Ansprache im Rahmen eines Gottesdienstes mit dem pädagogischen Personal und der Mitarbeitervertretung der Gesamtkirchengemeinde Hofer Land

Liebe Schwestern und Brüder,
sicher kennen Sie das Buch vom kleinen Prinzen. Vielen Menschen ist dieses Büchlein ans Herz gewachsen. Eine Geschichte, die der Berufspilot Antoine de Saint-Exupery geschrieben und 1943 veröffentlicht hat.
Wer das Buch vom kleinen Prinzen liest, kommt mit seiner Sehnsucht nach einer anderen Welt in Berührung, nach einer Welt, in der wir nicht alles bewerten und berechnen nach Nutzen und Leistung, nach Erfolg und Mißerfolg; stattdessen geht es in dieser Geschichte um Freundschaft und Liebe. Es geht vor allem darum, sich um das zu kümmern, was unser Leben wahrhaft, wertvoll und einzigartig macht. „Man sich nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Was bringt es? Was ist der Nutzen? Was kann ich damit anfangen? Diese Fragen höre ich immer wieder. Ich spüre so im Alltag, dass diese Haltung in unserer Gesellschaft einen frieren lässt. Da tut die Sichtweise des kleinen Prinzen gut, der mit den Augen des Kindes auf alles sieht und die Welt betrachtet, der alles in Frage stellt und dem es vor allem darauf ankommt, die Dinge mit seinem Herzen zu betrachten und das Wesentliche im Menschen und in der Welt zu sehen.
Und das Wesentliche ist für Antoine de Saint Exupery, der vor knapp 80 Jahren gestorben ist, die Liebe. Die Liebe ist das, was den Menschen so wertvoll macht, sich den anderen vertraut zu machen und im anderen etwas Einzigartiges zu entdecken. Das erleben Sie jeden Tag neu – in ihren Familien und Partnerschaften, und vor allem in unseren KITA - Einrichtungen.
Wir können uns in dieser Geschichte des kleinen Prinzen finden, weil wir spüren, dass Liebe auch immer Verantwortung bedeutet. „Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." Im Wort „Verantwortung“ steckt das Wort „Antwort“.
- Wir antworten auf das, was uns selbst geschenkt wurde: das Leben.
- Wir antworten auf das, was an uns verschenkt wurde: die Liebe und das Vertrauen.
- Wir antworten auf das, was in uns hineingelegt wurde: die Talente und Fähigkeiten. Wir sprechen in der Kirche von den Charismen zum Aufbau des Reiches Gottes. Jede/r von uns baut daran, jeden Tag neu.
Verantwortung heisst auch: Wir sind verantwortlich für das, was wir uns vertraut gemacht haben und uns anvertraut wurde, da zu sein, sich zu kümmern, zu begleiten, zu fordern und zu fördern.
Es sind die Kinder, die uns anvertraut werden, weil man uns traut und vertraut, und für die wir Verantwortung übernehmen. Und es ist das Team vor Ort, indem jeder und jede verantwortlich ist, das Miteinander und Füreinander zu leben, sich in einer christlichen Grundhaltung zu begegnen, sich gegenseitig zu stützen und zu stärken und gem. an einem Strang zu ziehen. Das ist ein hoher Anspruch – und dabei gibt es Fort- und Rückschritte. Das Miteinander und Füreinander lebt von Beziehungspflege- am besten in Präsensform. Durch Austausch, Beratung und Reflexion im Team oder Einzelgespräch geschehen Lernprozesse und Entwicklungen, die uns in eine gute Zukunft führen.
Liebe Schwestern und Brüder,
gelebte Liebe und Verantwortung strahlen auch nach außen, so dass jede christliche Einrichtung auch ein Leuchtturm ist in und für die Gesellschaft. Hierfür wollen wir in Pastoral und Verwaltung möglichst gute Rahmenbedingungen bieten und wertvolle Dienstleister sein. Sog. Mogelpackungen haben es heute schwer, wenn das Äußere nicht mit dem Inneren übereinstimmt. Wir sprechen hier von Authentizität.
Wer liebt, sieht die Welt mit anderen Augen und geht auch mit Gottes Schöpfung und seinen Geschöpfen verantwortungsvoll um. Das hat auch Jesus getan, der die Liebe seines Vaters in die Welt getragen hat und Zeugnis für dieses Licht gegeben hat- in Wort und Tat.
Mit den Augen des Herzens können wir Gott und seine Gegenwart erkennen.
In unserem Suchen und Fragen können wir Jesus Christus, unseren Freund und Weggefährten, erfahren. In unserer Sehnsucht nach dem Guten, Wahren und Schönen entdecken wir in den Worten Jesu eine neue Sicht des Menschseins: „Selig, die arm sind vor Gott… Selig, die Trauernden…, Selig, die keine Gewalt anwenden, … Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit,…Selig, die Barmherzigen, … Selig, die ein reines Herz haben.“
Dabei klingen in den Seligpreisungen Haltungen an, die wir für ein gutes Miteinander und Füreinander benötigen- immer wieder neu: Demut – Mut zum Dienen, Barmherzigkeit – Erbarmen finden und haben, Armut – schenken und sich beschenken lassen, Sehnsucht – das Engagement für eine bessere Welt, die Leben lässt und Leben schenkt – für alle. Amen.