Einführende Woche zur Karwoche 2025

Die Atmosphäre des heutigen Gottesdienstes liegt in einer gewissen Spannung zwischen „Hosianna“ und „ans Kreuz mit ihm“. Dieser Spannungsbogen fordert uns noch heute zum persönlichen Zeugnis: Auf welcher Seite stehst du eigentlich? Und: Wo bist du Mitläufer?
Wir treten ein in die Karwoche. Was haben diese Tage mit dem Menschen im 21. Jahrhundert zu tun? Ganz menschlich gesehen, sehr viel.
• Auf einem Fohlen geritten verkörpert Jesus die Sehnsucht des Menschen nach Frieden, nach Heil und Gerechtigkeit.
• Vor seinem Leiden teilt Jesus mit seinen Jüngern Brot und Wein als Zeichen seiner Lebens- und Liebeshingabe mit der Einladung, das Leben liebevoll miteinander zu teilen (das meint das Wort „Agape“)
• während am Karfreitag die ganze Ohnmacht und Gottverlassenheit des Menschen zum Ausdruck kommt. Wer kennt nicht solche krisenhaften Lebenssituationen? Hiermit verbunden ist sicherlich auch das vollkommene Scheitern eines Menschen, der mit seinem Leben die Spirale von Gewalt und Macht, Hass und Rache, durchbrechen wollte und letztlich am Kreuz landet. So steht Jesus für viele Menschen, die ihm seit 2000 Jahren in dieser Haltung nachgefolgt sind.
• Aber dabei bleibt es nicht. Im Ende setzt Gott einen neuen Anfang, und das feiern Christen an Ostern. Leid, Not und Tod haben nicht das letzte Wort. Wenn wir uns in der Welt so umschauen: Gott sei Dank!
• Gott hat seinen Sohn nicht der Hölle am Karsamstag überlassen. Dietrich Bonhoefer hat einmal gesagt: „Die Nacht ist noch nicht vorüber, aber es tagt schon!“ Gott will das Leben – mit ihm und bei ihm für immer und ewig. Und wer das nicht will, steht irgendwann einmal auf der Verliererseite! „Der auferstandene Christus trägt die neue Menschheit in sich, das letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen. Zwar lebt die Menschheit noch im Alten, aber sie ist schon über das Alte hinaus. Zwar lebt sie noch in einer Welt des Todes, aber sie ist schon über den Tod hinaus. Zwar lebt sie noch in eine Welt der Sünde, aber sie ist schon über die Sünde hinaus. Die Nacht ist noch nicht vorüber, aber es tagt schon.“
Die Kar- und Ostertage im Frühling laden dazu ein, das Leben und die Liebe zu feiern, die stärker ist als alles, was uns umgibt und gefangen hält, weil Gott sagt: „Ich will, dass du bist und lebst und liebst!“
Herzliche Einladung den Weg Jesu mitzugehen, der auch der unsre ist.
Quelle: Dietrich Bonhoeffer: Ethik. München: Kaiser Verlag. 6. Auflage 1963, 22.