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Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen

Welttag der Kranken 2025
Datum:
Veröffentlicht: 13.2.25
Von:
Uli Essler Krankenhausseelsorger
5. Sonntag C 9.2.25 Hof St. Konrad (Ev: Lk 5,1—11)

Da wird eine Frau mit ihren Kindern vom Bürgergeld abhängig, weil ihr Mann sie verlassen hat und der Sucht verfallen ist. Sie arbeitet und arbeitet, aber kommt nicht mehr hoch. Da sind die Eltern, die sich bemüht haben, ihren Kindern den Glauben vorzuleben und die nun erfahren müssen, dass ihre Kinder ganz andere eigene Wege gehen. Leere Netze schmerzen. Sie werden als Enttäuschung erfahren, manchmal auch als persönliches Versagen.

Auch wir dürfen wie Petrus zu Jesus kommen und bekennen: «Herr, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, aber nichts gefangen.» Jesus schickt ihn und uns nicht fort wie untaugliche Knechte. Jesus hat Verständnis für solche Erfahrungen. Er hat es selbst erleben müssen.

Er sagt uns: «Fahrt hinaus auf den See. Dort werft eure Netze zum Fang aus!» Aller Sachverstand spricht dagegen. Die Fische ziehen sich bei Helligkeit in die Tiefe zurück. Auch die Müdigkeit der Fischer spricht dagegen: «Aber auf dein Wort hin!» Haben wir die Kraft dazu? Und den Mut und die Hoffnung. Ist sein Auftrag nicht auch seine Verheißung, sein Versprechen an uns heute?

Klinikseelsorge ist ein Angebot der Kirchen für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter. Sie sieht den Menschen als Ebenbild Gottes und achtet die Würde des menschlichen Lebens in seiner Unvollkommenheit. Sie sucht mit den Menschen im Krankenhaus geschwisterlich nach Quellen der Hoffnung und nach Hilfen zur Bewältigung ihrer schwierigen Situation. Klinikseelsorge ist überzeugt, dass Leid nicht gleichbedeutend mit Unheil sein muss und das Heil nicht abhängt von Heilung. Sie vertraut auf die Wirklichkeit Gottes, dessen Verborgenheit sie aushält und dessen liebevolle Nähe sie bezeugt. Klinikseelsorge ersetzt nicht die therapeutische Arbeit, sie ergänzt sie durch das Angebot eines Sinn ermöglichenden Beziehungsrahmens. Sie möchte Menschen zu heilsamen Erfahrungen mit einem menschenfreundlichen Gott einladen.

Seelsorge geschieht durch zuhören, sich einfühlen, kommunizieren, trösten, ermutigen, in Leid und Konflikten begleiten, biblische Worte und Bilder ins Gespräch bringen und so bei der Lebensdeutung und Hoffnungssuche zur Seite stehen und miteinander beten. Im Wechsel finden wöchentlich katholische und evangelische Gottesdienste statt.

Ein ehemaliger Patient schrieb mir einige Zeit nach seiner Entlassung diese Zeilen: „Um so mehr möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen für die häufigen und für mich sehr aufbauenden Gespräche bedanken,

wo ich wusste, dass ich offen sprechen kann und dass mir nicht jedes Wort im Munde herumgedreht wird. Machen Sie bitte Ihre Arbeit weiterhin so menschlich und engagiert wie bisher, für viele Patienten in dieser Klinik kann dies den Unterschied ausmachen zwischen Hoffnung und Verzweiflung.“

Die größte Ressource, die wir mitbringen ist der Faktor Zeit, im Vergleich zu allen anderen hauptamtlichen Diensten in der Klinik. Dies spüren viele Patienten und sind dankbar dafür, so sein zu dürfen, wie sie gerade im Moment sind.

Katholische Klinikseelsorge wird in Naila, Hof, Rehau und Münchberg von Frau Gemeindereferentin Michaela Meusel und mir angeboten. Wenn Menschen krank sind und in die Klinik kommen, dann treffe ich zum Großteil auf Christen, die nicht so stark zu ihrer Heimatgemeinde Kontakt haben. Manche sagen gleich zu Beginn: Ich bin fei kein Kirchgänger. Meine Antwort ist dann manchmal: der Glaube ist eine Herzenssache und das kennt nur Gott. Es ist nicht meine Aufgabe, den Glauben des einzelnen zu beurteilen. Meine Aufgabe ist, zu den Menschen hinzugehen und zu fragen, wie es ihnen geht. Dies bedeutet zuhören und sich Zeit nehmen, die Frage nach Gott offen halten.

Wenn Sie möchten, das wir jemanden aus ihrer Familie oder sie selbst besuchen, dann finden sie unsere Telefon Nr. im Gemeindebrief oder der Pforte.

Im Evangelium heißt es weiter: «Sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu zerreißen drohten.» Das also kann geschehen, dass plötzlich etwas gelingt, um das man sich lange vergeblich bemüht hatte, oder dass einem etwas völlig unerwartet geschenkt wird: Erfahrungen der Freude und des Glücks, unverdiente Liebe, gelungene Versöhnung, das Gefühl der Geborgenheit oder auch Heilung.

Der wunderbare Fischfang ist das Ergebnis von Jesu Auftrag und vom Einsatz der Fischer. Gott schenkt seine Wunder nicht an uns vorbei, sondern durch uns hindurch. Es sind vielleicht kleine, unscheinbare Erfahrungen von gelungenem Leben. Vielleicht sind wir auch nicht aufmerksam genug und betrachten vieles, was an Gutem geschieht, als selbstverständlich, nicht als Geschenk. Da ist unser See, unser Leben, unsere Klinik, wo wir unsere Netze auswerfen sollen, trotz aller leeren Netze, mit denen wir weiterhin rechnen müssen. Wir sind eingeladen, es auf sein Wort hin zu wagen — mit unseren bescheidenen Kräften. Vielleicht erleben wir jetzt schon, anfanghaft und voll Verheißung, dass etwas gelingt, überraschend und zugleich voll Zukunft. Er geht uns voran. Das Gelingen liegt bei uns - und bei ihm, denn die Hoffnung lässt