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Frauenpredigt 2024

Frauenpredigt
Datum:
Veröffentlicht: 15.7.24
Von:
Bernhard Kuhn

Die Botschaft der Auferstehung wurde von Frauen zu den Aposteln getragen. Daran erinnern die Ostererzählungen aller vier Evangelien. Bereits im vergangenen Jahr hat der Diözesanrat eingeladen, dass am Tag der „Apostolin derApostel“, der hl. Maria Magdalena (22. Juli), die Verkündigung in den Sonntagsgottesdiensten von Frauen gehalten wird. So soll auch in diesem Jahr im gesamten Erzbistum anlässlich des Festes der Maria Magdalena ein „Tag der Frauenpredigt“ stattfinden.

Die Pfarrei "Bernhard Lichtenberg" hat diese Intention in ihr Festprogramm "70 Jahre St. Konrad" mit aufgenommen, und so fand jetzt ein feierlicher Gottesdienst, den Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann zelebrierte mit Frauenpredigt statt. Die musikalische Umrahmung übernahm Januka Gunaratnam an der Orgel mit schwungvollen Liedern wie „Liebster Jesus, wir sind hier", „Ubi caritas et amor", oder „Dass du mich einstimmen lässt in deinem Jubel o Herr deiner Engel und himmlischen Chöre." Pfarrer Stefan Fleischmann sagte in seinem Vorwort: „In der Taufe und Firmung wurden wir beschenkt mit den Gaben des heiligen Geistes. Wir sind seitdem Zeuginnen und Zeugen, die Frohe Botschaft in Tat und Wort zu bezeugen!" Der Leitende Pfarrer freute sich sehr, dass man sich auch in diesem Jahr auf den Weg gemacht hat, die biblischen Schriftlesungen zu betrachten und zu deuten. Der Geistliche merke immer wieder, dass Frauen hierzu nochmals andere Perspektiven einbrächten, das Evangelium auszulegen. Dafür sei er sehr dankbar!

Zum 60. Jubiläum des Zweigvereines Bernhard Lichtenberg hatten sich vier engagierte Damen des Frauenbundes, Silvia Melzner, Anita Wied-Thiersch, Renate Meyer und ihre Vorsitzende Sieglinde Palitza bereit erklärt das Evangelium von der Aussendung der zwölf Jünger ( Mk 6,7-11) auszulegen. In zwei Dialogblöcken tauschten sie sich über die soeben gehörte Frohbotschaft des Sonntags aus. Dabei kamen verschiedene Fragen auf, die die Rednerinnen teilweise mit Antworten im Bezug auf die heutige Zeit deuteten. Eines von mehreren markanten Beispielen war die Stelle wo Jesus den Jüngern den Auftrag gibt während ihres Aufenthaltes an einem Ort in einem Haus zu bleiben . Wäre es nicht erfolgreicher von Haus zu Haus zu gehen, um so viel mehr Menschen zu erreichen?, kam als Frage. Auf den ersten Blick schon, meinte Sieglinde Palitza, aber durch das längerfristige Verweilen in den Gastgeberfamilien entstehe für die Jünger eine Art feste Anlaufstelle, ja sogar Heimat und sie bauen eine echte Verbindung auf. Renate Meyer konnte das bestätigen. Am Beispiel ihrer ukrainische Familie, die sie vor über zwei Jahren bei sich im Haus aufgenommen hatte, habe sie die Familie so gut kennengelernt, dass eine richtig, gute familiäre Bindung entstanden sei. „Hier erkenne ich tatsächlich Parallelen zum Evangelium", sagte die Rednerin. „Was ist, wenn die Jünger bei ihrer „Mission“ nicht erfolgreich sind?“, wollte eine weitere Dame wissen. In diesem Fall fordert sie Jesus sehr drastisch auf, weiterzugehen und sich den Staub von den Füßen zu schütteln „als Zeugnis gegen sie“, war die Antwort. Hier kam ein Einwand um auf die Situation der Frau in der heutigen Kirche hinzuweisen. Notwendige Reformen kämen nicht vorwärts und die Rolle der Frauen hätte sich auch noch nicht zufriedenstellend verbessert, beklagte eine Rednerin. Nach wie vor würden Frauen nicht zu den Weiheämtern zugelassen. „Werden wir von der katholischen Kirche wirklich so wertgeschätzt wie es Jesus eigentlich vorgegeben hat und wie wir es im Hinblick auf unsere Berufungen durch die Taufe, unsere Charismen und Dienste und unseren Glauben an den dreieinigen Gott verdienen? Manchmal frage ich mich, ob wir uns nicht ebenfalls den Staub von den Füßen schütteln und weiterziehen sollten“. "Das wäre meiner Meinung nach eine falsche Entscheidung", meinte die Kollegin. "Wir Christen und Christinnen haben doch alle von Jesu den Auftrag bekommen, seine Botschaft weiterzutragen. Ein Davonlaufen wäre also kontraproduktiv. Damit wir unsere Verpflichtung auf allen Ebenen gut erfüllen können, braucht es allerdings die passenden Rahmenbedingungen durch unsere Kirche. Und hier gibt es noch viel zu tun. Wir müssen einfach weiterkämpfen, damit wir als Frauen und Männer gleichberechtigt agieren können, ganz so, wie Jesus es eigentlich wollte und nicht so, wie die Kirche es später gestaltet hat." Und noch weitere Knackpunkte aus der Zeit Jesu warfen die Rednerinnen auf, die sie versuchten mit heutigen Beispielen zu beantworten.

Am Schluss ihrer Ausführungen ernteten die vier Damen von den Gottesdienstbesuchern Beifall, und Pfarrer Stefan Fleischmann bedankte sich mit einem kleinen Geschenk für die „Frauenpredigt". Nach dem Gottesdienst gab an diesem warmen Sommertag noch eine nette Begegnung im Pfarrgarten bei "Wärschtla" , Getränken und gutem Gedankenaustausch..

Bernhard Kuhn