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Fronleichnam 2024

Fronleichnam 2024
Datum:
Veröffentlicht: 30.5.24
Von:
Stefan Fleischmann

„Jeder ist seiner selbst so voll;
Übergewicht des Sichwichtignehmens.
Selbstgesättigkeit der Seele“

Diese Worte von Andreas Knapp – der Anfang eines Gedichtes – stoßen vor den Kopf.

Ist die Selbstverliebtheit und Selbstgenügsamkeit,
des Sichwichtignehmens und der Selbstgesättigkeit ein Ausdruck unserer Zeit? Eine Schlagzeile der vergangenen Woche: „Die Leute haben aktuell keinen Bock die Welt zu retten.“ Was heisst das? Dass jeder auf sich schaut, und wo er bleibt – gerade in schwierigen Zeiten? Doch genügt das? Ist die Gegenwart wichtiger als die Zukunft? Macht das wirklich zufrieden oder gibt es im Menschen eine Ursehnsucht nach Mehr?

„Jeder ist seiner selbst so voll;
Übergewicht des Sichtwichtignehmens.
Selbstgesättigkeit der Seele.
Gott aber kann sich uns nur schenken
im Maße unseres Hungers nach ihm.“

Wir haben die Geschichte von der wundersamen Brotvermehrung gehört. Der Hunger nach Brot, nach Sättigung ist groß; der Hunger nach Leben, nach Gemeinschaft, Frieden und Liebe ist größer. Vielleicht beinhaltet unsere Brotbitte im Vaterunser diese Vielschichtigkeit unseres Hungers, aber auch unsere eigene Bedürftigkeit: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ Ich bin mir sicher, dass eine Pfarrei, unser Seelsorgebereich Hofer Land mit den vielfältigen Angeboten noch heute ein guter Lern- und Erfahrungsort ist, diesem wahren Hunger nachzuspüren!

Das heutige Evangelium erzählt: Die Menschen setzen sich in Gruppen – ungefähr 50 Leute. Es ist menschlich und ein Ausdruck unserer Angst vor dem Fremden und Neuen: „Wer gehört dazu, und wer nicht? Wer ist drinnen und wer ist draußen?“ Das ist sicher hier nicht ausgeblieben, Grenzen zu ziehen. Und wir kennen das ja auch aus eigener Erfahrung. „Schick die Menschen weg“, sagen die Jünger anfangs zu Jesus. Aber irgendwie findet jeder in diesem großen Ganzen seinen Platz in der Gruppe. Das ist wichtig! Wir atmen auf. Katholisch-sein heisst „weltoffen“ und „weltumspannend“! Denn wer möchte nicht irgendwo dazu gehören, gesehen und angenommen werden!?

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ Jesus hat gut reden: Die Jünger haben nur fünf Brot und zwei Fische. Das reicht nicht. Wir können gut mit den Jüngern einstimmen: Es reicht nicht (mehr), um den Erwartungen der Menschen und der eigenen Ansprüche gerecht zu werden: Budget und Personal, Zahl der Katholiken und Gottesdienstbesucher, u. v. m. Mit den Jüngern stehen wir betroffen und hilfsbedürftig da – alle miteinander. Was folgt jetzt? Was wird nun? In und auf Jesus konzentriert sich jetzt das ganze Geschehen. Zu Jesus fühlen sich die Menschen hingezogen, als er den Segen über das Mitgebrachte und Vorhandene, Brot und Fisch, spricht.

In der Konzentration – zusammen zum Mittelpunkt - geschieht Kommunion. Das gebrochene Brot und der Fisch werden zum Symbol der eigenen Bedürftigkeit und Endlichkeit. Das gemeinsam verzehrte Brot und der Fisch stiften eine innere Verbundenheit und Anteilnahme. An Fronleichnam sagen wir: Wir werden ineinander verwandelt; wir werden Leib Christi. Sozusagen: Wir sind, was wir empfangen: Leib Christi. Das hat Konsequenzen: „Kirche ist der Ort, wo einer den anderen trägt und jeder vom andern getragen wird.“ Es ist so wertvoll, in und für die Kirche tätig zu sein. Vergelt`s Gott für Ihre Dienste!

So dass alle satt werden und dazu noch 12 Körbe voll. Die Geschichte endet hier. Es liegt an uns, was wir daraus machen, gestalten und entwickeln! Die Menschen werden sich auf wieder auf den Weg gemacht haben- gestärkt, getröstet und befreit. Die Menschen gehen los und verteilen das Übriggebliebene an die Daheimgebliebenen: Bedürftigen, Kranken und Armen. Eine schöne Vorstellung! Und sie erzählen von den großen Taten Gottes im Ereignis der wundersamen Brotvermehrung.

„Jeder ist seiner selbst so voll;
Übergewicht des Sichtwichtignehmens.
Selbstgesättigkeit der Seele.
Gott aber kann sich uns nur schenken
im Maße unseres Hungers nach ihm.
Gib dem Ehrgeiz keine Nahrung mehr,
bläh das Selbstbild nicht mehr auf,
dann lockert die Allsucht den Giergriff.
Mach dich also dünn, damit Weite wächst
in der alles zufällt leicht wie ein Geschenk.“

Uns treibt es heute normalerweise auch hinaus – in die Weite, um das große Ganze zu sehen, zu spüren, zu erleben. Oder: Damit Weite wächst – gehen wir hinaus! Das „Gehet hin in Frieden“ findet seinen Weg in die Zeit und unsere Gesellschaft, weil Jesus Christus beständig in unserer Welt und in seiner Schöpfung gegenwärtig ist und bleibt. Wir zeigen, was uns wichtig ist: Der Glaube an Jesus Christus ohne Angst, etwas Liebgewonnenes aufzugeben, abzugeben, zu verlieren. Die Leichtigkeit besteht darin, dass wir immer vertrauen dürfen, dass in der Weite von Freiheit und Hingabe, im Schenken und Beschenkt-werden, etwas wächst, sich etwas Gutes entwickelt, dass sein guter Heiliger Geist immer mit im Spiel ist, in der alles Weitere zufällt leicht wie ein Geschenk: Gnade. Das heute Evangelium von der Brotvermehrung interpretiert – wie ich meine - die Worte Jesu sehr gut. „Ich will, dass sie das Leben haben, und es in Fülle haben.“ Im Gedicht von Andreas Knapp stehen diese Worte Jesu im Kontext von Weite, Leichtigkeit, Geschenk. Amen.