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"Damit es allen besser geht!"

BAMBERG--ERZBISCHOF--SCHICK
Datum:
Veröffentlicht: 17.3.25
Von:
Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick
Predigt von Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick

1. DAMIT ES ALLEN BESSER GEHT, dafür gibt es die Fastenzeit, dafür fasten wir, dafür gibt es Misereor, das Hilfswerk der deutschen Katholiken für gute Entwicklung auf dieser Erde und der ganzen Menschheit.

2. Fasten und Fastenzeit hat bei uns einen negativen Touch bekommen, Verzicht und Einschränkungen, Sündenbekenntnisse und Buße, Lust- und Vergnügungsbremse, Sack und Asche,Unterdrückung all dessen, was Freude macht. Das verbinden viele mit Fastenzeit. Deshalb meiden sie die Fastenzeit. Leider Gottes sind viele Verantwortliche in der Kirche nicht unschuldig daran.

Aufgewertet wird die Fastenzeit heute im säkularen Raum. Da geht es um Abnehmen durch weniger Essen und um Fastenkuren für die Figur, um Gesundheit durch Verzicht auf Alkohol und Nikotin und alles, was sonst noch den Körper krank macht. Es geht um Klimaschutz durch das Autofasten. Schließlich gibt es auch noch den Verzicht auf Internet, Fernseher und andere Medien, um mehr Zeit für mehr persönliche Gemeinschaft zu haben.

3. Gegen all das ist nichts einzuwenden. Aber der Sinn der kirchlichen Fastenzeit darf nicht verloren gehen. Gerade der zweite Fastensonntag macht deutlich, dass es beim christlichen Fasten um ein Aufwärts, um Licht, andere Perspektive, um Wohlsein und um Zukunft geht. Das ist die Botschaft des Evangeliums von der Verklärung auf dem Berg. Das gleiche thematisiert auch die Lesung aus dem Philipperbrief: Wir haben eine Heimat im Himmel, die sollen wir jetzt schon ansteuern und weitmöglichst verwirklichen. Dafür darf nicht UNSER BAUCH UNSER GOTT SEIN. Dafür können und müssen wir auf individualistische und konsumistische Neigungen und Begierden verzichten. Vom bedeutenden Psychotherapeuten Viktor Frankl stammt der Ausspruch: „Wer ein erstrebenswertes Ziel vor Augen hat, findet den Weg dorthin!“

4. Liebe Schwestern und Brüder, das Ziel, das Jesus Christus uns vorgegeben hat, ist das Himmelreich, das Reich Gottes, der Gerechtigkeit, des Friedens und der wahren Freude für alle Menschen. Um dieses Ziel zu erreichen, das es für alle Menschen geben soll und auf das alle Menschen ein Recht haben, verzichten wir auf Überflüssiges, teilen wir das, was wir haben und freuen uns, dass es dadurch allen besser geht.

5. Das Recht auf das Reich Gottes hat jeder Mensch, weil wir alle die gleiche Würde haben. Das Motto der diesjährigen Fastenaktion:„Auf die Würde. Fertig. Los!“ macht das deutlich. Weil wir die Würde eines jeden Menschen anerkennen, setzen wir uns für Gerechtigkeit und Frieden, Solidarität und Gemeinwohl aller ein. Wer Würde hat, hat Recht auf Gerechtigkeit, auf Frieden, auf Freude, auf Solidarität, auf Heimat.

6. Lasst uns so die Fastenaktion von Misereor verstehen, die wir heute im Erzbistum Bamberg eigens begehen. Lasst uns so fasten: auf Überflüssiges verzichten, teilen, was wir haben, Gemeinschaft weltweit pflegen, uns füreinander interessieren und beten für eine solidarische Menschheit.

So fasten wir, wie es richtig ist, wie es Jesus getan hat und wie es Gott gefällt. So verliert die Fastenzeit ihren negativen Touch. Sie wird fruchtbar wird für eine Welt, in der nicht nur über die Würde aller Menschen gesprochen wird, sondern in der alles getan wird, dass alle Menschen entsprechend ihrer Würde leben können, in Gerechtigkeit, Frieden und Freude. Leisten wir dazu unseren Beitrag.

„Auf die Würde. Fertig. Los!“

Amen.