Herkunft und Entstehung des Fronleichnamsfestes

Fastenvortrag mit Pastor Dr. Jürgen Kämpf aus der Rhön
Die katholische Pfarrgemeinde „Verklärung Christi“ in Naila hatte zu einem Fastenvortrag mit Pastor Dr. Jürgen Kämpf in ihren Pfarrsaal eingeladen. Der beliebte Referent, der schon öfters mit seinen hervorragenden Vortragen seine Zuhörer erfreute, eröffnete den Reigen der Fastenvorträge mit dem Thema: „Herkunft und Entstehung des Fronleichnamsfestes.“
Wie oft werden Dinge aus reiner Gewohnheit getan. Aus der Gewohnheit kann sich sehr schnell Gewöhnlichkeit entwickeln, sodass das Besondere bzw. das Eigentliche nicht mehr wahrgenommen wird. Gerade im kirchlichen Kontext gibt so viel Gewohntes, von dem nicht mehr klar zu sein scheint, warum es getan bzw. gefeiert wird, wie auch das katholischte Fest überhaupt, nämlich Fronleichnam. Die Entstehung des Fronleichnamsfestes sei nicht ohne die vorhergehenden zwei Abendmahlsstreite im 9. und 10. Jahrhundert zu verstehen, betonte der Redner. Während der Reformationszeit sollte es zu einem dritten Abendmahlsstreit kommen. Die Frage, um die gerungen wurde war: Wie ist die Eucharistie zu verstehen? Ist sie nur ein Zeichen, ein Symbol ohne Wirkung, oder ist sie real, also wirklich zu verstehen. Nach langen Überlegungen und heftigen Auseinandersetzungen fand man zu einer Lösung, die man Realsymbolismus nennt. Im Symbol des Brotes findet sich die Wirklichkeit der Gegenwart Jesu; dass äußere des Brotes behält sein Aussehen, doch das Wesen des Brotes, ist, nachdem die Worte Jesu "Das ist meine Leib" hinzukommen, nicht mehr Brotsein, sondern das Brot enthält nun das Wesen Jesu in der Gestalt des Brotes. Diese Überlegungen mündeten ein in den Begriff, den das IV. Laterankonzil im Jahr 1015 als Transsubstantiation prägte. Also gleichsam eine "Übersubstanz", die das Brot in sich trägt. In dieser Zeit erhielt eine Augustinernonne, Juliane von Lüttich (+1258) Visionen, die sie mit dem Erzdiakon von Lüttich, dem späteren Papst Urban IV., besprach. In dieser Vision sah sie den Mond, in dem eine kleine Stelle dunkel war. Jesus sprach zu ihr, dass die Kirche viele Feste feiere, jedoch kein eigenes zur Verehrung der Eucharistie. Am Gründonnerstag werde nur der Fußwaschung gedacht, sodass es ein eigenes Fest zu Ehren der Eucharistie geben solle, damit der Mond, also der Festkreis, geschlossen sei. Der spätere Papst Urban IV. vergaß Juliane nicht. Sie gab u. a. den Anlass, dass er 1264 das Fest des Herren Leibes, also Fronleichnam für die gesamte Kirche verbindlich zu feiern einführte. Sein früher Tod, noch im Jahr der Einsetzung, führte dazu, dass das Fronleichnamsfest nicht sofort auf der ganzen Welt gefeiert wurde. Erst mit dem Konzil von Vienne in den Jahren 1311/12 kam es zur Bestätigung der Einsetzung des Festes, sodass es nun auf der ganzen Welt gefeiert wurde. In Deutschland wurde es zuerst in Münster gefeiert. Die Prozessionen setzten etwas später ein und nahmen besonders in der Reformationszeit einen besonderen Stellenwert ein. Hier im dritten Abendmahlsstreit sollte katholischer Seite aus deutlich gemacht werden, dass in der Eucharistie Jesus bleibend gegenwärtig ist. So zog man mit dem Allerheiligsten im Zeigegefäß, in der Monstranz durch die Straßen der Dörfer und Städte und segnete diese. Die Gewohnheit der Eucharistiefeier wurde so aus der Gewöhnlichkeit herausgeholt und ihre Bedeutung neu vor Augen geführt. Es darf gefragt werden, ob wir uns heute nicht wieder in einem „Abendmahlsstreit" befinden, da die Bedeutung der Eucharistie kaum mehr verstanden wird. Die Katechese über das, was die Eucharistie bedeutet, scheint heute dringender denn je. Nach diesen präzisen und gut verständlichen Ausführungen schloss sich eine Diskussionsrunde an. Am Schluss bedankte sich Dekan Andreas Seliger beim Referenten im Namen aller Teilnehmer für diesen wertvollen Nachmittag.