Freundschaft will gepflegt werden
Was wäre ein Leben ohne Freundinnen und Freunde? Es wäre einsam und traurig. Jede und jeder von uns weiß, wie unverzichtbar freundschaftliche Verbindungen sind: Jemand, der für mich da ist, eine, die ich auch nach 23 Uhr noch anrufen darf – und welche Erfahrungen auch immer wir mit Freundschaft verbinden.
Allerdings brauchen Freundschaften auch Pflege: Jemand hat mal formuliert: „Viele Freundschaften zerbrechen nicht, sondern verwelken.“
Jesus bietet uns Menschen immer wieder seine Freundschaft an. Am tiefsten kommt das für mich zum Ausdruck, wenn er im Johannesevangelium sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“
Hier wird die Freundschaft zu Jesus mit dem Wort „bleiben“ verbunden. Nach Ostern haben viele Jüngerinnen und Jünger Jesu die tiefe Freundschaft mit Jesus Christus für sich entdeckt. Daraus ist die Kirche geworden. Aber Jesus hat auch Widerspruch erfahren: Viele sind eben nicht bei ihm geblieben. Es gab Frauen und Männer, für die es unerträglich war, was er zu sagen hatte. So muss er einmal die Apostel fragen: „Wollt auch Ihr gehen?“.
Und wer bleibt bei Jesus bis zuletzt? Seine Mutter und diejenigen halten unter dem Kreuz aus, denen die Freundschaft zu Jesus wirklich bedeutsam ist. Weglaufen ist leicht: ausweichen, sich eine Hintertür offenlassen, fliehen, flüchten, Ausreden suchen, sich aus dem Staub machen. Bleiben ist nicht immer leicht – aber ein Zeichen echter Zuneigung und Freundschaft.
Mich berührt folgende Litanei:
Bleib, weil genau du gebraucht wirst
Bleib, wenn du ehrlich zu mir stehst
Bleib, wenn deine Solidarität mehr ist als ein Schönwetterspruch
Bleib, wenn der Rest der Welt sich aus dem Staub macht
Bleib, auch wenn du fürchtest, den Kürzeren zu ziehen
Bleib, um Zeichen zu sein gegen das schnöde Vergessen
Bleib – und entdecke den Raum der stillen Treue
Ich wünsche uns allen, dass die österlichen Tage unsere Freundschaft mit Jesus neu beleben. Und dass wir immer gute Freundinnen und Freunde haben – und sind.
Holger Fiedler, Pfarrvikar im Seelsorgebereich Hofer Land