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Christi Himmelfahrt- der erste Vatertag?

Sebastian Schiller
Datum:
Veröffentlicht: 18.5.23
Von:
Pfarrvikar Sebastian Schiller
Wir haben hier bei uns in Deutschland wieder einen Tag gefeiert, der zwei Anlässe miteinander vereint: Christi Himmelfahrt und Vatertag

Wir haben hier bei uns in Deutschland wieder einen Tag gefeiert, der zwei Anlässe miteinander vereint. In den Kalendern steht vorgedruckt als Überschrift: „Christi Himmelfahrt“. Dieser Name bezieht sich auf das Ereignis, das sich laut den Evangelien 40 Tage nach Ostern auf einem Berg oberhalb der Stadt Jerusalem zugetragen hat. Doch der vierzigste Tag nach Ostern hat noch einen zweiten Namen, der für die meisten Menschen heute geläufiger ist: Wir feiern den Vatertag.

Auf den ersten Blick passen die beiden Feste nicht wirklich zusammen. Der in katholischen Ländern für den Vatertag reservierte Josefstag (19.03.) wäre eigentlich logischer und inhaltlich besser zu vereinen. Und viele Menschen entscheiden sich heute: Es wird entweder Himmelfahrt oder Vatertag gefeiert. Nur selten beides gemeinsam.

Doch ist es wirklich so, dass man sich entscheiden muss?

Ich glaube, dass man beides zugleich feiern kann, auch wenn es auf den ersten Blick nicht wirklich zusammenpasst. Christi Himmelfahrt, der vierzigste Tag nach Ostern ist damals ein Wendepunkt. Die Jünger müssen damals völlig neu denken. Sie sind zunächst beruhigt, als ihnen nach Ostern der Auferstandene erscheint und sie denken: „Jetzt kann alles weitergehen wie zuvor. Jesus wird uns schon sagen, was wir machen sollen.“

Doch am Himmelfahrtstag ändert sich alles. Es gibt keinen mehr, der für sie plant. Die Jünger müssen selbst die Verantwortung übernehmen. Sie müssen ab diesem Tag selbst entscheiden, wie und in welchem Umfang sie sich für die Botschaft Jesu einsetzen wollen. Sie müssen kreativ werden und eigene Ideen entwickeln.

Als Christen erinnert uns das Fest Christi Himmelfahrt an diese Verantwortung, die jeder von uns selbst seit der Taufe für seinen persönlichen Glauben hat. Denn der Glaube ist kein fertiges Rezept, das nur von außen vorgeschrieben und stur zu befolgen ist.

Es liegt in meiner persönlichen Verantwortung, wie ich biblische Zeugnisse, Traditionen der einzelnen christlichen Kirchen und das Beispiel von anderen Menschen mit meinem momentanen Alltag vereine. Ich selbst setze die Prioritäten, was dabei wichtig ist und was nicht so sehr. Und diese Entscheidung, so glaube ich, kann nicht nur einmal im Lauf des Lebens getroffen werden. Denn die Prioritäten verändern sich bei jedem Menschen, wenn er neue Erfahrungen macht.

Und hier treffen sich, meiner Meinung nach, das Fest Christi Himmelfahrt und der Vatertag. Denn auch als Vater bekommt man kein fertiges Rezept, was man zu tun und was man zu lassen hat. Wie beim Glauben auch, bekommt man von allen Seiten hilfreiche und weniger hilfreiche Tipps. Aber jeder Vater muss für sich selbst entscheiden, was er für sinnvoll hält um seine Werte an die nächste Generation weiterzugeben.

Das Fest Christi Himmelfahrt ist damit vielleicht nicht der erste Vatertag. Aber es ist ein Feiertag, an dem ich mir in jedem Jahr aufs Neue bewusstwerden kann: Ich trage eine Verantwortung im positiven Sinn. Als Christ für meinen persönlichen Glauben, der sich immer wieder verändert. Als Vater darüber hinaus für meine Kinder, die sich an mir ein Beispiel nehmen und an die ich meine Werte weitergeben kann.

Ich wünsche ihnen, liebe Väter, in diesem Sinne einen schönen Vatertag und allen Christinnen und Christen einen gesegneten Christi Himmelfahrtstag, an dem sie auch an ihre eigenen Väter denken können!