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„Die Farben des Lichtes“ – Orgelträume zum Fest Allerheiligen in Bad Steben

Orgelträume
Datum:
Veröffentlicht: 14.11.24
Von:
Bernhard Kuhn

„Orgelträume“ in der Pfarrkirche „Maria- Königin des Friedens“. Die Orgel dieses Gotteshauses lädt geradezu ein, über den Gottesdienst hinaus zum Wohl der Menschen zu wirken. „Orgelträume & Worte fürs Leben“ wollen helfen, die Woche ruhig und besinnlich ausklingen zu lassen.

So ertönen seit Jahren jeden Freitag von 16.15 bis 16:45  „Orgelträume“ untermalt von meditativen Texten. Es ist eine Einladung der katholischen Pfarrgemeinde, die nicht nur von Kurgästen sehr gut angenommen wird. Die „Orgelträume“ erfreuen sich sehr großer Beliebtheit und sind ein Segen für die ganze Region.  Ein besonderes "Highlight" waren kürzlich die Orgelträume am Fest "Allerheiligen".

Mehr als einhundert Besucherinnen und Besucher füllten die Pfarrkirche "Maria Königin des Friedens" am Kurpark in Bad Steben. Denn es musizierten Stadt- und Dekanatskantor Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer und seine Tochter Lea die eigens aus Hof angereist waren. Sie erfreuten die dankbaren Zuhörer mit Werken für Gesang und Orgel aus Barock, Romantik und Moderne .

Zu Beginn erklang das beliebte Werk „Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar, indem auch das in England bei der „Last night of the proms“ hochbeliebte „Land of hope and glory“ enthalten ist, welches die Sehnsucht nach dem ewigen Leben trefflich zum Ausdruck bringt. Und auch Johann Sebastian Bachs Arie „Kommt Seelen, dieser Tag muss heilig sein besungen“, brachte den Festcharakter treffend zum Ausdruck. Das klangvolle „Salut d´amour“, ebenfalls von Edward Elgar komponiert, sowie Felix Mendelssohn Bartholdys „Sei stille dem Herrn“, der Pilgerchor aus dem Tannhäuser von Richard Wagner, „Jesus bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach, „Panis Angelicus“ von Cesar Franck, dem Abendsegen aus der Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck und weiteren schönen Orgelstücken schlugen Vater und Tochter Stühlmeyer genau die richtigen Töne an, um das Festgeheimnis des Tages zum Leuchten zu bringen. Im Wechsel mit den Musikwerken sprach Dr. Barbara Stühlmeyer geistliche Impulse zum Allerheiligenfest.

Wer heutzutage Halloween feiert, so Stühlmeyer, weist gerne auf die religionsverbindende Tatsache hin, dass die katholische Kirche mit Allerseelen und Allerheiligen ja genau die passenden Gedenktage auf diese Daten gelegt hat. Wer sich deren Geschichte aber einmal ein wenig genauer ansieht, merkt schnell, dass Allerheiligen ursprünglich an ganz anderen Terminen gefeiert wurde. Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos bezeugt beispielsweise für die Stadt Antiochia im 4. Jahrhundert n. Chr., dass Allerheiligen dort am Oktavtag von Pfingsten, also acht Tage nach jenem Fest, an dem man der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu gedenkt, gefeiert wurde. Ein Datum, das Sinn macht. Denn Pfingsten gilt als Geburtstag der Kirche und die Heiligen sind jene Menschen, die die Nachfolge Christi in besonders vorbildlicher Weise gelebt haben. Und nicht nur in der griechischen, auch in der lateinischen Kirche blieb der Sonntag nach Pfingsten Jahrhundertelang der Allerheiligentag, wie man in einem Würzburger Lektionar aus dem 8. Jahrhundert nachlesen kann. In Rom selbst verband Allerheiligen sich mit dem Kirchweihfest des Pantheons, das bekanntlich der Gottesmutter Maria und allen Märtyrern geweiht ist und am 13. März begangen wurde, der oft in die österliche Zeit fiel. Der Wechsel des Allerheiligenfestes auf seinen heutigen Termin fand an der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert in Irland statt. Dort waren die alten heidnischen Wurzeln so ausgeprägt und die keltischen Jahreskreisfeste so fest im Bewusstsein verankert, dass man die Verbindung des Allerheiligenfestes mit Ostern aufgab und die Heiligen stattdessen als Lichtgestalten in dunkler Zeit interpretierte und sie gewissermaßen an Stelle der Geister und Feen setzte, die bislang den Türspalt zwischen den Welten genutzt hatten, um einen Plausch mit den Lebendigen zu halten. Allerseelen am Tag nach Allerheiligen zu feiern, macht natürlich Sinn, denn wer weiß, welcher der Verstorbenen nicht schon auf dem Weg in die Gemeinschaft der Heiligen ist, auch wenn er oder sie noch keinen Platz im offiziellen Kalender der Kirche hat.