Zum Inhalt springen

Am Gate gibt es keine Gnade

Gate
Datum:
Veröffentlicht: 22.8.22
Von:
Stefan Fleischmann

Ich schaue verzweifelt zur Infotafel am Flughafen. Nur noch wenige Minuten, dann schließt das Gate. Ich verhandle am Schalter: „Es fehlen noch zwei Teilnehmer. Sie stecken in der Schlange der Sicherheitskontrolle fest.“ Die Zeit läuft. Ich lege nach und bitte um Verständnis: „Sie kommen gleich! Nur noch einen Augenblick!“ Das Gate schließt pünktlich. Für die beiden gibt es jetzt keine Chance mehr, mitzufliegen. Selbst das schon verladene Gepäck bleibt an Ort und Stelle.

Wer kennt nicht solche Situationen, vor verschlossenen Türen und geschlossenen Toren zu stehen? Ärger, Wut, innerer Groll – am meisten über sich selbst.   „Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiss nicht, woher ihr seid.“ (Lk 13, 25). Die Ohnmacht ist groß, ausgeliefert zu sein und am Ende nichts mehr tun zu können.
Eine solch ausweglose Situation macht Angst.

Wie passt diese Perspektive des harten und endgültigen Schnitts mit den anderen Gleichnissen im Lukasevangelium zusammen? Erinnern wir uns an die Geschichte vom barmherzigen Vater. Die Türe bleibt für den verlorenen Sohn stets offen. Der Vater hält sogar Ausschau nach seinem Sohn – voller Sehnsucht und froher Erwartung. Werden uns hier zwei unterschiedliche Gottesbilder präsentiert, wie Gott am Menschen handelt im Hier und Jetzt und dann am Ende des irdischen Lebens?

Diese innere Spannung zwischen beiden Texten kann nicht geleugnet oder gar aufgelöst werden.  Wir müssen und dürfen uns daran reiben, wahrscheinlich ein Leben lang, um nicht selbstgerecht oder gleichgültig zu werden. Drei Impulsfragen wollen zum persönlichen Nachdenken anregen und zum Gespräch mit Gott und untereinander einladen: 

  • Welche Türen stehen in meinem Leben offen, welche sind auf dem ersten Blick sehr eng oder verschlossen?
  • Welche Türen möchte ich im Rückblick auf mein Leben durchschritten haben?
  • Was bedeutet für mich „Gnade“ und von Gott geliebt zu sein?

Ich habe vor dem Gate keine Angst, aber großen Respekt. Denn meine Erfahrung lehrte mich: Am Gate gibt es keine Gnade. Was kann ich tun? Ich nehme zukünftig die geschenkte, aber auch begrenzte Boardingzeit besser in den Blick.

Herr Jesus Christus,
du richtest an uns  dein rettendes Wort:
„Ich bin die Türe, wer durch mich hineingeht,
wird gerettet werden.“
An die Selbstgerechten:
„Seid euch nicht zu sicher.“
An die Ängstlichen:
„Habt Vertrauen, die Türe steht offen.“
An die Glaubenden:
„Geht eueren Weg weiter.“
An die Zweifelnden:
„Habt Mut, Gott öffnet euch immer wieder Türen.“
An die Starken:
„Helft anderen, Zugänge zum wahren Leben zu finden.“
An die Entmutigten:
„Sucht  immer wieder Wege zu Gott und zu den Menschen.“
An uns alle:
„Bemüht euch mit allen Kräften!“
Alles andere wird euch dazu gegeben.