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Binde deinen Karren an einen Stern

Deckengemälde Bistumshaus St. Otto
Datum:
Veröffentlicht: 4.1.24
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann

Wer die Kapelle des Bistumshauses St. Otto (Bamberg) betritt und nach oben schaut, der wird staunen. Denn der Blick wird auf einen großen Sternenhimmel mit den zwölf Sternzeichen gelenkt, der nach dem Krieg 1949/1950 durch Prof. Josef Schmuderer (1881-1964) künstlerisch geschaffen wurde.

„Binde deinen Karren an einen Stern.“ Dieser Spruch von Leonardo da Vinci ist mir seit meiner Zeit als Subregens deshalb so wichtig geworden.  Normalerweise bindet man einen Esel, einen Ochsen oder ein Pferd an einen Karren. Schließlich braucht man eine Kraft, die den Karren nach vorne bringt, ihn gelegentlich auch aus dem Dreck zieht. Aber seinen Karren an einen Stern binden? Wer das vorhat, lässt sich auf das ein, was sprichwörtlich in den Sternen steht. Wer das tut, lässt sich leiten von einem Licht, das sozusagen von einem anderen Stern herkommt. Wer seinen Lebenskarren an einen Stern bindet, baut nicht nur auf sich,  sondern vertraut nochmals ganz anderen Kräften, himmlischen Kräften: „Blick auf und schau umher (vgl. Jes. 60,1-6)“, so fordert uns der Prophet Jesaja heute auf.

„Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“, bekennen die Weisen aus dem Morgenland bei ihrer Ankunft in Jerusalem, wer und was sie führt, und vor allem, was ihnen wichtig und wertvoll erscheint, wofür es sich lohnt, anzufangen und loszugehen: „Auf, werde licht, Jerusalem!“  

Das neue Jahr liegt wie ein unbeschriebenes Blatt Papier ausgebreitet vor uns. Die Zukunft steht buchstäblich  in den Sternen, wie sich unsere Welt, Gesellschaft und Kirche weiterentwickeln. Derzeit scheint Vieles unter einem Unstern zu stehen. „Unstern“ heisst lateinisch „Desastra“ zu Deutsch „Desaster“. Desaster sind die vielen Kriege, der weltweite Terror, das Streben nach Macht, die Individualisierung und Polarisierung in unserer Gesellschaft. Menschen erleben ein Desaster im Abschiednehmen müssen und  in ganz persönlichen Misserfolgen. Menschen erfahren die Kirche als  ein Desaster, das mir als Amtsträger sehr leid tut: „Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf“, so ermutigt der Prophet Jesaja  seine Leserschaft.

„Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“. Die Frage bleibt: Nach welchen Sternen halten wir Ausschau? Letztlich hoffen wir doch für uns alle, dass unser Leben und unsere Welt unter einem guten Stern steht und wir uns daran festmachen können. Letztlich vertrauen wir doch alle auf Gottes Führung, seinen Segen und Beistand, sonst wären wir doch jetzt nicht hier, um Gottesdienst zu feiern. Der Stern der Hoffnung leuchtet Tag für Tag in unser Leben und in unsere Welt – ein Stern, der nur mit den Augen des Glaubens sichtbar ist: „Seine Herrlichkeit erscheint über dir“, Worte des Propheten Jesaja.  

„Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“.
Was sind nun Sternstunden des Glaubens? „Was lässt dein Herz vor Freude beben und sich weit öffnen?“ Für mich ganz persönlich: die  Betrachtung der heiligen Schrift (Bibelteilen) – gemeinsam oder alleine. Da wird mir eine  Sternstunde der Erkenntnis und Gegenwart Gottes geschenkt. Dann gibt es in der zwischenmenschlichen Kommunikation Stundenstunden des Verstehens und des Verstandenwerdens. Einkehrtage, Exerzitien, Pilgerreisen bezeichne ich als Sternstunden der Orientierung und des Auftankens. Die Sternsingerinnen und Sternsinger können sicher von ihren Sternstunden berichten, indem sie die frohe Botschaft weitertragen, den Segen in die Häuser bringen und Geld für Notleidende sammeln: „Sie alle kommen, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten Gottes.“

„Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“.
Halten Sie selbst immer wieder Ausschau nach dem Stern des Glaubens – sehnsuchtsvoll und hoffnungsvoll. Gerade wenn wir Täler durchschreiten, ist es gut, sich daran zu erinnern und den Karren an einen solchen Stern zu binden.

Am Christbaum im Foyer des Pfarrzentrums hat auf seiner Spitze ein Stern gefehlt. Das war einige Tage vor den Weihnachtsfeiertagen.  Nur Tobias, der seine Sozialdienststunden bei uns ableistet,  ist diese Leerstelle aufgefallen. Am nächsten Tag zierte ein schöner Stern die Christbaumspitze. Das war mir eine Lehre: Menschen, sind wie leuchtende Sterne im Alltag, und ein besonderer ist dabei: Jesus Christus, an dem wir unseren Lebenskarren festmachen können.  Amen.