20. Sonntag im Jahreskreis, B 2024

Liebe Schwestern und Brüder,
ich besuche gerne Buchhandlungen oder jetzt in der Reisezeit Bahnhof-Buchhandlungen.
In welchen Bereich zieht es Sie am meisten?
Oder stöbern Sie einfach mal - nach Lust und Laune, was Sie so zu sehen und in die Finger bekommen?
Ich staune manchmal über die vielen Zeitungen und Zeitschriften. Für meine Mutter soll ich dann immer zwei /drei Zeitungen mitbringen: Dann ist sie auf dem Laufenden was z. B. in unseren Königshäusern so los ist und über vieles andere mehr in der Promiwelt. Freilich das Sortiment ist viel breiter- Psychologie und Lebensberatung nehmen einen großen Raum ein. Vielfach geht es um gesundes, gelingendes und erfüllendes Leben.
Der heutige Abschnitt aus dem Epheserbrief würde da ganz gut dazu passen. Wir haben ihn gehört. Das Kapitel 5 ermutigt in mindestens sechs Schritten zu einer sehr bewussten Lebensführung.
„Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt –wie Kluge!“ Es geht zunächst darum, sowohl Entscheidungen, aber auch Gedanken und Gefühle, die Handlungen und inneren Welten des eigenen Lebens möglichst gut zu kennen. Thomas Halik nennt das Lesen des eigenen Lebens sogar die wertvollste Art des Gebetes. Die Tagesreflexion am Abend trägt dazu bei!
Der zweite Aspekt lautet: „Nutzt die Zeit, denn die Tage sind böse!“. Die eigene Zeit bewusst zu nutzen, genau in den Situationen, in denen man eben ist, im Hier und jetzt. „Nutzt die Zeit!“ Ich habe in dieser Woche so viel Schönes erlebt z. B. in Gesprächen und Begegnungen. Z. B. war ich Gast im Logistikzentrum der Polizei. Es war ein so guter, zwischenmenschlicher Austausch an wertvollen Themen und bereichernden Perspektiven.
Der dritte Aspekt einer guten Lebensführung, die im Epheserbrief vorgeschlagen wird, ist den Willen Gottes zu begreifen. Ich frage mich oft: „Was würde Jesus in meiner Situation machen!“ „Was würde er sagen!“ „Was würde er machen?“ Den Willen Gottes zu begreifen heisst für mich immer wieder, sich von Ihm ergreifen zu lassen. Das kann nicht anders als in Gebet und Schriftlesung und in einer Anbindung an eine Gemeinschaft geschehen.
„Berauscht euch nicht mit Wein.“ Man könnte auch übersetzten: „Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt.“ Der vierte Aspekt ist eine Mahnung zu Disziplin im Umgang mit Genussmitteln, sich nicht damit zu betäuben, und empfiehlt stattdessen, sich vom Geist erfüllen zu lassen. Für Gott Raum zu lassen, das bedeutet auch, sich beschenken zu lassen; dann reicht auch ein Glas guten Weines sich am Leben, an den Früchten der Schöpfung, zu erfreuen.
Ein fünfter Schritt, der mit einem sehr langen Vers bedacht ist, fordert die Gemeinde zum Lobpreis, zum Singen und Jubeln auf. „Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder erklingen, singt und jubelt aus vollem Herzen dem Herrn.“ Vielleicht darf man die „Mitte“ in doppelter Weise interpretieren: als eigene innere Mitte, aus der Lieder und Lobpreis aufsteigen (manche sollen ja unter der Dusche singen können!), oder/und als Gemeinde, die gemeinsam feiert. Nicht umsonst heisst unser Gebetbuch „Gotteslob!“
Der sechste Schritt in der Kunst der Lebensführung – zumindest nach der heutigen Lesung - besteht darin, Dankbarkeit als das wichtigste Gefühl, als die wichtigste Haltung, zu üben: dankbar zu sein für alles, dankbar zu sein für das Geschenk des Lebens, dankbar zu sein für all die vielen Momente des Lebens, die uns formen und zu uns selbst kommen lassen. Aus der Dankbarkeit erwächst Zufriedenheit. Daraus erwächst die Kraft, um das Leben gut zu gestalten.
Liebe Schwestern und Brüder,
die gehörten Verse aus dem Epheserbrief 5,15-20 bilden den Schluss eines Abschnittes, der in der EÜ 2016 überschrieben ist mit: „Aus der Finsternis zum Licht“ (V. 3-20). Hier wird sehr klar differenziert: Das Licht bringt Güte und Leben. Die Finsternis dagegen ist unfruchtbar, böse und endet im Tod. Der Epheserbrief greift hier auf weisheitliche Sprache zurück. Es ist klug, sich weise und klug zu verhalten. Denn nur so kann das Leben gelingen. Amen.