„Gleicht euch nicht dieser Welt an!“

1) Wer kennt sie nicht, die Milchschokolade mit einer extra Portion Milch. Wir wissen und haben es langst gewusst, das ist eine Mogelpackung, weil der Milchanteil wirklich verschwindend gering ist. Ca. 2012 wurde diese Werbung dann auch eingestellt.
2) Mogelpackungen gibt es genug; Manchmal wollen wir es lange nicht wahrhaben, verschließen die Augen und sind dann bitter enttäuscht, wenn wir uns haben täuschen lassen und uns die Wirklichkeit einholt.
3) Und schon sind wir mitten in der biblischen Lesung. Der Heilige Paulus schreibt und bittet die Gemeinde von Rom darum: „Gleicht euch nicht dieser Welt an!“ Fallen Ihnen Beispiele ein? “Gleicht euch nicht der Welt an!“ Das heisst so viel wie: „Gleicht euch nicht dem Zeitgeist an!“ „Passt euch nicht an, sondern schaut vielmehr auf Euer Profil – was euch als Christen ausmacht!“ Ansonsten seid ihr dann wirklich eine Mogelpackung: „Christ steht drauf, der Inhalt hat eine ganz andere Substanz bzw. Zusammensetzung.“ Was heisst das für uns als Christen im 21. Jahrhundert?
4) Christsein darf nicht nur nach außen fromm aussehen, während das Leben unverändert bleibt. Jesus hat hierfür Petrus als Beispiel ziemlich hart herangenommen. Letzte Woche bekennt er: „Du bist der Messias, der Sohn des Lebendigen Gottes.“ Das hört sich fromm an; das hört sich sehr schön an; das hört sich sehr theologisch an. Aber wem helfen solche geschliffenen Bekenntnisse? Was steckt wirklich dahinter? Jesus weist ihn zurecht und zurück: „Geh hinter mich, du Satan, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Wie hat sich Petrus wohl nach diesen Worten gefühlt? Würden wir uns das sagen lassen?
5) Paulus schreibt ähnlich: „Gleicht euch nicht dieser Welt an!“ Entscheidend ist doch, ob der Mensch sich von Jesus verändern lässt, ob er das Prägemal der Taufe lebt und den Willen und die Absicht hat, diese Taufgnade weiter zur Entfaltung zu bringen. Später schreibt Paulus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“ Entscheidend ist nicht das Christusbekenntnis, sondern dass Christus mein Leben prägt, dass er mich mit seiner Liebe, mit seiner Gnade so ergreift, dass ich selbst Christusträger bin und werde: „Was ihr einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan!“
6) Wir wollen als Christen und als Kirche keine Mogelpackung sein. Die Kirche St. Konrad wird zur Zeit neu gestrichen. Nach vielen Jahren war ein neuer Anstrich nötig, da der Abriss des Klosters und der alten Kita/Pfarrheim einige Spuren hinterlassen hat. Aber ein neuer Anstrich macht noch kein neues Haus. Das wissen wir. Wenn innen die Wände feucht sind, bleibt die Feuchtigkeit. Wenn das Fundament Risse hat, verschwinden die Risse nicht durch Farbe. Und wenn es innen schimmelt, hilft es wenig, außen eine schöne Fassade zu haben. Möge uns der neue Anstrich ein Ansporn sein, keine Mogelpackung zu sein. Was außen glänzt, soll auch im Innern zur Geltung kommen – in der Liturgie, in der Diakonie und in der Verkündigung. „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist!“ Viele heilige Frauen und Männer haben sich diesem Anspruch gestellt; ich lege Ihne die Kirchenpatrone unserer Zeit -ob katholisch oder evangelisch – besonders ans Herz, denn sie haben Profil gezeigt; wer profiliert ist, eckt hier und da mal an; macht sich nicht immer beliebt -bis heute, nach dem Willen Gottes zu fragen und seinem Gewissen zu folgen.
7) „Was gut und vollkommen ist!“ Worte aus dem Kolosserbrief können so eine Art Hausregel zu – für unsere christliche Gemeinde, aber auch jede Hauskirche in der Familie, in unseren Partnerschaften. Der Heilige Paulus schreibt dementsprechend: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!“