Maria hat das Bessere gewählt

„Maria hat das Bessere gewählt?“
In den Auslegungsgeschichte dieses Evangelienabschnitts gab es Tendenzen, Maria und Marta auszuspielen: Vita Activa und Vita Contemplativa. Wir würden heute sagen, beides gehört doch zusammen. Beides ist wichtig.
Maria hat das Bessere gewählt, sagt Jesus. „Das soll ihr nicht genommen werden.“ Schauen wir ein wenig genauer hin, was ihr nicht genommen werden soll!
1. Die Zufriedenheit
Sind wir ehrlich: Marta provoziert diese Auseinandersetzung. Sie ist offensichtlich unzufrieden mit ihrer Rolle, den Hausdeppen spielen zu müssen. „Während Maria sich dem Herrn zu Füßen setzt und seinen Worten lauscht, ist Marta ganz davon in Anspruch genommen für ihn zu sorgen.“ Vielleicht hat sie diese Rolle aus freien Stücken selbst gewählt – als Hausherrin, als Gastgeberin, als ältere Schwester. Vielleicht hat sie immer gesagt: Das mache ich, das kann ich, und sonst keiner. Oder sie ist in diese Rolle so hinein geschlittert – das kennen wir von Ehrenämtern, wenn man mal damit angefangen hat, dann wird man das Amt so schnell nicht mehr los! - Wir wissen es nicht! Ihre Unzufriedenheit mit ihrer Rolle wird in diesem Evangelienabschnitt sehr deutlich, noch mehr ihr Neid auf Maria und ihre Sehnsucht, aus der Rolle auszubrechen, den Spieß umzudrehen.
Maria hat das Bessere gewählt!
2. Das Gespräch
Marta ärgert sich über das Verhalten ihrer Schwester und platzt Jesus gegenüber mit ihrem Zorn heraus. „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir überläßt? Übersetzt heißt das: „Herr, macht es dir keine Sorgen, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir überläßt.“ Offenbar stört sich Jesus nicht an der Untätigkeit Marias. Denn sie hat offenbar die Kunst und die Fähigkeiten, seinen Worten zu lauschen. Marta legt noch eines oben drauf: „Sag ihr doch...“ Es fällt auf: Marta spricht nicht mit ihrer Schwester, sondern nimmt einen Umweg über einen Dritten, um jemandem mal deutlich die Meinung zu sagen. Die Verärgerung ist so groß, dass sie nicht einmal mehr den Namen ihrer Schwester nennt. Freilich: Vielfach könnten Dinge aus dem Weg geräumt werden, wenn Menschen nicht übereinander, sondern erst einmal miteinander sprechen würden. In unserem Fall tut es Marta nicht.
Maria hat das Bessere gewählt!
3. Die Infragestellung
Die Situation wird durch dieses Vorgehen nicht einfacher. Man merkt so richtig, wie bei Maria und Marta der Haussegen schief hängt. Vielleicht ist es ein alter Konflikt, der gerade jetzt in Jesu Gegenwart aufbricht und offensichtlich wird. Der Fall liegt jetzt auf dem Tisch und muss geklärt werden. „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ Das ist schon ein harter Brocken für Marta. Das muss sie erst einmal verdauen. Es gibt Gespräche mit einem Vertrauten oder Freund, da müssen wir auch erst einmal schlucken. Da wird das Handeln völlig Frage gestellt. Erinnern wir uns an den Gesetzeslehrer letzte Woche, als Jesus ihn mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter konfrontiert. Auf welchem Fundament stehe ich überhaupt? Aus welchen Quellen schöpfe ich? Was gibt meinem Handeln tiefen Sinn und innere Freude?
Maria hat das Bessere gewählt! Das soll ihr nicht genommen werden.
Liebe Schwestern und Brüder,
das Gespräch endet hier zwischen Jesus und Marta. Jesus macht deutlich: Maria hat das Bessere gewählt, weil sie ihren je eigenen Weg zum Leben, zum wahren Leben gefunden hat – frei Neid, Unzufriedenheit, Klage.
Jesu Worte in aller Freundschaft gegenüber Marta haben getroffen, haben betroffen gemacht, sich auf dem Weg zu machen, tiefer zu sehen, zu glauben und zu hoffen. Das schließt auch ein, manches zu klären und auch einmal anzupacken.
„Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“
Amen.