Neue Kindertagesstätte St. Marien im Bahnhofsviertel

Gut vier Millionen Euro hat die katholische Kirchenverwaltung im Hofer Bahnhofsviertel investiert – gerade, weil hier von 114 Kindern nur zwei katholisch sind.
Hof„Einfach spitze, dass du da bist“, singen die Kinder der Sonnenstrahlen-Gruppe. Mal mit Daumen hoch, mal hüpfend, mal stampfend: Die Proben für die große Einweihungsfeier am Donnerstag laufen gut. Dann eröffnen viele geladene Gäste das Haus, das die Kinder schon im Herbst in Beschlag genommen hatten. Und werden darüber sprechen, warum der große Pappmaché-Leuchtturm im Foyer ein Sinnbild für die gesamte Einrichtung ist.
114 Kinder aus dem Hofer Bahnhofsviertel besuchen die fünf Kindergarten- und Krippengruppen. „Davon katholisch? Höchstens zwei“, sagt Heiko Fritzsch, Geschäftsführer der katholischen Kindertagesstätten des Seelsorgebereichs Hofer Land. Doch gerade auch aus diesem Grund hatte sich die Gesamtkirchengemeinde dazu entschlossen, hier zu investieren: Weil auch die Kinder und Familien aus anderen Kulturen, Religionen und Gesellschaften hier eine Förderung auf Grundlage christlicher Werte erfahren sollen.
„Die Kinder stammen aus zehn bis 20 Nationen“, erklärt Einrichtungsleiterin Saskia Kießling, Spracherwerb und interkulturelle Begegnung seien hier ganz alltäglich. Ebenso wie der Austausch und die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Behörden und Fachstellen: „90 Prozent unserer Familien hier erhalten irgend eine Art von Förderung – sei es, dass die Stadt das Mittagessen bezahlt, oder dass sie die Elternbeiträge gleich ganz übernehmen muss.“ Gerade im Hofer Bahnhofsviertel, wo viele Familien finanziell zu kämpfen haben, brauche es einen Anker – nein: einen Leuchtturm –, der den Kindern ein Ankommen und Orientierung im Leben biete.
Die Finanzierung
Das haben sich die Beteiligten etwas kosten lassen: 4,1 Millionen Euro stehen bisher auf der Kostenseite. „Mit nur ganz marginalen Kostensteigerungen bis zum Einzug. Aber die Außenanlagen, über denen wir gerade noch sind, werden das leider noch etwas ändern, so ehrlich muss man sein“, erklärt Heiko Fritzsch. Die Kostenaufteilung im Einzelnen:
• Gesamtkirchengemeinde Hofer Land: etwa 400.000 Euro
• Erzbistum Bamberg: etwa 500.000 Euro
• Freistaat und Stadt Hof: etwa 3,2 Millionen Euro.
Um jenen Ort zu schaffen, an dem sich die Kinder entfalten und auch zur Ruhe finden können unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Hintergrund, waren sieben Jahre Planungs- und drei Jahre Bauzeit vonnöten. „Regelmäßige Baustellen-Besuche mit den Kindern inklusive, sie waren natürlich ganz neugierig auf ihre baldigen neuen Räume“, erzählt Saskia Kießling. Der Neubau in der Königstraße ist ein Ersatz für die zu klein gewordene und in die Jahre gekommene frühere Kita in der Orleansstraße. Die alte Liegenschaft wurde mittlerweile an einen Münchner Investor verkauft, sie könnte vermutlich bald als zwischenzeitliches Ausweichquartier dienen für eine andere Kita, die ebenfalls einen Ersatzneubau bekommen soll. Und die Nachfrage angesichts wieder sinkender Hofer Geburtenzahlen?
„Vergangenes Jahr hatten wir eine Warteliste. Dieses Jahr haben wir noch einzelne freie Plätze. Und was die Zukunft bringt angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge, wird sich zeigen“, sagt Saskia Kießling. Seit Herbst bereits sei die Einrichtung genutzt, nach und nach seien die Gruppen und Altersklassen umgezogen. „Und da wir noch keinen fertigen Außenbereich haben, dürfen wir noch den Garten der früheren Kita in der Orleansstraße nutzen“, betont Heiko Fritzsch. Der Renner sei aber vor allem in den Anfangszeiten etwas anderes gewesen, betont er: „Die Eingangstür spricht.“
Neue Klingel, neues Schließsystem, neue Bring- und Abhol-Situation: „Das ist für viele Eltern eine Umstellung gewesen, für die Kinder war es vor allem aufregend“, erinnert sich auch Heiko Fritzsch. Denn die Tür ermuntert einen mit einem „Bitte komm herein!“ aus dem Lautsprecher, sobald sie sich öffnet. „Da melden sich viele Kinder mit einem ‚Ich bin da!’ einfach gleich an“, erzählt er und lacht. Aus pädagogischer Sicht komme es aber freilich auf ganz andere Dinge an.
Ruhe statt „technischer Betreuung“
Jede Gruppe hat ihren eigenen Essensraum und einen weiteren Nebenraum zum Spielen oder Schlafen, auch Sanitärräume hat jede Gruppe für sich. „Besonders stolz sind wir auf unseren Snoezelen-Raum, in dem sich die Kinder ausruhen können, mit einer Wassersäule, die Klang- und Lichtstimmungen wechselt“, erklärt Saskia Kießling. Das habe auch den gewünschten Effekt: „Viele Kinder kommen sofort zur Ruhe, sobald die Säule eingeschaltet wird.
Da ja in vielen Familien eine sehr technische Kinderbetreuung stattfindet, brauchen sie das auch, um mal herunterzukommen“, berichtet sie – eine vorsichtige Formulierung dafür, dass viele Kinder daheim unbegrenzt auf Bildschirme gucken dürfen. So benennt auch Heiko Fritzsch ein ganz persönliches Highlight des Baus: „Hier ist es sehr ruhig. Obwohl hier 114 Kinder spielen und toben, hört man ganz wenig – ein großer Vorteil der Bauweise hier.“
Helle und große Räume, der (noch in der Entstehung begriffene) Garten nach hinten hinaus, eine Grundhaltung der Offenheit für alle Familien: Da wird auch die Einweihungsfeier, die am Donnerstag ansteht mit Bürgermeisterin und Landrat, Leitendem Pfarrer und anderen Kita-und Bistumsvertretern, eine große Veranstaltung werden. Die Kinder singen es vor: „Einfach spitze, dass du da bist!“