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Die Sehnsucht des Menschen nach Reinheit

bac. theol. Horst Washausen bei seinem Vortrag
Datum:
Veröffentlicht: 5.5.22
Von:
Bernhard Kuhn

Im Rahmen der Vortragsreihe der kath. Pfarrgemeinde „Verklärung Christi“ in Naila, die unter dem Leitgedanken „Verstrickung“ stand, war bac. theol. Horst Washausen aus Bayreuth eingeladen. Sein Thema: „Die Sehnsucht des Menschen nach Reinheit“.

Die Sehnsucht des Menschen nach Idealen und Vorbildern zeigt uns, dass wir alle ein Konzept von Unberührtheit, Authentizität, Klarheit und Besonderheit und Würde von uns haben. Wie diese Vorstellungen mit der von uns wahrgenommenen Wirklichkeit in Übereinstimmung gebracht werden können, damit beschäftigte sich der Referent.

Unter dem Thema „Reinheit“ beschrieb er heutige Zugänge, die bei Betrachtung auch zu den Forderungen der biblischen Botschaft und der katholischen Morallehre führen. Gerade in heutiger Zeit ergeben sich die Sehnsucht und auch die Forderung nach Beachtung, Wiederherstellung und Notwendigkeit der Reinheit in ihren verschiedenen Facetten je nach Anwendungsbereich in der Ökologie, in der Ernährungswissenschaft und der Hygiene, in der Gesellschaft und Politik. „Wir kennen die vielfältigen Bemühungen um Reinerhaltung bzw . Wiederherstellung in der Ökologie, auch mit Forderungen nach Umdenken, Verzicht und Anstrengungen verknüpft, gerade von Leuten, die überhaupt keine Nähe mehr zu christlicher Botschaft, geschweige denn kirchlicher Verkündigung haben“, sagte Horst Washausen. Da müssten Werte kontrolliert und eingehalten werden etc.!

In der biblischen Verkündigung erhalte die Reinheit eine zentrale Bedeutung, um das Ziel, zu Gott zu gelangen, nicht aus den Augen zu verlieren. In der Bergpredigt heißt es: „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.“ An anderer Stelle macht Jesus in der Auseinandersetzung mit den Pharisäern darauf aufmerksam, dass die Unreinheit beim Menschen von innen kommt, und nicht durch das, was er isst.

Hieraus ergab sich die Herausbildung des Wertes der Keuschheit in der christlichen Morallehre als des Weges zur Herzensreinheit. „Keusch“ hab die Konnotationen von unberührt, enthaltsam., zum Beispiel die Forderung nach unberührter und mäßig zu verbrauchender Natur, erklärte Washausen, und deswegen auch die Konnotation von „richtig und passend“! Somit sei der Begriff weit umfassender, als nur sexuelle Enthaltsamkeit fordernd. Im Klostergelübde werde ehelose Keuschheit gelobt im Gegensatz offensichtlich anderer keuscher Lebensformen, meinte der Referent. Die mittelhochdeutsche Bedeutung von „kiuscher“ sei auch im Sinne von „richtig“, -hier ist die Verbindung zur Wahrhaftigkeit aufgezeigt- und „vernünftig handelnd“ zu deuten.

In der Analogie zum überlegten, respektvollen und Maß haltenden Umgang mit der Umwelt werde dies also von der Kirche auch im zwischenmenschlichen Bereich gefordert. Hier sei auch noch dies zu beachten: Als die Dampfmaschine erfunden wurde und das industrielle Zeitalter ausgelöst hat, konnte keiner an die CO2 Belastung denken und die auf eine Katastrophe zusteuernde Erderwärmung. Genauso überblickt der Mensch aus den Folgen eines ungezügelten Lebens, -damit ist nicht nur das sexuelle Leben gemeint- nicht die Konsequenzen: Das Überborden von sexuellen Übergriffen, die wachsende Respektlosigkeit im Umgang miteinander und vor allem das immer weiter ausgedehnte willkürliche Verfügen über das menschliche Leben, erst Abtreibung, jetzt Euthanasie und Pläne zu Menschheitsreduzierung zeigten sich auch erst mit zeitlicher Verzögerung, gab der Referent mit Sorge zu bedenken.

Daraus ergebe sich der Beweis, dass eine von außerhalb des eigenen Ichs stehende Autorität notwendig sei, um hier Vorgaben und Verbote zu erstellen, da die Folgen zu Beginn des falschen Handelns nicht überblickbar seien!, betonte Horst Washausen. Diese Autorität hat die Kirche als von Gott eingesetzte Institution ausgeübt. „Menschliche Institutionen, auch keine aktuellen Mehrheiten, können dies ersetzen, da sie nur gebündelte Gegenwartsblindheiten darstellen ohne den göttlichen Gesamtblick.“, schloss der kompetente Referent. Dekan Andreas Seliger bedankte sich auch im Namen der interessierten Teilnehmer für diesen überaus wertvollen Vortrag.