Zum Inhalt springen

Neue Kita fürs Hofer Bahnhofsviertel

Grundsteinlegung Kita St. Marien
Datum:
Veröffentlicht: 29.6.23
Von:
Christoph Plass

Sieben Jahre Planungszeit, vier Millionen Euro Kosten und Platz für mehr Kinder als zuvor: Die katholische Gesamtkirchenverwaltung beginnt mit einem Ersatzneubau für die Kita Sankt Marien. In einer Gegend, in der es kaum Katholiken gebe, sei das besonders wichtig, sagt der Pfarrer.

Die Kinder haben schon Bilder gemalt, wie ihr neuer Kindergarten dereinst aussehen soll: Ist in die Zeitkapsel gekommen. Maulwurf Willi, das Baustellen-Maskottchen, hat gute Wünsche verfasst für den Bau: Auch rein damit in die Kapsel. Und auch ein historischer Weihwasser-Tiegel, Gebete und eine aktuelle Frankenpost -Ausgabe sind in der Kapsel gelandet, die danach eingemauert wurde zur Grundsteinlegung. Da haben die Kinder nicht schlecht gestaunt, als Architekt Norbert Endrejat erklärt hat, dass das Ganze vielleicht in vielen, vielen Jahren einmal einer finden könnte. Und die Erwachsenen haben auch gestaunt am Donnerstagvormittag: Schließlich ging es hier um den Startschuss für ein Vorhaben, das schon so lange irgendwo in den Hinterköpfen herumgeschwebt ist, dass manch einer nicht mehr an eine Umsetzung geglaubt hat.

Das Vorhaben: Die Kita Sankt Marien in der Hofer Orleansstraße ist zu klein, und sie ist in die Jahre gekommen. Lange hatten sich die Verantwortlichen überlegt, sie zu sanieren und zu erweitern – aber das wäre auf dem kleinen Grundstück nur schwer möglich gewesen und vermutlich ziemlich teuer geworden. Also haben sie einen Neubau an anderer Stelle beschlossen: In der Königstraße 15, zwischen Rekkenze- und Bahnhofsplatz, entsteht nun ein zweigeschossiger Kita-Bau für vier Kindergartengruppen und eine Krippengruppe (eine mehr als in der alten Kita). Das Grundstück hatte die Schiffbauer-Stiftung zur Verfügung gestellt, sie hat auch den Abbruch des alten Gebäudes darauf bezahlt. Vier Millionen Euro soll der Bau, Stand heute, kosten – viel mehr als vor sieben Jahren geschätzt. Doch das ist nicht der einzige Diskussionspunkt beim Projekt gewesen.

Die Nutzer: Eine neue kirchliche Kita in einer Gegend, in der nur wenige Christen leben? Das sei nicht unumstritten gewesen in den Gremien, sagt Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann. „Wir haben hier nur einen sehr geringen Anteil an Katholiken. Aber es gehört zu unserem gesellschaftlichen Auftrag, Menschen und Kulturen und Religionen zusammenzubringen – Kirche darf sich da nicht zurückziehen, gerade nicht in dieser Stadt.“ Das Bistum trage ein Viertel der Kosten für den Bau, der Rest komme von Stadt und Freistaat. In Betrieb gehen soll die neue Kita, sofern der Bau gut läuft, schon im September 2024; was dann mit dem alten Gebäude geschieht, darüber sei man sich noch nicht im Klaren, sagt Stefan Fleischmann. An der grundsätzlichen Situation in Sachen Kinderbetreuung in Hof ändert der Neubau allerdings nicht allzu viel.

Die Betreuungsquoten: Die Stadt Hof steht gar nicht schlecht da in Sachen Bedarfsabdeckung, dennoch kann nicht jede Familie bedient werden. Unter anderem der Trend zur Krippe (die Mütter wollen oder müssen immer früher nach der Geburt wieder arbeiten) und die vielen Zuzüge bedingen, dass die Kitas quasi immer voll sind. Gerade in der Innenstadt. Eine zusätzliche Gruppe wird an der Gesamtsituation zumindest nicht allzu viel ändern, sagen die Verantwortlichen bei der Stadt: Wenn die Gruppe in der Königstraße angeboten werden kann, wird vermutlich die derzeitige Notgruppe im Piuskindergarten wieder aufgelöst – ein Nullsummenspiel, die Halbwertszeiten in Sachen Bedarfsberechnungen sind kurz. Dennoch war die Freude groß am Donnerstag bei der Grundsteinlegung: vor allem, weil die Beteiligten hier eine moderne Umgebung zum Arbeiten vorfinden werden.

Die Feier: Klar sei es ein Kraftakt für alle Beteiligten, sagte Pfarrer Stefan Fleischmann. Darüber hatte auch die Frankenpost schon häufiger berichtet in den vergangenen Jahren: Zwischen Kirche und Stadt Hof war es lange hin und her gegangen über Raum- und Bedarfsanforderungen sowie eine städtische Förderung.

Umso stolzer präsentierte Architekt Norbert Endrejat nun das Vorhaben – mit zwei Geschossen, die (auch) per Aufzug verbunden sind, Gruppen- und Mehrzweckräumen, einem Garten nach hinten hinaus und einem Flachdach voller moderner Gebäudetechnik. Tatjana Schlemmer, kommissarische Geschäftsführerin der Kitas im Seelsorgebereich, nannte das Vorhaben „gigantisch und wunderschön“. Die gemeinsame Grundsteinlegung empfinde sie als wichtig, „weil auch eine Kita ganz viel mit Grundsteinlegen zu tun hat für die Kinder und Familien: für soziales Miteinander, für Wärme und Gemeinschaft“.

(aus Frankenpost 29.06.2023)