Feier vom Leiden und Sterben Christi

In allen Kirchen des Seelsorgebereichs „Hofer-Land“ fanden Karfreitagsliturgien statt, so auch in Hof- St. Marien und St. Konrad, in Selbitz „Maria-Hilf“ und in Schwarzenstein „St. Josef“
Feierliche Stille herrschte in St. Marien, als Pfarrvikar Holger Fiedler mit der großen Schar von Ministrantinnen und Ministranten in den vollbesetzten neugotischen Kirchenraum einzog und die traditionelle Prostratio, die Niederwerfung vollzog, die sichtbar macht, dass der Priester sich stellvertretend für die gesamte Gemeinde ganz in die Hände Gottes begibt. Mit Lektoren, Kommunionhelfern Ministranten und der Choralschola, die unter der Leitung von Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer die bekannten Psalmen und Antiphonen aus dem Repertoire des für den Karfreitag vorgesehenen Gregorianischen Chorals sangen, waren rund 35 Laien an der Gestaltung der feierlichen Liturgie beteiligt. Konzentriert folgten die Gläubigen den traditionellen Lesungen, der Passion aus dem Johannesevangelium, den Gesängen und gingen so mit Jesus seinen Leidensweg. In seiner Predigt bedachte Pfarrer Holger Fiedler mit der Gemeinde das Schriftwort: „Es ist vollbracht“. Ein scheinbar kleines Wort, bildet das Gespräch mit Pilatus und die Verhandlung doch den größten Teil der Passionsgeschichte. Auf seinem Weg zum Kreuz erweckt Jesus die Faszination des Pilatus, das Mitleid der Menschen, die dem Prozess folgen und am Weg stehen. Und doch reichen die positiven Empfindungen nicht aus, um dem Druck, dem Hass standzuhalten, die zur Verurteilung Jesu führen. Wir vergegenwärtigen uns das Leiden unseres Herrn und erleben zugleich in unserer Zeit ganz ähnliche Verurteilungsmechanismen. Welche Bedeutung mag da in Jesu Leiden liegen? Die Antwort auf diese Frage liegt eben in jenem kleinen Satz: „Es ist vollbracht.“ Denn er macht deutlich, dass Jesus die Sünden der Menschen aller Zeiten ein für allemal getilgt hat. Diese Erlösungsbotschaft ist das Hoffnungszeichen des Karfreitags, so wie das Kreuz das Zeichen des Sieges über Sünde und Tod ist.
In St. Konrad bezog sich Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann auf den Ausruf Jesu am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Am Karfreitag habe alles Platz im Großen wie im Kleinen: die Kriege und das Leid weltweit und die ganz persönlichen Nöte und das Leiden unserer Mitmenschen, die uns umgeben, sagte der Geistliche. In der Kapelle der Justizvollzugsanstalt Hof hänge ein Kreuz, das ist schon älter und hat einige Schrammen abbekommen: der eine Finger fehlt, der Arm ist angebrochen, das Holz des Kreuzes gespalten. Nicht nur die Gefangenen fänden sich im Anblick des Kreuzes wieder: Ohne Schrammen und Wunden und Verwundungen ist Leben nicht möglich. Und wer kann sich schon im Leben eine tadellose, weiße Weste erhalten? Zusammen mit Maria und den anderen Frauen und Lieblingsjünger stehen wir am Kreuz. Mit IHM halten wir unser Kreuz aus; und halten uns am Kreuz fest. Es ist davon auszugehen, dass Jesus den ganzen Psalm 22 gebetet hat, der nicht in der Verzweiflung bleibt, sondern Vertrauen ist: „Dir haben unsere Völker vertraut, sie haben vertraut, und du hast sie gerettet! Zu dir riefen sie und wurden befreit, dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden!“ (Psalm 22, 5.6) Hat Gott Antwort gegeben? Das Evangelium sagt: Der Ostermorgen ist die Antwort Gottes: „Ich bin da!“
In Selbitz und Schwarzenstein gestaltete Pfarrsekretär Bernhard Kuhn die Karfreitagsliturgie. Dieser Tag sei eine Ermutigung an uns alle mit dem Kreuz unseres Lebens, mit unseren Wunden und Schmerzen zu Christus zu kommen, unser Kreuz und Leid mit seinem zu verbinden. „Gehen wir bei der Kreuzverehrung zu ihm hin, verbinden wir uns doch in dieser Stunde mit dem Schmerzensmann am Kreuz, und flüstern wir ihm zu: Lieber Heiland, ich hab dich lieb. Danke, das du für mich gestorben bist.“
