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Kommentar im Heinrichsblatt

AMBO--BAMBERG--MARTIN--ST
Datum:
Veröffentlicht: 28.8.26
Von:
Stefan Fleischmann
„Die Laien wollen nicht schweigen – Theologisches Hofgespräch über Predigtverbot des Vatikans.“

KOMMENTAR
v. Stefan Fleischmann, Pfarrer

Die Überschrift in der Heinrichsblatt-Doppelausgabe 32/33 (S. 17 Erzbistum) hört sich sehr vielversprechend an: „Die Laien wollen nicht schweigen!“,

schließlich sollen sich alle Getauften und Gefirmten aufgrund unterschiedlicher Ämter und Rollen einbringen können, und zwar in allen Grundvollzügen der Kirche.

Etwas irritierend ist die Aussage bzw. das Statement, dass Priester bzw. Kleriker keine Lebenserfahrung vorzuweisen hätten: „Eine gute Predigt braucht Talent, gute Ausbildung und Lebenserfahrung – letzteres hätten die Laien, Priester nicht, heisst es am Schluss etwas plakativ.“ Ich bin überrascht über eine solche Aussage und reflektiere zugleich meinen eigenen Alltag und Predigtdienst. Das würde bedeuten, dass Priester in „ihrer“ je eigenen „Blase“ leben, abgeschirmt von der Wirklichkeit des irdischen Lebens und unserer Gesellschaft. Würde das überhaupt so funktionieren, Kirchengemeinden bzw. Seelsorgebereiche zu leiten und Menschen in den unterschiedlichen Lebenssituationen zu begleiten?

„Und das Wort ist Fleisch geworden“, Gott wurde Mensch, um uns ganz nahe zu sein und unser irdischess Leben zu teilen

Christen stehen demnach in der Nachfolge Jesu Christi, Glauben und Leben miteinander zu teilen, zu feiern und weiterzugeben.

Im Hochgebet „Jesus unser Weg“ heisst es dementsprechend, bzw. der Priester betet im Namen der Gottesdienstgemeinde: “Mache uns offen für das, was die Menschen bewegt, dass wir ihre Trauer und Angst, ihre Freude und Hoffnung teilen und als treue Zeugen der Frohen Botschaft mit ihnen dir entgegengehen.“

Eine Kategorisierung von Laien und Priester hinsichtlich ihrer Lebenserfahrung ist mir fremd; würde es doch bedeutet, dass dem Priester ein wesentlicher Baustein fehlt, der für eine gute Predigt unerlässlich zu sein scheint: „Es gebe viele theologisch hervorragend ausgebildete Frauen und Männer, die anders als die Kleriker obendrein Lebenserfahrung vorweisen könnten!“ Von welchen Lebenserfahrungen ist hier die Rede, die einem Priester abgesprochen werden? Was bedeutet das für die Zuhörer einer Predigt? Eine Ermutigung, darüber miteinander ins Gespräch zu kommen.

Seit meiner Priesterweihe lasse ich Frauen und Männer predigen bzw. ein Glaubenszeugnis sprechen, nicht weil sie eine größere Lebenserfahrung haben, sondern weil sie aufgrund ihres je eigenen Berufs- und Lebenskontextes andere bzw. bereichernde Perspektiven einnehmen und einbringen können, das Evangelium zu betrachten, zu deuten und in unsere Zeit – Kirche und Gesellschaft - hinein zu buchstabieren. Das ist der eigentliche Mehrwert eines Verkündigungsdienstes.

Hören wir damit auf, uns gegenseitig Kompetenzen abzusprechen. Vielfach geht es nicht um ein „Besser“, sondern um ein „Anders“, unsere Kirche in ihrer Vielfalt einheitsstiftend zu gestalten und zu stärken, das Evangelium zu verkünden und aus dem Evangelium heraus den Menschen zu dienen.