3. Sonntag der Osterzeit

1) Sonntag für Sonntag hat mir mein Vater von seinem Gottesdienstbesuch erzählt. Immer wieder sagte er: „Ich verstehe nichts. Die Mikrophonanlage ist so schlecht.“ Ich antwortete: „Setze dich halt mal auf einen anderen Platz in der Kirche!“ – „Auf einen anderen Platz“, erwidert er, „das kommt auf keinen Fall in Frage!“
2) Das heutige Osterevangelium erinnert mich an die Geschichte meines Vaters. Die Jünger gehen – nach dem Tod Jesu – wieder ihrem alten Beruf nach. Das, was sie eben können und gelernt haben: das Fischen. Das hat bisher immer gut geklappt. Aber es funktioniert nicht mehr! Die Netze bleiben leer. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen.
3) Der ihnen Unbekannte rät: „Werft das Netz auf der rechten Seite aus, und ihr werde etwas fangen.“ Die Ostergeschichte ist auch als eine Erneuerung ihrer Berufung zu verstehen.: Welche Zumutung hier in diesem Ruf steckt, trotz aller Widrigkeiten, nochmals hinauszufahren; es noch einmal zu probieren, obwohl doch Vieles dagegen spricht!
4) Wie gut, dass diese Jünger nicht geantwortet haben: „Wir haben das aber immer schon so gemacht – und dabei bleibt es!“ - Die Jünger waren bereit etwas zu verändern, mal etwas anders zu machen; mal etwas Neues zu wagen- damit so ein Wunder überhaupt möglich wird. Sie waren bereit, auf diesen Unbekannten zu hören, seinen Worten zu vertrauen, ihm trauen und zu glauben.
5) Wie viele Wunder sind vielleicht in unserem eigenen Leben gar nicht zustande gekommen, weil wir nicht bereit waren, mal etwas anders zu machen als wir es gewohnt sind, weil die herkömmlichen Vorstellungen und Routinen alles Neue und Unbekannte überlagert haben. Oder, weil uns einfach der Mut fehlte, neu anzufangen und loszugehen – bis an die eigenen Grenzen.
6) Die Jünger machen dabei den Fang ihres Lebens. 153 Fische! Eine Fülle. Im Glauben geht es nicht um „ein bisschen“, sondern um die Fülle, um das große Ganze! Sie vertrauen diesem Unbekannten, der sich dann im Brechen des Brotes und in der Einladung zu kommen und zu essen sich als der Auferstandene zu erkennen gibt. „Kommt her und esst!“ Diese einladenden Worte erinnern auch an die Einladung im Abendmahlssaal; wieder lädt ER dazu ein – diesmal am Kohlenfeuer, das wärmt und Gemeinschaft stiftet.
7) Was möchte uns das heutige Evangelium für die kommende Woche sagen? Kommen wir zum Ausgangspunkt meiner Predigt zurück: Wenn Du wirklich Leben willst, österliches, neues Leben und das nicht erst im Jenseits, wenn du tot bist, sondern heute schon, dann hilf dabei mit - und zwar ganz praktisch:
8) Setz Dich mal woanders hin als sonst - damit Du mal was anderes siehst!
Sprich mal mit anderen Leuten - damit Du auch mal was anderes hörst.
Ändere mal Deine Perspektive, damit Du Deinen Horizont erweitern kannst - und damit Gott auch wieder mal eine Chance bekommt in deinem Leben; dieser Gott, der nicht „das war schon immer so“ und nicht im Gestern wohnt, sondern im Leben, im Heute, hier und jetzt, seine Wunder tun möchte: „Als es Morgen war, stand Jesus am Ufer!“