Endzeitstimmung

Endzeitstimmung.
Die ganze politische Situation weltweit und in unserem Land drückt aufs Gemüt.
Das triste Wetter, der wolkenbehangene, graue Himmel.
Da fehlt gerade noch das heutige Evangelium:
„In jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen;
die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“
Endzeitstimmung
Das pastorale Personal war in dieser Woche zu Gast in der Justizvollzugsanstalt/Hof:
Großes Tor, hohe Betonmauern, vergitterte Fenster, Eingangsbereich mit Kontrollzone, Kleiderkammer und Besucherraum, Lichthof und Turnhalle.
Es knacken die Schlösser und rascheln die Schlüssel: 150 Insassen/Männer.
Endzeitstimmung
Gegen Ende des Kirchenjahres schließt sich wieder der Kreis. Zu Beginn des Advent haben wir Ausschau gehalten nach dem, der ist und der war und der kommen wird: Jesus Christus. Heute liegt der Schwerpunkt auf die „Endzeit“. Beim Lesen des Textes kann es einem schaurig den Rücken hinunterlaufen, andere Evangelisten sprechen gar von Naturkatastrophen, Kriege, Verfolgungen, Tod. Sie blicken bereits auf die völlige Zerstörung des Tempels zurück. Die Katastrophe des Jahres 70 hat auch die Christen massiv erschüttert. Was hat all das zu bedeuten? Wie schaut unsere Zukunft aus? Gibt es Recht und Gerechtigkeit – wenn nicht jetzt, dann zumindest am Ende der Tage?
Endzeitstimmung
Ich feiere abends den Gottesdienst. In Gedanken bin ich noch in der JVA, in den langen Gängen, beim Gespräch mit der Gefängnisleitung, vor Augen die von den Strafgefangenen gestaltete Kapelle zum Thema: „Glaube, Hoffnung, Liebe und Vertrauen“. Die bunten Bilder laden ein, machen nachdenklich – erinnern an Lebensbrüche, Schuld und Versagen, aber auch an Visionen von Frieden und Versöhnung.
Ich bete mit der Gemeinde für die Strafgefangenen und für uns selbst:
„Allmächtiger und barmherziger Gott,
du allein durchschaust die Geheimnisse dieser Welt und die Herzen der Menschen.
Du bekennst dich zu dem, der den rechten Weg geht, und führst den, der schuldig geworden ist, zu dir zurück.
Gedenke aller, die in Haft sind.
Erhelle die Schatten ihres Daseins durch Geduld und Hoffnung und hilf ihnen,
in die menschliche Gesellschaft zurückzufinden.
Bleibe ihren Familien nahe und stärke sie, damit sie nicht zerbrechen, und in Liebe miteinander verbunden bleiben.“
Endzeitstimmung
„Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.“ Es ist der gekreuzigte Herr, der ist und der war und der kommen wird. In der Kapelle der JVA ein Kreuz – kein schönes: Finger abgebrochen und auch die Füße ziemlich demoliert. Das Kreuz ist schon älter und hat schon einige Schrammen. Genau deshalb passt es sehr gut ins Gefängnis und zu den Gefangenen. Die Menschen im Gefängnis haben durch das Leben auch einige Schrammen abbekommen; Vieles ist in ihrem Leben durchkreuzt worden und zerbrochen. Dennoch ist beim Kreuz und bei den Menschen (noch) das Wesentliche vorhanden. Gerade der am Kreuz gebrochene Jesus ist den gefallenen und gebrochenen Menschen nahe. Jesus sagt und ermutigt die Jünger damals und uns heute: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!“