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Mit Segen säen.

Datum:
Veröffentlicht: 12.7.24
Von:
Sebastian König, Pastoralreferent Kath. Seelsorgebereich Hofer Land
Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten. Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.

Im 2 Kor 9,6-7 heißt es:

Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten. Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“ Diese Worte von Albert Schweitzer könnten als Synonym stehen für unser Bibelwort. Bei diesen Gedanken geht es um einen jeden von uns persönlich. Die Spuren der Liebe zu hinterlassen, das lässt sich nicht bewusst erzwingen. Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, mit seinem Gewissen, mit seiner inneren Stimme des Herzens, kann diese Spuren der Liebe hinterlassen. Ganz unbewusst und ohne Gedanken des Eigennutzes. 

Dem Nächsten von Herzen Gutes tun bringt Segen. Nur wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten, schreibt Paulus. Und wer mit Segen sät, als Mensch für Menschen, denkt nicht an die Ernte. In seinen Gedanken wäscht nicht eine Hand die andere wie diese bekannte Redewendung zu wissen vorgibt.

Mir kommen in diesem Zusammenhang Worte der Schriftstellerin und Lyrikerin Hilde Domin in den Sinn. Sie schreibt zunächst melancholisch feststellend: Wie wenig nütze ich bin, ich hebe den Finger und hinterlasse nicht den kleinsten Strich in der Luft. Die Zeit verwischt mein Gesicht, sie hat schon begonnen. Hinter meinen Schritten im Staub wäscht der Regen die Straße blank wie eine Hausfrau. Ich war hier. Ich gehe vorüber ohne Spur. Die Ulmen am Weg winken mir zu wie ich komme, grün blau goldener Gruß, und vergessen mich, eh ich vorbei bin. Denken wir selbst nicht auch oft so wie es Hilde Domin hier zu Papier gebracht hat?

Wie wenig nütze bin ich! Was hinterlasse ich schon! Kaum sichtbar sind meine Spuren im Leben! Was habe ich Gutes geleistet, was habe ich vorzuweisen? Vor Gott zählen solche Gedanken nicht. Denn gerade diese Gedanken weisen einen tiefsinnigen Menschen aus. Einen Menschen, der nicht nur an sich und seinen Erfolg denkt. Wenn sich in den Pausen des Lebens unser Denken verselbständigen darf und die vorgenannten Gedanken, die Hilde Domin so eingehend festgehalten hat, sich einschleichen, wird das Leben eines jeden Einzelnen von uns wertvoll und tief, kommt die Seele an die Oberfläche. Diese Momente sind die wertvollen im Leben. Nur in diesen Momenten erkennen wir das Wesentliche, erkennen wir Sinn und Aufgabe, die uns als Menschen wertvoll machen.

In diesen Pausen des Lebens darf Hoffnung keimen, so wie bei Hilde Domin, die fortfährt in ihren Gedanken, um nach ihrer melancholischen Feststellung positives und segensreiches zu entdecken. Ich gehe vorüber - aber ich lasse vielleicht den kleinen Ton meiner Stimme, mein Lachen und meine Tränen und auch den Gruß der Bäume im Abend auf einem Stückchen Papier. Und im Vorbeigehn, ganz absichtslos, zünde ich die ein oder andere Laterne an in den Herzen am Wegrand. 

Ja, das Gute, das wir tun, bemerken wir selbst eigentlich nicht. Und gerade dadurch wird es wertvoll. Denn das sind wir. Es ist unser innerstes Wesen, unser Herz, das die Laterne anzündet in den Herzen unseres Nächsten. Ich bin sicher, dass jeder in seinem Leben die eine oder andere Laterne angezündet hat oder noch anzünden wird, mit Worten, aber vor allem mit seinem Tun und Handeln.