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Du brauchst nicht zu glänzen

Schale
Datum:
Veröffentlicht: 14.4.23
Von:
Schwester Margareta Fischer

„Eine Schale muss nicht aus Gold sein, um mit dem Nektar der Liebe gefüllt zu werden.“ Dieses knappe Zitat von Krishna Das begegnete mir im Zusammenhang mit meinen Exerzitien (geistliche Übungen) im Sommer und glich einem Tor, dessen Öffnung in die Weite einlud. In seinem Buch (Mit den Augen der Liebe. Eine Autobiografie. Burgrain 2010) erinnert sich Krishna Das an eine Begebenheit mit Dada, der ihm eine matte, zerbeulte, billige kleine Aluminiumschüssel zeigte und darauf hinwies, dass er nicht zu glänzen braucht und hinzufügte, dass eine Schale nicht aus Gold sein muss, um mit dem Nektar der Liebe gefüllt zu werden.

Dieses Motiv der Schale als anschauliches Sprachbild ermutigt und fordert zugleich heraus. Zum einen macht es mich gelassen und lädt zum Durchatmen ein. Nicht die Leistung, die oft mit Forderung und Druck verbunden wird, spielt die entscheidende Rolle, sondern meine Beweggründe und innere Einstellung. Zum anderen deutet das Bild der Schale an, dass es auch um Teilen geht. Denn die Schale ist offen weiter zu geben und teilt ihren Inhalt großzügig an andere.

Interessant ist wie Bernhardt von Clairvaux das Bild der Schale deutet: „Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist.“ Die Schale erinnert an die Selbstfürsorge und Selbstliebe. Auch mal gelegentlich warten, bis die Schale meiner Seele gefüllt ist und dann weitergeben, also nicht zum Kanal verkommen, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt. Die Liebe vermehrt sich beim Teilen und sie hat verschiedene Namen. Was heißt es in verschiedenen Situationen zu lieben? Das können Träne der Freude, Trauer, Reue sein. Mit der Liebe zu leben bedeutet eine Herausforderung anzunehmen. Und es lädt dazu ein und entlastet zugleich: Du brauchst nicht zu glänzen. Eine Schale muss nicht aus Gold sein, um mit dem Nektar der Liebe gefüllt zu werden.

Wir müssen nicht glänzen. Es genügt, die Liebe Gottes aufzunehmen und weiter zu geben. Seliger Georg Matulaitis (1871-1923), der Gründer meiner und weiteren Ordensgemeinschaft, fasst es zusammen: „Jedem von uns sollte es nicht nur wichtig sein, sich selbst zu vervollkommnen, sondern auch für andere eine Stütze, Quelle, Feuer des geistlichen Lebens zu sein..“ Im Jahre 1910 in St. Petersburg, während er als Professor an der geistlichen Akademie tätig ist, schreibt er diese bewegenden Worte. Also in einer Zeit, in der die Kirche durch zaristische Regierung von Russland am Abgrund steht. Sie gleicht einer Kirche wie eine matte, zerbeulte, kleine Aluminiumschüssel. Es mangelt an Mitarbeitern und geistlichen Hirten sowie an Glaubenden. Denn jede kirchliche Aktivität wurde streng geahndet, verfolgt und verboten.

Das verkümmerte Aussehen der Kirchen und des Ordenslebens, das einer matten, zerbeulten, billigen kleinen Aluminiumschüssel gleicht, lassen ihn nicht zurückschrecken. Er verliert nicht den wahren Inhalt der Schale aus dem Sinn und erneuert die Kirche und das Klosterleben in positiver Weise. Gilt es auch nicht für unsere Zeit? Denn die Schale muss nicht aus Gold sein, um mit dem Nektar der Liebe gefüllt zu werden.