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Johannes der Täufer

Taufe des Herrn
Datum:
Veröffentlicht: 12.12.23
Von:
Sebastian König
So wie das Meer still werden muss, um den Himmel rein spiegeln zu können, so müssen auch wir zu uns finden vor Weihnachten, um zu verstehen. Adventszeit – Zeit der Vorbereitung.

Wenn das Meer all seine Kräfte anstrengt, so kann es das Bild des Himmels gerade nicht spiegeln; auch nur die mindeste Bewegung, so spiegelt es den Himmel nicht rein; doch wenn es still wird und tief, senkt sich das Bild des Himmels in sein Nichts.

Gedanken von Sören Kierkegaard

So wie das Meer still werden muss, um den Himmel rein spiegeln zu können, so müssen auch wir zu uns finden vor Weihnachten, um zu verstehen. Adventszeit – Zeit der Vorbereitung.

Liebe Gemeinde,

der große Künstler Michelangelo wurde im Jahr 1501 mit der Darstellung des biblischen David beauftragt. Seine daraufhin geschaffene monumentale Skulptur stellt den biblischen David in dem Augenblick dar, in dem er, die Steinschleuder bereits auf der Schulter angelegt, den Kampf gegen den Riesen Goliath aufnimmt. Scheinbar nachlässig trägt er die Schleuder über der linken Schulter. Die kampfbereite Spannung jedoch wird in den hervortretenden Adern der rechten Hand erkennbar, die den unsichtbaren Stein als Wurfgeschoss umschließt. Vor allem aber in der Nacken- und Gesichtspartie: in den straffen Halssehnen, den angespannten Lippen und Nasenflügeln, der gerunzelten Stirn. Davids Blick ist auf einen Punkt in der Ferne gerichtet.

Michelangelos Darstellung unterscheidet sich wesentlich von früheren Versionen aus der Florentiner Renaissance. Bei ihm ist David vor dem eigentlichen Kampf gegen den Riesen zu sehen. Die Wahl des ungewöhnlichen Zeitpunktes lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters daher nicht mehr auf den zu Ende gegangenen Kampf, sondern auf den unmittelbar bevorstehenden Sieg. Ein Meisterwerk.

Der Papst fragte einst Michelangelo:

Verraten Sie mir das Geheimnis Ihres Genies. Wie haben Sie die Statue von David erschaffen – dieses Meisterwerk aller Meisterwerke?

Michelangelo antwortete:

Ganz einfach. Ich entfernte alles, was nicht David ist.

Was nicht David ist. Den Teil des Marmorblockes, der nicht David ist. Den Teil also, der den David verdeckt hat. Das, was unwichtig ist. Das, was nur Ballast ist. Das wesentliche, den Menschen in seinem Sein im Blick zu behalten und generös herauszuarbeiten, das war die Kunst Michelangelos und das war auch die Fähigkeit Davids. Ziel war es Goliath zu besiegen. Daneben gab es nichts. Wie beeindruckend diese Doppelung im Werk Michelangelos.

Dieselbe Konzentration auf das Wesentliche sehen wir auch bei Johannes dem Täufer. Auf Jesus hinzuzeigen, ohne Schnörkel, ohne Ablenkung, in voller Konzentration. Diese Konsequenz und Fähigkeit Johannes des Täufers zwingt uns in ihren Bann. So, wie das Werk Michelangelos. Nichts lenkt ihn in seinem Tun und Denken von diesem Ziel ab. Er bereitet den Weg für Christus. Alles das, was uns den Blick und damit das Leben verstellt, räumt er beiseite. Wie heißt es im Bibeltext?

3 Die Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! -,

4 so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.

Aufs einfachste gekleidet, spartanisch ernährt. So einfach und klar ist auch seine Sprache. Klare Sätze - überdeutlich - gepaart mit klarem und deutlichem Handeln so tritt er auf und überzeugt die Menschen, die sich von ihm taufen lassen.

Menschen können nicht „machen", dass Gott kommt, auch wenn hektische Betriebsamkeit gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit diesen Eindruck zu wecken sucht. Aber wir können versuchen Wege zu finden und vielleicht manchmal aufzeigen.

Johannes steht am Rand der Wüste - dort, wo man sie sieht, ihr gedanklich nicht entfliehen kann, aber wo man nicht in ihr zugrunde geht. Am Jordan tauft er. Er hat die Wüste im Blick und steht doch gleichzeitig mit beiden Beinen fest am Ufer, am Wasser.

Eine Wüste verliert von ihrer Bedrohlichkeit und Lebensfeindlichkeit, wenn es Wege gibt, Wegweiser zur Orientierung, die die Grenzen erkennen lassen. Wasserstellen, die uns Kraft schöpfen lassen, Menschen die helfen.

7 Er verkündet: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.

8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Härter und deutlicher könnte diese Aussage nicht treffen.Johannes bedient sich nicht wohlgefeilter politischer Rede. Er legt sich fest, klar und deutlich, aber zugleich auch voller Demut. Und doch, auch Johannes ist Mensch wie wir, auch er zweifelt und fragt. Darüber hilft auch sein Tun am Jordan – und ist es noch so überzeugt und entschlossen – nicht hinweg.

Später im Kerker des Herodes inhaftiert lässt er mit Hilfe von Freunden bei Jesus nachfragen: Bist du wirklich der, der kommen soll, der Befreier unseres Volkes? Oder sollen wir auf einen anderen warten? Und Jesus lässt ihm antworten:

Sagt dem Johannes: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

So steht es bei Matthäus im elften Kapitel. (11, 4-5.) Jesus greift damit auf die messianischen Prophezeiungen des Jesaja auf, die Johannes wohl bekannt sind und deutet damit gleichzeitig an, dass das Erbarmen Gottes das von Johannes erwartete Gericht Gottes gleichsam überholt hat. Wie mag das auf Johannes gewirkt haben?

Der Zweifel ist nicht schlimm, denn er fordert zur Nachfrage, zur Anklage ja auch zum Streit, zur Arbeit am Glauben. Und wie immer im Leben gibt es nicht die einfachen immer gültigen Lösungen, die uns einfach zufallen. Und vieles bleibt uns unverständlich, wie dem Johannes wohl auch.

Die harten und gnadenlosen Worte des Johannes legen unsere Sehnsucht frei nach der Erfüllung der Verheißung, des göttlichen Versprechens, das uns gilt und an uns zur Geltung kommen soll, an uns zur Geltung kommt durch Jesus. Immer noch!

Seit wir aus unserer Taufe aus Wasser und Geist als geliebte Kinder Gottes "neu geboren wurden", gilt uns das ganz persönlich. Mit unserer Taufe hat sich auch der Anspruch des Johannes, die Wege zu Gott zu ebnen, nicht erledigt. Er gilt immer noch! – Auch heute.

Aber mit Jesus dürfen wir mehr als den hoffnungslosen Gotteszorn, das göttliche Gericht, erwarten. Wir haben mehr als die glühenden Augen des Johannes. Wir wissen um Ostern und Auferstehung. Wir haben Christus, der uns gnädig anschaut. Unsere Taufe hat alles, was nicht wir sind, abgewaschen, so wie Michelangelo alles abgeschlagen hat vom Marmorblock, das nicht David war. Unsere Taufe kann uns herausreißen aus Selbstmitleid, Angst und Jammern. Wir sind keine makellosen Meisterwerke wie Michelangelos David, glatt und perfekt.

Wir sind mehr. Wir sind angeschaut und geliebt und mit Namen bekannt.

Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

heißt es in einem bekannten Kirchenlied von Johann Jakob Rambach aus dem Jahr 1735.

Dass wir uns auf uns selbst besinnen, auf unser Gewissen hören und uns nicht täuschen und vereinnahmen lassen von den Mauern, die wir selbst und auch andere immer wieder um uns zu errichten versuchen.

Dass wir versuchen hinter diese Schleier zu sehen im Bewusstsein unserer Taufe und versuchen – auch wenn es oft nicht gelingen mag – unser Handeln danach auszurichten, trotz aller Zweifel, das wünsche ich uns von Herzen.

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unseren Wegen.

Amen