„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“
Liebe Schwestern und Brüder,
sicher haben Sie diesen Spruch schon einmal gehört. „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“ Im Spruchkalender des heutigen Tages steht der Jugendseelsorger Johannes Bosco, der im 19. Jahrhundert – eher in einfachen Verhältnissen – aufgewachsen und gelebt hat, –und zwar in Turin. Seine Pädagogik in der Kinder- und Jugendarbeit hat mich sehr geprägt, als ich mich in 90er Jahren für russlanddeutsche Aussiedler in der Jugendarbeit ehrenamtlich engagiert habe. Völlig entwurzelt, dort in Kasachstan die Deutschen und hier in Deutschland die Russen, hatten sie große Schwierigkeiten, überhaupt in irgendeiner Weise Fuß zu fassen und aufgenommen zu werden. Meine Heimatgemeinde tat sich damals schwer, die Notwendigkeit einer solchen Jugendarbeit zu akzeptieren und zu fördern.
„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“
Don Bosco hatte mit Jugendlichen in der Zeit der Industrialisierung und hohen Arbeitslosigkeit zu tun, die eher am Rand der Gesellschaft standen. Er schreibt in einem Brief an seine Mitbrüder. „Ich habe immer in Liebe für die Jugendlichen gearbeitet, mich um sie bemüht, nicht allein, sondern die ganze Gemeinschaft. Wie oft musste ich mich in meinem langen Leben durchringen zu der großen Wahrheit: Leichter ist es zornig zu werden, als zu ertragen; einem Knaben zu drohen, statt ihm eindringlich zuzureden. Es ist bequemer für unsere Ungeduld und unseren Hochmut, die Fehlenden zu strafen, als sie fest und freundlich zu ertragen und so zu bessern.“
„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“
Sein Glaube an Gott und die stützende Gemeinschaft haben ihm sicherlich geholfen, in einer solchen Haltung den ihm anvertrauen jungen Menschen zu begegnen und ihnen so nahe zu sein. Fröhlich und zufrieden sein, Gutes tun, um so zum Segen für die Menschen werden und ein wenig Gelassenheit und Vertrauen an den Tag legen sind sicherlich Eigenschaften, die unser Mensch- und Christsein ausmachen. Auf diese Weise werden wir zu Hoffnungsträgern und schaffen Hoffnungsorte, an dem Geborgenheit, Vertrauen, Anerkennung und ein friedvoller Umgang spürbar werden. Letztlich soll jeder Dienst in der christlichen Gemeinde – ob als Ehren-und Hauptamtliche - immer auf den Größeren hinweisen, der uns zu allererst dient mit seiner Liebe und Gegenwart, seinem Wort und Sakrament zur Ermutigung und Stärkung, zur Erneuerung und Orientierung: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie euere guten Taten sehen und den Vater im Himmel preisen.“
„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“
Es ist das Lebensmotto von Johannes Bosco, dem es wichtig war, dass das Leben der Menschen gelingt und in die Freude findet. Wer wünscht sich das nicht? So wurde er selbst zum Hoffnungsträger. Zum Schluss eine Geschichte, die ich sehr gerne habe. Don Bosco fragt ein Kind: „Wie heisst du?“ Das Kind ganz schüchtern: „Bartolomeo Garelli“. „Kannst du lesen?“ „Kannst du schreiben?“ Beides muss das Kind traurig verneinen. „Kannst Du pfeifen?“ Da schaut das Kind Don Bosco mit leuchtenden Augen an: „Pfeifen kann ich!“ Diese Geschichte macht deutlich: „Mensch, du kannst etwas. In dich hat der liebende Gott etwas ganz Besonderes gelegt, das zur Entfaltung kommen soll.“ Christliche Gemeinden, Verbände und Gruppen sind eure noch wertvolle Hoffnungs- und Erfahrungsorte, die je eigene Berufung und die damit verbundenen Charismen zu entdecken , zu leben und sich gut begleitet und in einer Gemeinschaft aufgehoben zu wissen – zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen. Amen.