer Register, sondern auch durch ihr Aussehen, den Orgelprospekt. Auch das Zusammenspiel zwischen Instrument und Raumakustik spielt eine wichtige Rolle.

Seit wie lange besteht schon die Tradition der Kirchenmusik im Hofer Land?
Bei der Christianisierung des Hofer Landes entstanden zwischen Zell und Hof verschiedene Klausen und Klöster. Die älteste erhaltene Musikhandschrift, die im Stadtarchiv Hof aufbewahrt wird, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie enthält Offiziums-Antiphonen in Neumennotenschrift, die im damaligen Hofer Klarissen- und Franziskanerkloster gesungen wurden. Wie üblich werden die Klöster einen eigenen Kantor gehabt haben. Schon im 13. Jahrhundert gab es zudem in der Stadt Hof einen fest angestellten Musiker, später ein Instrumentalensemble, das dem Kantor und Chor bei Gottesdiensten zur Verfügung stand. 1376 wurde im Hofer Franziskanerkloster die erste Orgel, eine Schwalbennestorgel, gebaut. Damit gehört Hof, neben Nürnberg, zu den ältesten Standorten Bayerns (noch vor Bamberg oder München) mit einer Orgel. Nach der Reformation ging in Hof das katholische Leben für 250 Jahre unter. Mit der Neugründung der kath. Gemeinde wurde 1838 auch ein Kirchenchor gegründet, der in dem Bernhard-Lichtenberg-Chor bis heute fortbesteht. 1885 investierte die Hofer Marienkirche in zwei wertvolle Instrumente, eine romantische Orgel und einen Konzert-D-Flügel, der heute im Saal des Hofer Pfarrzentrum steht. Seit der Gründung des kath. Dekanats Hof im Jahre 1937 sind in den Gemeinden des Seelsorgebereichs nach und nach viele schöne Orgeln entstanden und Musikgruppen gegründet worden.

Wo steht die „jüngste“ und wo „älteste“ Orgel im Seelsorgebereich, und was zeichnet diese aus?
Die jüngste Orgel in unserem Seelsorgebereich entstand 2005 in der Gemeinde Verklärung Christi in Naila. Das älteste erhaltene Instrument ist die unter Denkmalschutz stehende Steinmeyer-Orgel von 1885 in der Stadtkirche St. Marien. Die älteste spielbare Orgel im Hofer Land ist das Instrument in der evangelischen Kirche in Döhlau, sie stammt aus dem Jahr 1709. Der jüngste Orgelbau entstand im Hofer Krematorium im Jahre 2016.

Die Orgel der kath. Kirche in Naila besitzt ein exzellentes Klangspektrum. Auf ihr lassen sich Orgelwerke aller Epochen sehr gut darstellen. Die Orgel in St. Marien ist eines der wenigen Instrumente, die noch komplett aus der deutsch-romantischen Epoche erhalten sind. Auf ihr klingt Orgelmusik aus der Romantik besonders gut. Die Orgel im Krematorium ist klanglich besonders auf warme und weiche Klangfarben ausgerichtet.

Im Seelsorgebereich gibt es neben dem hauptamtlichen Stadt- und Dekanatskantor viele Organisten im Neben- und Ehrenamt. Wie sieht es mit dem Organisten-Nachwuchs im Seelsorgebereich aus?
In den 45 Jahren meiner Tätigkeit habe ich etwa 80 Kirchenmusiker/Organisten ausgebildet, viele davon für das Dekanat Hof. Wir haben verschiedene Ausbildungszüge: Zuerst den Orgel-Grundunterricht. Die nächste Ebene ist das Kirchenmusik-D-Examen. Es versetzt Organisten in die Lage, den Gemeindegesang zu begleiten und unterschiedliche Orgelstücke im Gottesdienst vorzutragen. Beim C-Examen wird ein gehobener Schwierigkeitsgrad für das Orgelspiel angesetzt. Zusätzlich werden die Absolventen in der Leitung von Chören und Bands ausgebildet und bekommen zur Schulung ihrer Stimme Stimmbildungsunterricht. Derzeit befinden sich noch sechs Nachwuchsorganisten für unser Dekanat in meinem Ausbildungsgang.

„Ich freue mich sehr, dass die Reihe „Orgelspaziergänge“ nun am kommenden Samstag, 17.05.2025 in unseren Kirchen beginnt“, so Stefan Fleischmann: 15.00 Uhr Sparneck, Maria Hilfe der Christen; 16.00 Uhr Münchberg, Heilige Familie; 17.00 Uhr Helmbrechts, Christkönig.

Zusätzlich entsteht ein zweibändiges Buch „Orgelspaziergänge im Dekanat Hof“, ISBN 978-3-911627-10-8, das demnächst im Sabat-Verlag in Kulmbach erscheinen wird.

Die Fragen stellte Stefan Fleischmann, leitender Pfarrer im Seelsorgebereich und Mitinitiator der Orgelspaziergänge im Hofer Land.