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Das innerste Pünktlein

Bruder Konrad
Datum:
Veröffentlicht: 20.4.24
Von:
Stefan Fleischmann
Predigt zur Eröffnung des Jubiläumsjahrs in St. Konrad, Hof

Ich hatte vor einigen Wochen einen kleinen Radunfall.
Nichts weiter passiert.
Mein Vorderrad hat etwas abbekommen.
Da sagt mein Kumpel:
Kein Problem.
Ich habe für dich eine gute Lösung,
sieh her: eine gebrauchte Felge.
Da ist nichts weiter, nur ein kleiner Makel. -
Ich schaue mir die Felge an.
Und sage ihm: Willst Du mich wohl auf den Arm nehmen.
Schau dir doch das Rad mal an: Da fehlt die Mitte.
Das ganze Rad hat überhaupt keine Stabilität mehr.
Und die Speichen lösen sich schon!

Liebe Schwestern und Brüder,

ja, wenn die Mitte fehlt, dann wird das Rad unbrauchbar; da gerät einiges aus der Balance. In einer chassidischen Geschichte von Martin Buber heisst es: „Aber Gott helfe uns: Man darf`s nicht geschehen lassen.“ Wenn das Herz des Menschen die Mitte ist und Leben schenkt, wissen wir, was das bedeutet.

Nun, was ist das innerste Pünktlein? Was ist die Mitte?

In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat es wohl Menschen gegeben, die mit der Kirche St. Konrad und dem sich anschließenden Kloster, Pfarrheim und Kindergarten einen Raum schaffen wollten für eine geistliche und ganzheitliche Mitte. Geht der Besucher auf die Kirche zu, dann verweist das Lamm auf das Herzstück: Jesus Christus.

Nun, was ist das innerste Pünktlein? Was ist die Mitte?

Im Beisein von Oberbürgermeister Hans Höhn formuliert es Prälat Michael Gehringer 1953 mit folgenden Worten: „Möge das Gotteshaus werden ein Haus der Wahrheit in der Zeit des schleichenden Unglaubens und des Glaubenszweifels; ein Haus des Friedens in der Zeit der Unruhe in den Herzen der Menschen und der Völker und ein Haus der Liebe in der Zeit des Hasses und des Mißverständnisses.“

Nun, was ist das innerste Pünktlein? Was ist die Mitte?

Konrad, der 1894 gestorben ist und in der Zeit des Nationalsozialismus 1934 heiliggesprochen wurde, ist zusammen mit den Heiligen Engeln der Patron für diese Kirche geworden, vielleicht auch im Hinblick, dass man zunächst Kapuziner aus Altötting angefragt hat, die Pfarrseelsorge zu übernehmen. Sie haben schweren Herzens 1953 abgelehnt mit der Begründung „z. Zt. einer katastrophalen Nachwuchssorge“ ausgesetzt zu sein.

Das eigens komponierte Lied zum Jubiläumsjahr 2024 von Dr. Ludger Stühlmeyer zeichnet das Leben des Heiligen Konrad nach, vor allem was ihn ausgezeichnet hat: seine Einfachheit und Herzensgüte, ein Menschenfreund und Gottesmann zugleich. Heute feiern wir seinen Namenstag!

Im christlichen Glauben beheimatet, Kreuz und Bibel weisen darauf hin, hat Konrad in langen Fußmärschen zum Gottesdienst, im ganz persönlichen Gebet, in der Stille, zu sich selbst, ja seine innere Mitte gefunden hat. Er traf eine mutige Entscheidung und trat in das Kapuzinerkoster St. Anna in Altötting ein. Von Jesus Christus angerührt und mit IHM verbunden bekam er mehr und mehr einen liebevollen und wertschätzenden Blick für die bedürftigen und hilfesuchenden Pilger, 41 Jahre an der Klosterpforte, ein ziemlich stressiger Job! So hält der Name „Konrad“, was er verspricht: con = kühn, rad = Ratgeber, also KÜHNER RATGEBER.

Nun, was bringt das innerste Pünktlein? Warum braucht es diese Mitte?

Um im Bild des Rades zu bleiben: Wo die Last der Welt und des Menschen zusammenkommt, im innersten Pünktlein des Rades, ist sie auch aufgehoben. Sie dort bei Gott in guten Händen zu wissen, das Heil der Welt zu wirken, das war für den Heiligen Konrad wie eine Erlösung und Befreiung. Das gibt- bis heute - in allen Anforderungen dieser Zeit und unserer je eigenen Aufgabenstellungen in Politik, Gesellschaft und Kirche eine gottgewirkte Demut, Vertrauen und Gelassenheit.

Liebe Festgemeinde! Mit dem heutigen Festgottesdienst zum Patronatsfest läuten wir das 70jährige Jubiläum unserer Kirche ein. Nochmals allen ein herzliches Willkommen! 70 Jahre sind vergangen. Beispielhaft zeigt das unsere Fotoausstellung – von Gemeindemitgliedern zusammengestellt, die mit dieser Kirche fest verwurzelt sind. 70 Jahre sind vergangen. Der Heilige Konrad könnte uns an der Eingangspforte unserer Kirche selbstkritisch fragen: Wird sich das Rad weiterdrehen? Auf Hochtouren oder im Leerlauf? Im Bereich des Funktionalen oder der Partizipation? In all den Veränderungen und Umbrüchen und Übergängen, die uns seitdem begleitet haben und auch weiterhin begleiten werden, wollen wir vertrauensvoll nach vorne schauen. 70 Jahre ist nach menschlichen Ermessen nicht alt, fast jugendlich. Da lässt sich noch was wuppern, mit genug Erfahrung, Inspiration, Fairplay und Leidenschaft im Gepäck gar manches in der Pfarrei Bernhard Lichtenberg und im gesamten Seelsorgebereich Hofer Land auf den Weg bringen. Frauenbund und KITA St. Konrad, die ebenso Jubiläum feiern, stehen für diesen immerwährenden Aufbruch. Mir ist nicht bang: Mit Jesus Christus als unsere Mitte und den Hl. Konrad als unser Vorbild und unseren Fürsprecher wird uns das gelingen. Amen.