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"Ein Pfarrer mit Leib und Seele"

Pfarrr unger
Datum:
Veröffentlicht: 14.5.21
Von:
Bernhard Kuhn

-Vortrag über + Geistlichen Rat Pfarrer Rudolf Unger-

Der Himmelfahrtstag war der "Tag der offenen Kirchen und Gemeinden" im Stadtgebiet von Schwarzenbach am Wald und Umgebung. Jede Kirche und jede Gemeinde hatte sich etwas Besonderes ausgedacht, damit die Besucher an diesem Tag auch etwas Besonders erleben konnten. So hatte die Pfarrgemeinde Schwarzenstein /Schwarzenbach in ihre St. Josefskirche eingeladen.
Pfarrr unger

Pfarrsekretär Bernhard Kuhn gestaltete eine Andacht, die er unter dem ökumenischen Aspekt, für die Einheit der Christen zu beten, stellte. Hauptsächlich für die evangelischen Glaubensgeschwister hatte Bernhard Kuhn einen zweiteiligen Vortrag vorbereitet. Im 1. Teil stellte er die St. Josefskirche vor, die wohl als eine der schönsten Kirchen im Frankenwald gilt. Und im 2. und wesentlich längeren Teil erinnerte er an Geistlichen Rat Stadtpfarrer Rudolf Unger, der 45 Jahre, von1947 bis zu seinem Tod am 5. Dezember 1992, die Pfarrei Schwarzenstein /Schwarzenbach von Grund aus prägte. Bernhard Kuhn, der bei Pfarrer Unger auch schon Sekretär war, hatte ihn von frühen Kindesbeinen an bis zu seinem Tod begleitet. Der Referent sprach über den "Seelsorger und Mensch Rudolf Unger" und pickte einige seiner markanten Eigenschaften heraus, die er noch im Gedächtnis hatte. „Pfarrer Unger war Pfarrer mit Leib und Seele, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Er war in seiner Pfarrgemeinde, bei den evangelischen Glaubensgeschwistern und weit über die Grenzen hinaus beliebt!"

Pfarrer Unger war Stadtrat der CSU. Bei anstehenden Wahlen machte er schon der Kanzel herab darauf aufmerksam, dass es Sünde sei, wenn man eine andere Partei als die CSU wählen würde. Die Wähler der anderen Parteien nahmen dies natürlich schmunzelnd hin, folgten dann bei der Stimmabgabe aber doch ihrer persönlichen Wahlüberzeugung. Nichtsdestotrotz hatte Pfarrer Unger viele Freunde auch aus der SPD !Das Wahlplakat seines Freundes Franz Josef Strauß hatte natürlich einen Platz auf der Anschlagtafel, gleich neben der Gottesdienstordnung, und das Portrait von Franz Josef Strauß zierte die Heckscheibe von Pfarrer Unger's Auto. Diese CSU- Verbundenheit ist damals auch einem Metzgermeister aus Selbitz aufgefallen. Dieser hatte Werbung für seine Speckwurst gemacht und auf seinem Werbeplakat angeführt, dass seine Wurst so schwarz sei wie Pfarrer Unger. „Ich war damals eigentlich erstaunt, dass dies bei Pfarrer Unger, der eigentlich für jeden Spaß zu haben war, sauer aufgestoßen ist und dass er es zur Anzeige brachte“, erinnert sich Bernhard Kuhn. Natürlich war die Presse voll vom "Speckwurstpfarrer". Presse und Pfarrer Unger gehörten immer irgendwie zusammen. Denkt man nur an seine vielen Leserbriefe über allen möglichen Themen, von Abtreibung über Todesstrafe und vieles mehr. Die Leserbriefe erschienen in allen möglichen Zeitungen. In den letzten Jahren hat er schon Bernhard Kuhn zur Weiterleitung diktiert, und das war wohl auch ein bißchen ausschlaggebend, dass auch dieser eine große Zuneigung zur Presse gewonnen und bis heute noch hat.  Zurück zum Speckwurstpfarrer. Natürlich haben sich Metzger und Pfarrer ausgesöhnt und dies mit einem "Schwarzwurstessen" besiegelt. Auch das stand dann wieder groß in der Presse.

Pfarrer Unger war ein sehr leutseliger Mensch, sagte Kuhn. Er nahm alle Einladungen zu Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen u.s.w.  gerne an, und blieb dann stundenlang. Für viele Pfarrangehörige war es damals noch eine Ehre einen Pfarrer zum Geburtstag einzuladen. Das wäre in der heutigen Zeit gar nicht möglich, wo ein Pfarrer für einen immer größer werdenden Seelsorgebereich zuständig ist. Der allseits beliebte Geistliche war auch leidenschaftlicher Schwimmer. Er nahm immer an der Stadtmeisterschaft teil, und in seinen letzten Jahren war er als einziger Teilnehmer seiner Altersklasse immer 1. Sieger. Auch an dem Tag, als er den Schlaganfall erlitt, der dann zum Tode führte, war er noch gemeinsam mit Bernhard Kuhn im Selbitzer Hallenbad, weil das Schwarzenbach Bad gerade seine Grundreinigung durchführte. Beim anschliessenden gemeinsamen Mittagessen ereilte ihm schließlich der Schlaganfall, so dass er ins Krankenhaus Naila gebracht werden musste. Dort lebte er dann noch 7 Tage. Am 5. Dezember 1992 wurden Religionsoberlehrerin Anneliese Klier und Bernhard Kuhn ins Krankenhaus gerufen. Es handelte sich um 5 Minuten, dass Altbürgermeister Gerhard Fehn, der inzwischen auch schon verstorben ist, vor den Beiden da war, und seinem Freund Rudolf Unger die Augen zudrücken durfte. Der Todestag von Pfarrer Unger jährt sich nun heuer zum 29. Mal. Nach diesem doch längeren Vortrag wurde der Gottesdienst nach abschließenden Gebeten und Segensbitte, mit "Großer Gott wir loben dich" beendet, wobei Bernhard Kuhn leider nur mit Orgelbegleitung  allein singen durfte.

                                                                    

 

Bernhard Kuhn, Gneisenaustr. 7, 95030 Hof, Tel.: 017643386218