Fürchte dich nicht, du kleine Herde!

Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Es sind sehr tröstende Worte, die einfach gut tun. Sie erinnern z. B. an das Wort des Propheten Jesaja: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.“
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Gerichtet sind diese Worte an die lukanische Gemeinde vor 2000 Jahren, die sozusagen klein, aber fein und gut betucht war. Sie benötigt Ermutigung und Orientierung in der Nachfolge Jesu, mit ihm in Beziehung zu bleiben.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Persönlich denke ich gerade an die Zeit im Priesterseminar in Bamberg und Würzburg: Große Häuser, die vor 30 oder 40 Jahren noch gut mit jungen Leuten frequentiert waren, die Priester werden wollten. Und jetzt: eine kleine Schar, die sich nach Außen und Innen hin oft rechtfertigen muss. Ein Vorzeichen, was auf unsere Gemeinden noch zukommt?
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Wir haben es schwarz auf weiss: die Anzahl der Christen nimmt insgesamt in Deutschland ab, und auch der Einfluss auf die Gesellschaft ist rückläufig. Die Coronapandemie ist ein Prozessbeschleuniger, was in einigen Jahren sowieso gekommen wäre: Der Gemeindekern schrumpft, und ebenso die Engagierten werden weniger, während die zu leistenden Aufgaben in Pastoral und Verwaltung verbunden mit Erwartungen eines Dienstleisters geblieben sind. Auf der anderen Seite fackelt man heute nicht lange und spricht von der Kirche als Täterorganisation: „Wenn es jemanden nicht passt, tritt er einfach aus der Kirche aus.“
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
„In der Kirche brennt noch Licht“, habe ich im Frühjahr kürzlich jemanden sagen hören. „Das ist immer für mich beruhigend“, fügte er hinzu, obwohl er dann gleich hinzufügte, dass er schon lange nicht mehr in die Kirche geht. Das brennende Licht ist wohl ein Zeichen, dass in diesen Kirchenmauern Leben ist und etwas Besonderes, etwas „Heiliges geschieht, ob ein Gottesdienst oder die Vorbereitung eines solchen.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
„Euere Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen“, so heisst es im Evangelium weiter. Also – keine Rede von Resignation oder der Suche nach einem Sündenbock. Der Blick geht nach vor - auf Zukunft hin: anpacken und wachen, ora et labora – nicht nachlassen, am Reich Gottes, das mit Jesus angebrochen ist, mit- und weiterzubauen – jeder auf seine Weise. Unser alltägliches Tun ist nicht perfekt; es ist bruchstückhaft und endlich und begrenzt, und oft bleibt es sogar unvollendet. Maßstabe allen Handelns ist das Wort des heutigen Evangeliums: „Verschafft euch einen Schatz im Himmel. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“
Fürchtet dich nicht, du kleine Herde!