Zum Inhalt springen

Leere Netze

Fischfang
Datum:
Veröffentlicht: 2.5.25
Von:
Uli Essler Krankenhausseelsorger
geistliches Wort von PR Uli Essler

Da wird eine Frau mit ihren Kindern von der Sozialhilfe abhängig, weil ihr Mann sie verlassen hat und der Sucht verfallen ist. Sie arbeitet und arbeitet, aber kommt nicht mehr hoch. Da sind die Eltern, die sich bemüht haben, ihren Kindern den Glauben vorzuleben, und die nun erfahren müssen, dass ihre Kinder ganz andere Wege gehen.

Wir könnten die Reihe der leeren Netze noch fortführen. Jeder kann sicher dazu beitragen. Leere Netze schmerzen. Sie haben sicher unterschiedliche Gründe, die oft nicht beim einzelnen Menschen liegen. Doch werden sie als Enttäuschung erfahren, auch als persönliches Versagen. Man fühlt sich ohnmächtig. Enttäuschung und Wut überschwemmen uns von innen. Resignation und Traurigkeit machen sich breit. Es fehlt ja nicht an Sachverstand und Einsatz. Aber das bringt nichts. Da ist es wichtig, sich diesen Erfahrungen zu stellen und sie zu benennen, zu beklagen. Das erleichtert schon und lässt uns erfahren, dass es den anderen genau so geht. Alles Ausweichen oder Vertuschen hilft nicht. Auch wir dürfen wie Petrus zu Jesus kommen und bekennen: „Herr, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, aber nichts gefangen“ (Lk 5,5). Jesus schickt ihn und uns nicht fort wie untaugliche Knechte. Jesus hat Verständnis für solche Erfahrungen. Er hat es ja selbst erleben müssen.

Er sagt: „Fahrt hinaus auf den See. Dort werft eure Netze zum Fang aus.“ Aller Sachverstand spricht dagegen. Die Fische ziehen sich bei Helligkeit in die Tiefe zurück. Auch die Müdigkeit der Fischer spricht dagegen: die ganze Nacht gearbeitet und dann noch Jesus mit seiner langen Predigt vom Boot aus – und die vielen Leute, die ihn hören wollen

. „Aber auf dein Wort hin!“ Haben wir die Kraft dazu? Und den Mut? Doch die Erfahrung vieler Menschen und Gruppen hier und in der ganzen Welt besagt: „Wenn wir kämpfen, wissen wir nicht, ob wir gewinnen. Aber wenn wir nicht kämpfen, haben wir schon verloren.“ Und ist sein Auftrag nicht auch seine Verheißung, sein Versprechen? Wenn wir dann nichts fangen, ist das auch seine Sache. Dann sind wir damit nicht alleine. Das kann uns Kraft geben und Geduld, leidenschaftliches Engagement mit Gelassenheit zu verbinden.

„Sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu zerreißen drohten.“ Das also kann geschehen, dass plötzlich etwas gelingt, um das man sich lange vergeblich bemüht hatte, oder dass einem etwas völlig unerwartet geschenkt wird: Erfahrungen der Freude und des Glücks, unverdiente Liebe, gelungene Versöhnung, das Gefühl der Geborgenheit inmitten aller Fragen und Sorgen. All das schiebt die negativen Erfahrungen nicht weg, aber es lässt darin nicht untergehen.

Es lädt darüber hinaus ein zur Dankbarkeit, weil wir wissen, dass nicht unsere Arbeit das erreicht haben, sondern dass es uns geschenkt ist, aber nicht ohne unseren Sachverstand. Der wunderbare Fischfang ist das Ergebnis von Jesu Auftrag und vom Einsatz der Fischer. Gott schenkt seine Wunder nicht an uns vorbei, sondern durch uns hindurch. Es sind vielleicht kleine, unscheinbare Erfahrungen von gelungenem Leben. Vielleicht sind wir auch nicht aufmerksam genug und betrachten vieles, was an Gutem geschieht, als zu selbstverständlich, nicht als Geschenk gerade in dieser Osterzeit.