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Gedenken an die Gefallenen des 4. März 1919 in Böhmen und Mähren

Gedanken an die Gefallenen
Datum:
Veröffentlicht: 6.3.24
Von:
Bernhard Kuhn

Kranzniederlegungen an den Mahnmälern "der Toten der Heimat" in Bad Steben und Schwarzenbach mit zentraler Gedenkfeier.

Wie alljährlich gedachte die Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kreisgruppe Hof der 54 Opfer, die am 4. März 1919 bei einer friedlichen Demonstration für das Selbstbestimmungsrecht der deutschen Volksgruppe in Böhmen und Mähren vom tschechischen Militär niedergeschossen wurden. Aus diesem Anlass finden Kranzniederlegungen an den Mahnmälern „der Toten Heimat“ in Schwarzenbach und Bad Steben statt. Eine zentrale Gedenkfeier für beide Orte war in Bad Steben. 

Kreisobmann Adalbert Schiller begrüße alle Gottesdienstbesucher und Landsleute, insbesondere den Zelebranten Pfarrvikar Sebastian Schiller, und die SL-Bezirksobfrau von Oberfranken und stellvertretende Landesvorsitzende, Margaretha Michel, die eigens aus Pegnitz angereist war, und Bannerträgein Eva Maria Herrmann.

Der Gedenkgottesdienst wurde musikalisch vom katholischen Kirchenchor mit Ellen von Kieseritzky an der Orgel umrahmt. Die Musikstücke waren dezent auf die Dramaturgie des Tages abgestimmt. 

Die Gedenkrede an den 4.März 1919 hielt Bezirksobfrau Margaretha Michel. Vor einigen Jahren wies ein australischer Historiker daraufhin, Europa sei gleichsam mit einem Schlafwagen 1914 in den Krieg gerauscht. Bald war bekannt, die Mittelmächte waren nicht in der Lage den Krieg zu gewinnen. Aber man spielte lieber einen Stellungskrieg. Millionen Menschen starben im Feld und noch mehr durch die ausgebrochene Spanische Grippe. Und für die erkrankten Menschen gab es zuletzt nur noch den Rübenwinter. Ohne Brot und andere feste Nahrung usw. waren die Menschen zu sehr geschwächt. Bei den Friedensschlüssen in Paris von 1919 wurde über die Köpfe der Beteiligten entschieden, so wurden Österreich-Ungarn und die Türkei zerlegt, mit Folgen unter denen wir heute noch leiden. Auch der Westteil der Ukraine – damals als Galizien bezeichnet – gehörte bis 1919 zum damaligen Österreich. Der amerikanische Präsident sprach weitab von den betroffenen Orten vom Selbstbestimmungsrecht der Völker. Das galt aber nur für die Sieger, und u.a. gehörten die Deutschen zu den Verlierern. Mit der neu gegründeten tschechischen Republik schuf man wieder einen Vielvölkerstaat, ohne die Minderheiten wie Deutsche, Ungarn, Ruthenen usw. richtig einzubinden. Deshalb rief der Führer der deutschen Sozialdemokraten zu Demonstrationen für das Selbstbestimmungsrecht auf. In Kaaden war am 4. März 1919, einen Faschingsdienstag, der ganze riesige Marktplatz von einer Menschenmenge bevölkert. Dieser Menschenmenge stand eine kleine Einheit von Tschechen gegenüber, jung, unerfahren und unsicher. Es fielen Schüsse und es starben Menschen. Es wurden Kleinkinder getroffen, Heranwachsende, Frauen und alte Männer. Meist waren es Querschläger, die das Unglück anrichteten.

Die Deutschen, etwa ab dieser Zeit als Sudetendeutsche bezeichnet, mussten im neuen Staat lebe. Sie fühlten sich durch die neue tschechische Politik zurückgesetzt. Gerade ihre Industrien hatten im jetzt so klein geworden Land Absatzschwierigkeiten. Unkluge Diskriminierungen, ein deutscher Rundfunk wurde erst 1937 gegründet, und der wachsende Einfluss vom Deutschen Reich führten zur Katastrophe. Einmarsch in das Sudetenland durch Hitler, Besetzung der sogenannten Resttschechei Und schließlich die wilde Vertreibung nach Kriegsende 1945 und im Jahre 1946 die sogenannte Aussiedlung in angeblich geordneten Bahnen.

Möge mehr als 100 Jahre nach 1919 und 78 Jahre nach Kriegsende die Bitternis und der Schmerz aus den Herzen verschwinden. Gleichzeitig ist es notwendig, dass noch bestehendes Unrecht in wissenschaftlichen Diskursen aufgearbeitet wird. Besonders religiöse Menschen fühlten sich in der neugegründeten Tschechischen Republik unzufrieden. Der neue Staat betrieb eine liberale Politik und wollte die katholische Kirche schwächen u.a. dadurch, dass die tschechische Nationalkirche gefördert wurde. In der katholischen Kirche von Vetla hatten sie 1919 sogar einen Maskenball abgehalten.

In dem Sinne gedenken wir an alle Menschen, die zum Opfer geworden sind und gelitten haben und hoffen auf einen künftigen Frieden schloss die kompetente Bezirksobfrau ihre ergreifende, zu Herzen gehende Rede.

Am Schluss des Gottesdienste zog man unter den bereits genannten Orgelklängen zum Mahnmal „der Toten der Heimat“ Dort legten Kreisobmann Adalbert Schiller, Bezirksobfrau Margaretha Michel zusammen mit den SL-Vorständen einen Kranz nieder. Anschließend fuhr man nach Schwarzenbach und legte auch dort ein Blumengebinde nieder. Pfarrsekretär Bernhard Kuhn sprach an beiden Gedenkstätten ein Gebet für die Toten des 4. März sowie für alle Kriegsopfer.

Gedanken an die Gefallenen
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