Im Garten

Im Garten bei den Toten such ich dich
vor dem ersten Morgenlicht –
Erstorbene Hoffnung, verlorener Traum …
Deinen Blick erahn ich kaum
und sanft streift mich dein Wort: Warum weinst du?
Ich, Maria aus Magdala, bin noch nicht bereit,
durch meinen Schmerz hindurchzugehn,
Jesus, dich ganz neu zu sehn.
Dann nennst du zärtlich meinen Namen.
Der Erde Dunkel reißt jäh auf,
im hellen Glanz der Sonne Lauf.
Jetzt weiß ich, dass du, Jesus, lebst.
Du sendest mich zu denen,
die deine Botschaft ersehnen.
Auf dein Wort hin will ich bezeugen,
dass ich den Herrn gesehen hab,
im ersten Morgenlicht beim leeren Grab.
Wir suchen dich, Herr, oft vergebens
im dunklen Garten unseres Lebens,
doch du kennst uns, nennst uns beim Namen.
Du schützt, was uns lebendig macht,
brichst auf, was in uns dunkel ist,
und stärkst, was in uns wachsen will.
Du sendest uns in die verletzte Welt.
Auf dein Wort hin, du großer Gott,
wollen furchtlos wir bezeugen:
Liebe ist stärker als der Tod,
stark wie die Tragkraft unserer Flügel
unter dem hohen Sternenzelt.
Christine Lorenz