Bibel und Karikaturen: Passt das zusammen?

Lieber Pfarrer Stefan Fleischmann, liebe Gottesdienstgemeinde, Krieg und Frieden. Gut und Böse. Weibliches und männliches Verhalten. Das sind Beispiele für Dinge, die irgendwie nicht zusammengehen. Sogar komplett gegensätzlich sind. Und wie verhält es sich mit Kirche und Karikatur? Genauer gesagt mit Bibel und Karikatur? Sind das nicht auch zwei Begriffe, die komplett verschieden sind und nicht zusammenpassen?
Das man es auch anders sehen kann, beweist des heutige Evangelium und der Evangelist Lukas. Lukas war ein gebildeter Mann, war möglicherweise sogar Arzt. Er besticht durch seinen virtuosen und anschaulichen Schreibstil und wird deswegen gerne als „Maler mit der Sprache“ bezeichnet. Und: Er zeichnet Jesus gerne als jemanden, der durch Humor und Übertreibung tiefere Wahrheiten vermittelt.
Deutlich wird das neben dem heutigen Evangelientext etwa auch bei dem bekannten Bild eines Kamels, das durch ein Nadelöhr gehen soll. (LK 18,25). Karikaturisten sind sicher nur bedingt mit Evangelisten vergleichbar. Die meisten haben mit der Katholischen Kirche nicht so furchtbar viel am Hut. Aber sie arbeiten auch gerne mit Übertreibungen. „Man darf aus der Mücke einen Elefanten machen, sagt des Karikaturisten-Urgestein Horst Heitziger. „Aber wenigstens die Mücke muss wahr sein.“
So verhält es sich in unsere Ausstellung etwa mit der Zeichnung von Gerhard Glück. Wir alle wissen ja, dass die Klimakrise Realität ist. Eischmelze in der Arktis. Und bei uns keine strengen Winter mehr. Noch nicht mal hier in Hof. Experten prognostizieren in Deutschland einen Zuwachs zwischen zwei und fast fünf Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts. Aber wer weiß. Vielleicht dauert es auch nicht so lange.
Stellen Sie sich vor, sie stehen am Morgen auf, sind noch im Schlafanzug, öffnen den Vorhang und sehen, wie in ihren Gartenmöbeln behaglich ein Löwe sitzt. Nüchterne Unterschrift. „Herr Ebert hatte es geahnt. Der Klimawandel konnte über Nacht kommen.“
Liebe Gottesdienstgemeinde, liegt es nicht auch an uns,solche Szenarien zu verweiden? Jesus fordert im heutigen Evangelientext mit verschiedenen Beispielen die Menschen auf, sich selbst zu prüfen. Wir sollen usnere Schwächen erkennen und uns ihnen stellen. Erst dann sollen wir anderen unsere Hilfe anbieten oder sogar aufdrängen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, arbeitet der Evangelist Lukas gerne mit Gleichnissen und einer sehr bildhaften Sprache: Kann etwa ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Jeder kennt die Antwort. Lukas setzt dieses Stilmittel bewusst ein, um die Botschaft Jesu lebendiger, verständlicher und einprägsamer zu machen.
Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte. Das ist auch das Motto vieler Karikaturisten. Ohne seitenlange Erklärungen sind sie in der Lage, allgemeinverständlich auf die Gefahren und Absurditäten unserer Welt aufmerksam zu machen. So lässt in diese Ausstellung Markus Grolich dem Häschen, das vom Genmais gefressen hat, schnell mal drei statt der normalen zwei Ohren wachsen. Wie sollte man – frei von jeglicher Beweislast - einprägsamer auf die Gefahren dieser Technik aufmerksam machen?
Und jenseits gelehrter Dispute wird die vielgepriesene Energiewende von Rainer Schwalme mal eben als reiner Windwechsel entlarvt, der den Rauch statt von rechts nach links nur umgekehrt von links nach rechts wehen lässt. Das ist alles. Plakativ und unmissverständlich ist auch Jesus mitunter, um den Menschen ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen: Du Heuchler! herrscht er den Selbstgerechten im Evangelium an. „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“
Erst bei sich ansetzen und dann bei den anderen. Das ist in unserer Ausstellung auch die Botschaft des Bamberger Karikaturisten Marc Buchner. Ein scheinbar nichtsnutziger Bettler nebst Hund bittet in der Fußgängerzone mit ausgestreckter Hand um ein kleines Almosen. Vor ihm stellt sich eine Dame auf, die sichtbar aus vornehmen Verhältnissen kommt. Mit ausgestrecktem Zeigefinger belehrt sie den armen Schlucker in tiefstem Fränkisch: “ Sie solläden iän Leemschdiel ändern.“ Dabei ist sie sie, die sich ändern müsste. Federhut, Pelzmantel und Perlenkette zeugen von ihrem luxuriösen und verschwenderischen Lebensstil.
Jesu ruft uns auf, achtsam mit den materiellen Gütern umzugehen. Er will, dass wir Mensch, Tier und Natur Wert schätzen und respektieren. Das wird beim Evangelisten Lukas an mehreren Stellen deutlich: Zum Beispiel in den Gleichnissen vom verlorenen Schaf (LK 15,1-10) oder den fünf Sperlingen, die für zwei Groschen verkauft, aber vor Gott nicht vergessen werden. (Lk 12,6).
In dieser Hinsicht sind – was durchaus nicht immer der Fall ist – Karikaturisten und Kirche völlig einer Meinung. Die Karikaturen mahnen uns, den eigenen Lebensstil zu überdenken und uns zu engagieren, um die Welt gerechter und zukunftsfähiger zu gestalten. Fangen wir also an, kommen wir ins Tun. Aber bitte keine Alibi-Handlungen.
Ein Beispiel von Martin Perscheid aus dieser Ausstellung gefällig: Steht ein Mann vor seinem völlig überdimensionierten Geländewagen in der Garage: Erläuternde Erklärung: „Um einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, schraubte Jürgen Energiesparlampen in die Scheinwerfer seines SUV.“ Verstehen Sie Perscheid bitte nicht falsch. Das soll kein Plädoyer zur Untätigkeit sein. Das soll nicht heißen, dass es sich nicht lohnt mit kleinen Veränderungen im Leben anzufangen. Aber es soll schon Sinn machen und nicht nur Kosmetik sein.
Folgen wir also dem Aufruf des Evangelisten Lukas und den Karikaturisten dieser Ausstellung. Prüfen wir uns selbst und beginnen – wo nötig – an mit wirklicher Verhaltensänderung zum Wohle der Schöpfung und aller Menschen. Die am Mittwoch beginnende Fastenzeit bietet sich sehr gut dafür an. Das heißt aber nicht, dass wir Humor und Lebensfreude hintanstellen müssen. Denn wie heißt es schon im alttestamentarischen Buches der Sprüche: „Ein fröhlich Herz macht das Leben lustig, ein betrübter Mut vertrocknet das Gebein“. Dass uns diese Einstellung nicht verloren geht, wünsche ich uns allen im gesamten Zeitraum der Karikaturenausstellung hier in Hof und hoffentlich darüber hinaus. Amen