Ein Pfarrer mit Leib und Seele

Vortrag über + Geistlichen Rat Pfarrer Rudolf Unger
EGR Pfarrer Rudolf Unger ist am 5. Dezember 1992 gestorben. Sein Nachfolger, Dekan Andreas Seliger, nahm dies zum Anlass anlässlich des 30.Todestages eines Pfarrers zu gedenken, den wohl sehr viele im Erzbistum Bamberg kannten.
Nachdem der Dekan schon im Gebet beim Gottesdienst seines Vorgängers gedachte, lud er anschließend die Gottesdienstbesucher ins Feuerwehrhaus ein, wo stellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender Matthias Herrmann bereits Kaffee und Kuchen, sowie "Wärschtla mit Kraut" und Getränken vorbereitet hatte. Im Mittelpunkt des Pfarrfamiliennachmittags stand eine Reminiszenz an Pfarrer Rudolf Unger, die sein ehemaliger Pfarrsekretär Bernhard Kuhn verfasst und vorgetragen hatte. Er erinnerte an seinen Kindheits- und Jugendpfarrer, der 45 Jahre, von1947 bis zu seinem Tod am 5. Dezember 1992, die Pfarrei Schwarzenstein /Schwarzenbach von Grund auf prägte. Bernhard Kuhn, der bei Pfarrer Unger auch schon Sekretär war, hatte ihn von frühen Kindesbeinen an bis zu seinem Tod begleitet. Der Referent sprach über den "Seelsorger und Mensch Rudolf Unger" und pickte einige seiner markanten Eigenschaften heraus, die er noch im Gedächtnis hatte. „Pfarrer Unger war Pfarrer mit Leib und Seele, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Er war in seiner Pfarrgemeinde, bei den evangelischen Glaubensgeschwistern und weit über die Grenzen hinaus beliebt!" Pfarrer Rudolf Unger war Stadtrat der CSU. Bei anstehenden Wahlen machte er schon der Kanzel herab darauf aufmerksam, dass es eine große Sünde sei, wenn man eine andere Partei als die CSU wählen würde. Davon war er überzeugt. Doch seine Pfarrkinder, die teilweise anderen Parteien sympathisierten nahmen dies natürlich schmunzelnd hin und folgten dann bei der Stimmabgabe doch ihrer persönlichen Wahlüberzeugung. Nichtsdestotrotz hatte Pfarrer Unger viele Freunde auch aus der SPD ! Das Wahlplakat seines Freundes Franz Josef Strauß bekam natürlich einen Platz auf der Anschlagtafel, gleich neben der Gottesdienstordnung, und das Portrait des ehemaligen Landesvaters zierte die Heckscheibe von Pfarrer Unger's Auto. Diese CSU- Verbundenheit sei damals auch einem Metzgermeister aus Selbitz aufgefallen, erinnert sich Bernhard Kuhn. Dieser hatte Werbung für seine Speckwurst gemacht und auf seinem Werbeplakat angeführt, dass seine Wurst so schwarz sei wie Pfarrer Unger. „Ich war damals eigentlich erstaunt, dass dies bei Pfarrer Unger, der eigentlich für jeden Spaß zu haben war, sauer aufgestoßen ist und dass er es zur Anzeige brachte“, bemerkte der Redner. Natürlich war die Presse voll vom "Speckwurstpfarrer". Presse und Pfarrer Unger gehörten immer irgendwie zusammen. Denkt man nur an seine vielen Leserbriefe über allen möglichen Themen, von Abtreibung über Todesstrafe und vieles mehr. Die Leserbriefe erschienen in allen möglichen Zeitungen. In den letzten Jahren hatte er schon Bernhard Kuhn zur Weiterleitung diktiert, und das war wohl auch ein bisschen ausschlaggebend, dass auch dieser eine große Zuneigung zur Presse gewonnen und diese bis heute noch besitzt. Zurück zum Speckwurstpfarrer. Natürlich haben sich Metzger und Pfarrer ausgesöhnt und dies mit einem " deftigen Schwarzwurstessen" besiegelt. Auch das stand dann wieder groß in der Presse.
Pfarrer Unger war ein sehr leutseliger Mensch, sagte Kuhn. Er nahm alle Einladungen zu Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen u.s.w. gerne an, und blieb dann stundenlang. Für viele Pfarrangehörige war es damals noch eine Ehre einen Pfarrer zum Geburtstag einzuladen. Das wäre in der heutigen Zeit gar nicht möglich, wo ein Pfarrer für einen immer größer werdenden Seelsorgebereich zuständig ist. Der allseits beliebte Geistliche war auch leidenschaftlicher Schwimmer. Er nahm an jeder Stadtmeisterschaft teil, und in seinen letzten Jahren wurde er als einziger Teilnehmer seiner Altersklasse immer 1. Sieger. Auch an dem Tag, als er den Schlaganfall erlitt, der dann zum Tode führte, war er noch gemeinsam mit Bernhard Kuhn im Selbitzer Hallenbad, weil das Schwarzenbacher Bad gerade seine Grundreinigung durchführte. Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen ereilte ihn schließlich der Schlaganfall, so dass er ins Krankenhaus Naila gebracht werden musste. Dort lebte er dann noch 7 Tage. Am 5. Dezember 1992 wurden Religionsoberlehrerin Anneliese Klier und Bernhard Kuhn ins Krankenhaus gerufen. Es handelte sich um 5 Minuten, dass der inzwischen auch schon verstorbene Altbürgermeister Gerhard Fehn vor den Beiden da war, und seinem Freund Rudolf Unger die Augen zudrücken durfte. Zum Abschluss seines Vortrags hatte Bernhard Kuhn seine Zuhörer, die alle, außer Dekan Andreas Seliger, Pfarrer Unger persönlich kannten, eingeladen, ein paar seiner Lieblingslieder wie "Vom Pfarrer seiner Koh (=Kuh) " oder seine Schunkel- und Stimmungslieder mitzusingen, was natürlich auf große Resonanz gestoßen ist. Bernhard Kuhn sagte abschließend, er fände es sehr schön , dass Dekan Andreas Seliger zu diesem Gedenken eingeladen hatte. Denn "Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren". (Johann Wolfgang von Goethe)

