Gedanken zum Advent

Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. ( Lk 21,28 )
Meine lieben Mitchristen,
in der Unruhe unserer Zeit ist es besonders wichtig, Zeit und Orte der Stille und Besinnung zu finden, um sich auf den eigentlichen Sinn des Advents zu konzentrieren. Die vorweihnachtliche Zeit wird leider vermarktet und bietet wenig Raum für Stille. Schon jetzt hört man "Stille Nacht", oder " O du fröhliche" aus allen Lautsprechern am Weihnachtsmarkt.
Dabei bedeutet die Adventszeit für uns Christen etwas ganz anderes: Es ist die Zeit der Erwartung, die Zeit des Sich-neu-Ausrichtens auf Gott, der uns entgegenkommt. Der Advent umfasst ein dreifaches Kommen Gottes:
Das Warten Israels auf die Ankunft des Messias,
das Warten der Christen auf die Wiederkunft Christi und
das tägliche Kommen Gottes in unser Leben.
Das mit dem ersten Adventssonntag beginnende neue Kirchenjahr will in uns die Haltung der wachsenden Erwartung wieder neu wecken. Das violette Messgewand und der Verzicht auf das Gloria in der Messfeier verdeutlichen etwas vom Bußcharakter dieser Zeit, der aber die erwartungsvolle Freude auf das Kommende nicht verdrängt. Advent heißt Ankunft. Advent heißt anfangen mit der Erwartung.
Es beginnt ein neues Kirchenjahr. Wir müssen neu anfangen und dürfen nie zu Ende kommen, hat P. Josef aus Berlin- St. Ludwig noch vor zwei Woche in einer Advents-Videobotschaft formuliert. Der Ruhestandsgeistliche, den ich sehr geschätzt habe, ist in diesen Tagen verstorben.- „Anfangen und ankommen, das sind die beiden Zauberworte des Advents“, sagte P. Josef. Die Adventszeit läuft auf Weihnachten zu auf das große Geheimnis der Menschwerdung. Wir leben in Erwartung. Unser Leben ist nicht wie eine Dauerschleife, dass wir uns ständig wiederholen. Wir leben in Erwartung. Wir wissen nicht genau, wann und wie uns Gott begegnen wird. Aber er wird uns begegnen! das ist Zukunft! Wir erwarten die Menschwerdung immer wieder neu. Vor 2000 Jahren ist Gott Menschgeworden, aber er will es immer wieder in unseren Herzen werden. Zum Advent gehören anfangen, ankommen und Erwartungen haben. "Ich werde erwartet", das ist etwas Besonderes, wenn das ein Mensch in seinem Leben sagt. Das heißt er freut sich, denn es kommt etwas Gutes auf ihn zu. Als der Philosoph Ernst Bloch anlässlich seines 90. Geburtstages von einem Reporter gefragt wurde. was er über das Leben jenseits der Schwelle des Todes denke, hat er geantwortet: „ Ich werde erwartet!“ Das meine Freunde ist eine wunderbare Antwort christlichen Glaubens. „Ich werde erwartet“. Gott wartet auf mich. Meine lieben Freunde, Gott erwartet uns alle, und er will gerade in dieser Zeit des Advents neu bei uns ankommen. Deshalb sind wir jetzt besonders gefragt, ob wir auch bei ihm ankommen wollen, ob wir uns für die Begegnung mit ihm bereiten wollen ? Wenn das so wäre, dann können wir freudig, hoffnungsvoll und zuversichtlich in das schöne Adventslied mit einstimmen:
Komm, o mein Heiland Jesu Christ,meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr. Ich wünsche uns allen eine gesegnete Adventszeit.
Euer / Ihr
Bernhard Kuhn
ehrenamtlicher Mitarbeiter im SSB Hofer Land